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Mars-Rover Perseverance Mars-Fotos von extrem guter Qualität

Der NASA-Rover Perseverance schickt schon fleißig Material vom Mars. Seine Bilder begeistern durch eine außergewöhnlich hohe Auflösung, die kleinste Details des roten Planeten sichtbar macht. Außerdem hat er ein Selfie-Video der Landung gedreht.

Von: Jan-Claudius Hanika, Heike Westram

Stand: 25.02.2021

Seit dem 18. Februar ist der neueste Mars-Rover auf dem Mars: Perseverance ("Beharrlichkeit") steht im Jerezo-Krater im roten Marsstaub, bereit für seinen zweijährigen Einsatz. Jetzt werden Stück für Stück seine Geräte an Bord vom Projektteam "aufgeweckt" und getestet.

Das erste 360-Grad-Panorama-Bild, das Perseverance auf dem Mars machte, begeistert das Projektteam, denn es ist so hoch aufgelöst, dass noch kleinste Details darin erkennbar sind. Ein paar davon können Sie oben in der Bildergalerie sehen. Und hier ist das Panorama-Bild zum Selbst-Zoomen (die Vollbildschrim-Darstellung funktioniert leider nicht):

 

Die Kameras von Perseverance und seiner Landeeinheit waren auch schon während der spannenden Landung aktiv und filmten den Abstieg des Rovers aus verschiedenen Perspektiven. Hier ein Zusammenschnitt des Selfie-Videos:

Eines der Instrumente von Perseverance ist ein Mikrofon, mit dem der Rover nach seiner Landung erste Aufnahmen gemacht hat. Zu hören ist - neben den Geräuschen des Rovers selbst - der Wind, der durch den Jerezo-Krater fegt. Trotz einer dünnen Atmosphäre gibt es auf dem Mars Wind und teilweise starke Sandstürme.

Perseverance erkundet den Krater Jerezo

Perseverance erkundet den Jerezo-Krater

Perseverance soll einen interessanten Ort auf dem Mars erkunden: den Jerezo-Krater. Dieser Krater mit mehr als 45 Kilometern Durchmesser ist vor rund vier Milliarden Jahren durch einen Meteoriteneinschlag entstanden und muss einst reichlich Wasser enthalten haben.

Das zeigen Tonmineralien in seinen tiefen Bodenschichten, die nur im Zusammenhang mit Wasser entstanden sein können. Wissenschaftler vermuten, dass in dem Krater einst ein See von der Größe des Bodensees lag, der zahlreiche Zuflüsse aus der Umgebung hatte.

Mars-Duo mit Rädern und Rotoren

Der Mars-Rover hat noch einen spannenden, kleinen Begleiter: den Hubschrauber Ingenuity. Am 20. Februar schickte Ingenuity ein erstes Lebenszeichen zur Kontrollstation: Er sei - wie erwartet - noch fest an der Unterseite von Perseverance verankert. Der Hubschrauber war zu seinem Schutz vor Beschädigungen bei der Landung im Inneren des Rovers untergebracht. Ingenuity soll in den kommenden ein bis zwei Monaten zu einem ersten Testflug aufbrechen.

Dünne Luft, schnelle Rotoren

Damit wird zum ersten Mal ein Fluggerät einen anderen Planeten erforschen. Ein Gerät, das - im Gegensatz zu einem Ballon - schwerer ist als die Luft der Atmosphäre, die es umgibt.

Mars Helicopter

Der Mars stellt hohe Anforderungen an die Flugfähigkeit eines Hubschraubers, denn die Atmosphäre dort ist rund hundert Mal dünner als auf der Erde. Ingenuity ist ziemlich klein: Er wiegt nur rund 1,8 Kilogramm, sein Rumpf hat einen Durchmesser von etwa zehn Zentimetern - ein eher drohnenartiger Hubschrauber.

