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Pflanzeninventur Neuer Pflanzenatlas aus Leipzig

Bisher galt der Katalog "The Plant List" des Königlichen Botanischen Gartens "Kew Gardens" in London als das Standardwerk, wenn es um Pflanzenarten und deren Namen ging. Den Rang ablaufen könnte ihm ein neuer Pflanzenatlas aus Leipzig. Er ist für alle zugänglich.

Stand: 30.11.2020

Der Botanische Garten Leipzig ist der älteste in Deutschland. Hier wachsen 6.500 verschiedene Pflanzenarten. | Bild: Swen Reichhold

Leipzig möchte Referenzstadt für korrekte wissenschaftliche Pflanzennamen werden. Leipziger Botaniker aus dem ältesten Botanischen Garten Deutschlands haben dafür eine umfassende und aktualisierte Liste aller bekannten Pflanzenarten und Unterarten herausgegegeben. Auf ihr stehen über 1,3 Millionen Namen. Denn die britische "The Plant List" wurde seit 2013 nicht mehr aktualisiert. Die gleichen Pflanzen haben in unterschiedlichen Teilen der Welt unterschiedliche Namen, Schreibweisen oder Synonyme. Das sorgte für Verwirrung.

Gleiche Pflanzen gleich benennen

Denn oft passiert es, dass gleiche Pflanzen unterschiedliche Namen haben. Zum Beispiel, wenn sie von unterschiedlichen Forschern in unterschiedlichen Regionen auf der Welt zum ersten Mal entdeckt, dann aber parallel beschrieben werden. Dann gibt man der Pflanze einen Namen, weiß aber gar nicht, dass sie gerade anderswo einen ganz anderen Namen bekommen hat. Hinzu kommt, dass sich durch Überlieferungen teilweise Schreibweisen geändert oder angepasst haben. Es gab Synonyme für die gleichen Pflanzen. Unterschiedliche Pflanzen wurden der gleichen Art zugeschrieben. Und gleiche Pflanzen als unterschiedlich.

Eine Pflanzen-Datenbank für alle

Der neue Pflanzenatlas hat das Durcheinander an Benennungen sortiert und ist eine Datenbank für alle: Sowohl Forscher, als auch interessierte Hobby-Botaniker, Mediziner, Klimaforscher und Biologen können sich informieren. Erstellt hat die Datenbank Martin Freiberg, Wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens Leipzig. Unterstützt wird er seit 2018 durch das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv).

Über 1,3 Millionen Pflanzen-Namen

Die Magerwiesen-Margerite

Der “Leipziger Katalog der Gefäßpflanzen” (LCVP) umfasst insgesamt 1.315.562 Namen von Gefäßpflanzen, von denen etwa zwei Drittel aber Synonyme sind. Gefäßpflanzen sind solche, die in ihren Gefäßen Wasser und Nährstoffe transportieren können. Dazu gehören so ziemlich alle Pflanzen und Bäume. Moose nicht. Laut den Botanikern ist der neue Pflanzenatlas die größte, umfassendste und aktuellste Pflanzenliste der Welt.

70.000 neue Pflanzenarten entdeckt

Laut Freiberg soll der Atlas alle zwei bis drei Jahre aktualisiert werden. Denn ständig werden neue Arten entdeckt - vor allem auch durch moderne molekulargenetische Analysemethoden. Diese müssten aber ständig in bestehende Datenbanken eingepflegt und mit anderen Datensätzen abgeglichen werden. Das wurde häufig vernachlässigt.

Außerdem gibt es noch einige Namen, die zuzuordnen sind. Etwa 60.000 Artnamen sind noch ungeklärt - vorher waren es 244.000. Insgesamt umfasst der LCVP 351.180 Gefäßpflanzen-Arten und 6.160 natürliche Hybride innerhalb von 13.460 Gattungen, 564 Familien und 84 Ordnungen. Sie stammen teilweise aus verschiedenen Datenbanken. Zusätzlich wertete Freiberg etwa 4.500 Studien aus. Dadurch wuchs die Zahl der anerkannten Pflanzenarten und Unterarten im Katalog auf zusätzliche 70.000 gegenüber dem Werk aus Großbritannien an. Die Studie wurde im Fachblatt “Scientific Data” veröffentlicht und steht im Internet zur Verfügung.


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