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Pilze räumen auf Hüter der ökologischen Balance

Pilze haben zugleich Eigenschaften von Pflanzen wie von Tieren und bilden einen eigenen Bereich. In der Natur kommt ihnen eine wichtige Rolle zu, denn Pilze räumen gründlich auf - schmarotzen aber auch.

Stand: 20.08.2020

Pilze im Wald | Bild: colourbox.com

Sind Pilze Pflanzen oder Tiere? Einige Eigenschaften ihrer Zellen sind typisch für Pflanzen. Doch anders als bei diesen bestehen die Zellwände der Pilze nicht aus Cellulose, sondern aus Chitin. Dem Stoff, aus dem die Zellwände der meisten Gliederfüßler und Insekten gemacht sind. Außerdem besitzen Pilze kein Chlorophyll, können also nicht wie Pflanzen aus Licht und Kohlendioxid Zucker herstellen. Ein Dilemma, das lange für Streit unter den Wissenschaftlern gesorgt hat. Mittlerweile gesteht man den Pilzen deshalb ein eigenes Reich zu.

Recycling ist ihre Stärke

Die Welt der Pilze ist groß - unüberschaubar groß: 500.000 Arten gibt es weltweit nach Schätzungen von Mykologen, andere gehen von der doppelten oder dreifachen Menge aus. Nur einen Bruchteil davon haben Wissenschaftler bis heute untersucht. Den Schwammerlsucher freilich interessieren weder Schlauch-, Algen-, oder Schleimpilze noch Schimmelpilze, die unsere Lebensmittel mit einem blaugrünen Belag überziehen - für den Kochtopf kommen nur einige Großpilze in Betracht, von denen es in unseren Breiten rund 4.000 bis 5.000 Arten gibt. All diesen Pilzen ist gemein, dass sie im großen Haushalt der Natur die Rolle des Zersetzers von organischem Material übernommen haben. Sie sind Meister darin, ihre Umgebung auf Verwertbares hin auszuschlachten.

Pilz-Enzyme zerlegen so ziemlich alles

Dazu haben Pilze eine Vielzahl von Enzymen zur Verfügung. Diese biologischen Werkzeuge zerlegen alles, was irgendwie nahrhaft ist: totes Holz - nicht nur im Wald, sondern auch das Bauholz von Häusern -, Blätter, abgestorbene Wurzeln und Kadaver aller Art, die es im Boden reichlich gibt. Und wenn das nicht reicht, gehen die Pilze mit ihren unterirdischen Fäden auf die Jagd: Fadenwürmer bleiben in dem Geflecht hängen, das in sie hineinwächst und sie aussaugt. Auch dazu brauchen die Pilze Enzyme, mit denen sie die Haut der Tiere durchlöchern.

Strategien bei der Zuckerjagd

Hallimasch, der Schmarotzer

Pilze brauchen Kohlenhydrate - und haben die unterschiedlichsten Strategien entwickelt, um daran zu kommen. Nicht immer geht das im Einvernehmen mit den Quellen - das erfahren etwa Menschen, die den Hefepilz Candida albicans im Übermaße in ihrem Darm haben.

Im Wald von Forstleuten gefürchtet und von Pilzsammlern geschätzt ist ein anderer Schmarotzer: der Hallimasch. Er kann Bäume schädigen und sogar zum Absterben bringen. Gleichzeitig ist er ein begehrter Speisepilz - wenn man ihn lang genug erhitzt.

Eine andere Strategie ist es abgestorbenes Material zu besiedeln, um an Kohlenhydrate zu gelangen. Zu diesen so genannten Saprophyten gehört zum Beispiel der Ästige Stachelbart oder der Zunderschwamm, den man früher zum Feuermachen benutzte.

Tausche Kohlenhydrate gegen Wasser

Andere Pilze haben sich darauf spezialisiert, von einer Lebensgemeinschaft oder Symbiose mit Bäumen zu profitieren. Mit dem weit verzweigten Pilzgeflecht, dem Mycel, nehmen die Pilze auch noch kleinste Mengen an Nährstoffen und Wasser aus tiefen Bodenschichten auf und stellen sie dem Baum zur Verfügung. Der Baum versorgt den Pilz dafür mit Produkten aus der Photosynthese, zum Beispiel Zucker. Unter anderem die meisten bei Pilzsammlern besonders beliebten Röhrenpilze zählen zu diesen so genannten "Mykorrhizapilzen".

 Win-Win-Situation im Untergrund

Neun von zehn Pflanzen tolerieren das nicht nur, sie brauchen diese Umhüllung mit den feinen Wurzeln der Pilze sogar. Ohne das Pilzgeflecht verkümmern sie. Denn die Pilze geben der Pflanze andere Nährstoffe zurück, Mineralien und vor allem Phosphat. Diese Symbiose, Mykorrhiza genannt, ist wahrscheinlich so alt wie die Landpflanzen selbst. Und sie ist wichtig für die Kommunikation: Über die Pilzfäden, die sich über viele Quadratkilometer hinweg erstrecken können, stehen die Pflanzen unterirdisch miteinander in Verbindung und warnen sich gegenseitig, beispielsweise vor Schädlingen.


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