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NASA Mars Helicopter Technology Demonstration | Bild: NASA Jet Propulsion Laboratory (via YouTube)

NASA Mars Helicopter Technology Demonstration

Damit sich der Mars Helicopter Ingenuity trotz der dünnen Atmosphäre in der Luft halten kann, drehen sich die beiden gegenläufigen Rotoren mit 3.000 Umdrehungen pro Minute. Das ist rund zehn Mal schneller als bei einem Hubschrauber auf der Erde. Energie bezieht der Mars-Hubschrauber von Lithium-Ionen-Akkus, die er mit Solarzellen auflädt. Die Akkus versorgen auch die eingebaute Heizung, die Ingenuity gegen die nächtliche Kälte auf dem Mars schützen soll.

Autonomes Fliegen

Der Mars ist von der Erde weit entfernt, daher sind Funksignale dorthin und zurück mehrere Minuten unterwegs. Eine direkte Steuerung von der Erde aus ist so unmöglich. Ingenuity ist deshalb ein autonomes Fluggerät, das seine Flugbahn selbst lenken kann. Er empfängt Befehle von der Bodenstation, interpretiert sie und richtet seine Flugbahn entsprechend aus.

Ein Monat Testbetrieb für den Hubschrauber

Die ersten dreißig Tage des Einsatzes von Ingenuity sind für Flugtests vorgesehen. Beim ersten Flug soll der Hubschrauber drei Meter nach oben fliegen und dort für circa dreißig Sekunden verharren. Danach sind bis zu fünf weitere Flüge vorgesehen. Die Flugdistanzen sollen dabei schrittweise immer größer werden. Schließlich soll Ingenuity einige hundert Meter weit fliegen und bis zu neunzig Sekunden in der Luft bleiben. Laut NASA ist der Mars Helicopter ein Projekt mit hohem Risiko, bei dem es aber auch viel zu gewinnen gibt. Falls er aber seine Aufgabe erfüllt, könnten Hubschrauber wie Ingenuity in Zukunft als niedrig fliegende Späher auf anderen Planeten unterwegs sein, die an Orte kommen, die Landfahrzeuge nicht erreichen können.

Perseverance-Rover sammelt Steine für die Zukunft

Mars 2020-Rover verfügt über 23 Kameras

Zusammen bilden der Rover Perseverance ("Beharrlichkeit") und der Hubschrauber Ingenuity ("Scharfsinn") die Mission Mars 2020. Der Mars 2020-Rover Perseverance wird geologische Untersuchungen am Landeplatz durchführen, die Bewohnbarkeit der Umwelt bestimmen und nach Zeichen von einstigem Leben auf dem Mars suchen. Außerdem soll er bewerten, welche Ressourcen und Gefahren es für Forscher gibt, die in der Zukunft zum Mars reisen könnten. Dazu sammelt der Rover Gestein und Erdreich und analysiert beides.

Er erledigt damit ähnliche Aufgaben wie seine Rover-Vorgänger Opportunity und Curiosity. Letzterem ähnelt er sogar mehr als nur ein bisschen. Der Mars 2020-Rover ist eine komplett überarbeitete Version von Curiosity. NASA-Forscher Jim Watzin erklärt, warum: "Die Tatsache, dass so viel Hardware schon entworfen war oder existierte, ist ein riesiger Vorteil dieser Mission. Das spart Geld, Zeit und reduziert das Risiko."

"Ob es jemals Leben außer auf der Erde gegeben hat, ist eine der größten Fragen, die Menschen zu beantworten versuchen. Was wir von den Proben lernen werden, die während dieser Mission gesammelt werden, hat das Potenzial, diese Frage anzugehen."

NASA-Wissenschaftler Ken Farley

Mars-Gestein zur Erde zurückschicken?

