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Paare und Kommunikation "Schatz - wir müssen reden!"

Die meisten Männer hassen Beziehungsgespräche. Dennoch ist es notwendig, sich über Bedürfnisse und Wünsche in einer Partnerschaft regelmäßig auszutauschen. Und besonders für die Konfliktlösung braucht es Kommunikationsstrategien.

Stand: 10.12.2020 13:20 Uhr

Illustration: Ein Pärchen sitzt am Tisch und diskutiert: einer spricht, der andere hält sich die Ohren zu. | Bild: BR

5 : 1

John Gottmann, amerikanischer Beziehungsforscher, hat die Paarkommunikation auf eine einfache Formel gebracht: Er hat beobachtet, dass glückliche Paare negative Situationen durch positive ausgleichen - und zwar im Verhältnis 5 : 1. Ein böses Wort wird durch fünf liebevolle Aussagen, Komplimente oder Gesten wieder ausgeglichen.

Zuerst einmal muss man unterscheiden zwischen der generellen Kommunikation eines Paares und der Kommunikation in Konfliktsituationen. Der Austausch über eigene Wünsche und Vorstellungen, Pläne, Hoffnungen ist ein wichtiges Fundament für eine Beziehung. Und dazu gehört, dass man sich täglich austauscht und so Nähe zum Partner erlebt. Wer das nicht tut, für den besteht die Gefahr, dass man den Partner aus den Augen verliert.

Frauen und Männer sprechen unterschiedlich

Während Frauen sich sehr detailliert über ihre Männer oder ihre Affären mit Freundinnen unterhalten, bleiben Männer mit ihren Aussagen über Frauen eher an der Oberfläche. Psychologe Wolfgang Schmidbauer meint, dass Frauen mehr und tendenziell schlechter über Männer reden als es Männer über Frauen tun. Frauen neigten auch eher dazu, so Schmidbauer, sich über ihren Partner zu beklagen und das eigene Unglück am Fehlverhalten des Mannes fest zu machen.

Frauenbündnisse erschweren Kommunikation zwischen den Geschlechtern

Psychologin Anna Schoch rät Frauen, die Probleme in der eigenen Beziehung nicht mit den Freundinnen, sondern zuallererst und intensiv mit dem Partner zu besprechen. Auch Wolfgang Schmidbauer ist der Meinung, dass Frauenbündnisse die Sprachlosigkeit zwischen den Geschlechtern eher vertiefen.

"Paare, die sich in langjährigen Beziehungen glücklich fühlen, sind meist in der Lage, sich gegenseitig ihre Gefühlswelt mitzuteilen. Sie sehen weder sich noch die gemeinsame Beziehung durch diese Gefühlsäußerungen, gerade auch wenn sie negativ sein sollten, bedroht. Solche Paare haben – manchmal ohne sich dessen so genau bewusst zu sein – eine eigene, sehr subtile Sprache, Gestik und Mimik im Laufe ihrer Beziehung entwickelt."

pro familia, Lustwandel. Sexuelle Probleme in der Partnerschaft

Streit in der Partnerschaft ist normal - auf das "Wie" kommt es an

Dass es in einer Beziehung auch mal zu Streit kommt, ist ganz normal. Besonders schnell entstehen Auseinandersetzungen, wenn einer der Partner oder sogar beide durch Stress von außen - zum Beispiel durch den Beruf, Probleme in der Kindererziehung, Konflikte in der Herkunftsfamilie angespannt sind. Wer gestresst ist, kommuniziert sehr viel schlechter als in entspanntem Zustand: Der Ton wird gereizt, man reagiert heftiger als sonst.

Ich-Botschaften formulieren statt Vorwürfe

Wer es dann aber schafft, sachlich beim Problem zu bleiben, Ich-Botschaften zu formulieren - also keine Vorwürfe an den Partner, sondern von sich selbst sprechen - keine alten Sünden hervorzuholen, keine Charakterkritik am anderen zu üben und nicht verächtlich oder zynisch zu werden - der ist ein "guter" Streiter. Der Idealfall: Die Partner arbeiten an der Lösung des Problems und fügen sich keine Verletzungen zu.

Darüber streiten Paare am häufigsten

Die wichtigsten Streitthemen in Beziehungen sind die Freizeitgestaltung, die Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung, die Finanzen, das Engagement im Beruf, der partnerschaftliche Umgang miteinander und die Kinderziehung. Über letztere wird am häufigsten gestritten.

Quelle: Pairfam, Panel Analysis of Intimate Relationsship and Family Dynamics, Langzeitstudie an der Uni München

Nach Geburt des Kindes: Rückfall in alte Geschlechterrollen

Viele Frauen haben hohe Ansprüche an sich selbst - und der Stress zwischen Familie und Beruf reibt sie auf.

Sind beide Partner berufstätig, erwischt der Stress besonders die Frauen, weil diese zusätzlich zu ihrer Berufstätigkeit meist relativ alleine den gesamten privaten Bereich organisieren müssen. Viele Frauen berichten von einem permanenten schlechten Gewissen - ihrem Beruf, aber auch ihren Kindern gegenüber:

"Gerade berufstätige Frauen erreichen ein hohes Stressniveau: Im Job, im Haushalt, als Mutter, als Partnerin – überall meinen sie perfekt sein zu müssen. Spätestens wenn Kinder da sind, wird das zu einer 'mission impossible'. Studien zeigen, dass Mütter nach der Elternschaft deutlich mehr Hausarbeit erledigen. Männer, die sich zuvor engagiert haben, driften weg, definieren sich zunehmend über die Ernährerrolle und Karriere."

Guy Bodenmann, Psychologe und Paartherapeut im Tagesanzeiger, Zürich

Freiräume schaffen - das tut der Partnerschaft gut

Viele Frauen reden sich ein, das sei okay so, das sei der Preis, den sie für ihre Berufstätigkeit bezahlen müssten. Wenn es keine Großeltern vor Ort gibt, die die Frauen entlasten, wird es problematisch: Als Frau ist man frustiert, fühlt sich nicht genügend unterstützt vom Partner - und die Kommunikation zwischen den Liebenden wird immer schlechter. Aus dieser Falle kommt man, indem man sich mit seinem Partner hinsetzt und ihn darauf aufmerksam macht, dass man mehr Hilfe von ihm braucht. Vielleicht lässt sich auch ein Babysitter engagieren, um der Frau Freiräume für ihre Hobbies oder dem Paar mehr gemeinsame Zeit zu verschaffen.


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