So sieht es auf dem Mars aus. Diese Aufnahme wurde tatsächlich auf der Marsoberfläche angefertigt: Der Mars Rover Curiosity der US-Weltraumagentur NASA hat sie 2014 gemacht.  | Bild: NASA/JPL-Caltech/MSSS zum Modulartikel Mars Sample Return RÜCKKEHR vom ROTEN PLANETEN

Einmal roter Planet und zurück: Im Rahmen des Mars Sample Return Programms wollen ESA und NASA erstmals Gesteinsproben vom Mars zur Erde bringen. Der erste Schritt Richtung Rückkehr ist bereits geschafft. [mehr]

Seit Jahren erwägt die NASA, erstmals Bodenproben vom Mars auch wieder zurück zur Erde zu bringen - mit der Mars Sample Return Mission. Dazu müsste eine Rakete die von einer Bodenmission gesammelten Gesteinsproben vom Mars wieder zurück ins All schießen, wo ein anderes Raumgefährt sie aufnimmt und zur Erde zurückbringt. Drei unterschiedliche, aufeinanderfolgende Missionen, deren erste die aktuelle Mission 2020 von Perseverance sein könnte.

Wenn es nach der NASA geht, könnte der Mars ab den 2030er-Jahren auch Besuch von Menschen bekommen - bei der ersten bemannten Mars-Umrundung. Sollten die auf dem Mars landen, könnten auch sie die Proben des Rovers mit nach Hause nehmen.

Start der Mission 2020 im Juli 2020

Perseverance war gut ein halbes Jahr lang unterwegs auf einer fast 500 Millionen Kilometer langen Reise zum Mars. Am 30. Juli 2020 startete die Mission Mars 2020 mit einer Atlas V-Rakete von Cape Canaveral in Florida. Am 18. Februar 2021 kam Perseverance auf dem Mars an. Ein Marsjahr lang, das sind 687 Erdentage, soll die Mission auf dem Mars mindestens dauern.

Voll automatisierte Landung am eigenen Kran

Allein das Landemanöver von Perseverance am 18. Februar 2021 war spannend, denn das Projektteam am Boden konnte nicht eingreifen: Der Rover in seiner Landekapsel steuerte alles selbst.

Wie die meisten Landegeräte war Perseverance zunächst in ein Hitzeschild gegen die große Reibungshitze beim Eintritt in die Marsatmosphäre gepackt und entfaltete auch einen Fallschirm zur Abbremsung.

So lief die Landung von Perseverance ab

Doch dann kam eine spektakuläre Premiere bei Marslandungen: Der Rover hatte seinen eigenen kleinen Kran dabei, der ihn vorsichtig auf dem Marsboden absetzte - den "Himmelskran" (Sky Crane). Um 21.55 Uhr unserer Zeit war die Landung erfolgreich beendet.

Animation der Landesequenz

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Landung des Rovers Perseverance auf dem Mars am 18. Februar 2021 (Mission Trailer) | Bild: NASA Jet Propulsion Laboratory (via YouTube)

Perseverance Arrives at Mars: Feb. 18, 2021 (Mission Trailer)

Sendungen:

  • Landung auf dem Mars: Die Ankunft des Rovers Perseverance live. 18.02.2021 um 20:15 Uhr, ARD-alpha
  • Reise zum Mars. Quantensprung, 17.02.2021 um 21:00 Uhr, ARD-alpha
  • Bodenproben vom Mars. Gut zu wissen, 13.02.2021 um 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Rush Hour am Mars. IQ - Wissenschaft und Forschung, 08.02.2021 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Perseverance startet zum Mars. radioWelt, 30.07.2020 um 06:05 Uhr, Bayern 2
  • Einmal Marsgestein, bitte! IQ - Wissenschaft und Forschung, 16.07.2020 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Perseverance-Rover soll den Mars erforschen. IQ - Wissenschaft und Forschung, 05.06.2020 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Rover der Mission Mars 2020 erhält den Namen Perseverance. Nachrichten, 06.03.2020 um 07:45 Uhr, B5 aktuell
  • Mars 2020 - ein Hubschrauber auf dem Mars. IQ - Wissenschaft und Forschung, 14.05.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2

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