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Osteoporose Wenn Knochen brüchig werden

Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Alter. Was viele nicht wissen: Auch Männer sind betroffen. Manchmal führt ein kleines Missgeschick gleich zum Knochenbruch.

Von: Veronika Bräse

Stand: 18.06.2018

Der Name Osteoporose leitet sich von griechisch "osteo" für Knochen und "poros" für die Pore oder das Loch ab - übersetzt also "poröser Knochen". Mit zunehmendem Alter nimmt die Knochensubstanz stark ab. Damit steigt das Risiko eines Knochenbruchs. In gewissem Umfang ist das ein normaler Prozess, denn auch die Muskelkraft lässt nach.

Auch Männer sind von Osteoporose betroffen

Von Osteoporose sind meist ältere Menschen betroffen. Sie werden dadurch kleiner und der Rücken krümmt sich.

Bei 30 Prozent der Frauen wird nach der Menopause die Diagnose Osteoporose gestellt, weil die Knochendichte sehr stark abnimmt und es zu Brüchen kommen kann. Für Männer ist sie ab dem 70. Lebensjahr ein ebenso häufiges Krankheitsbild. Typisch ist, dass die Körpergröße relativ rasch abnimmt. Außerdem bekommen ältere Menschen mit Osteoporose häufig einen Buckel.

Gründe für den Knochenschwund

Meist wird der Knochenschwund dadurch ausgelöst, dass die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron, die den Knochenaufbau anregen, im Alter abnehmen. Außerdem gibt es bestimmte Medikamente, die Knochen brüchig machen. Davon können auch jüngere Menschen betroffen sein.

"An erster Stelle stehen Asthmatiker und Rheuma-Patienten, die Kortison benötigen. Negativ wirken sich auch Antiepileptika und Antidepressiva auf die Knochen aus. Auch Heparin zur Hemmung der Blutgerinnung ist abträglich. Außerdem sind Diabetiker stärker von Osteoporose betroffen."

Vanadin Seifert-Klauss, ärztliche Leiterin des Osteoporose-Zentrums am Klinikum rechts der Isar in München

Der stille Knochendieb Osteoporose bleibt oft lange unentdeckt

Osteoporose ist eine Volkskrankheit, von der in Deutschland jeder Zehnte betroffen ist. Eventuell sind es auch mehr, weil viele Menschen gar nicht wissen, dass ihre Knochen brüchig werden können. Manche erleiden auch einen Knochenbruch ohne zu wissen, dass der eigentliche Grund dafür Osteoporose ist.

Osteoporose und bildgebende Verfahren wie die Knochendichtemessung

Bei einer Knochendichtemessung kann der Krankheitsverlauf beobachtet werden.

Der Knochenschwund setzt nicht plötzlich ein, sondern kommt schleichend über Jahre. Die Krankenkasse bezahlt bei Verdacht auf Osteoporose die Knochendichtemessung der Lendenwirbelsäule und der linken Hüfte. Das sind die beiden Standardmessungen, die jeweils nur ein paar Minuten dauern, und die Strahlenbelastung ist sehr gering. In diesen Knochen lässt sich exemplarisch sehen, ob die Krankheit voranschreitet.

Wenige wissen über ihre Knochendichte Bescheid

In Deutschland gibt es kein flächendeckendes Screening für Osteoporose, was Experten bedauern.

"In Italien hat jeder Patient über 65 Jahren das Recht eine Knochendichtemessung durchführen zu lassen. Das halte ich für sinnvoll. Wir wissen alle über unseren Blutdruck oder unsere Cholesterinwerte Bescheid, nicht aber über unsere Knochendichte."

Vanadin Seifert-Klauss, ärztliche Leiterin des Osteoporose-Zentrums am Klinikum rechts der Isar in München

Knochenbrüche aufgrund von Osteoporose

Ein kleines Missgeschick kann bei Osteoporose schlimme Folgen haben. Denn manche ältere Menschen stolpern in der Wohnung oder auf der Treppe. Wegen eines Sturzes, der ihnen in jungen Jahren nichts ausgemacht hätte, brechen sie sich plötzlich, quasi aus dem Nichts heraus, einen Knochen oder Wirbel. 'Sturz aus dem Stand' nennen Mediziner das. Das gilt, so die Definition, als eindeutiger Hinweis auf Osteoporose.

"Wir versuchen, Menschen zu identifizieren, die eine hohe Bruch-Wahrscheinlichkeit haben und jemand, der eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, ist für uns ein Osteoporose Patient. Wir würden natürlich gerne den ersten Bruch verhindern, nicht erst den zweiten und dritten Bruch."

Ralf Schmidmaier, Osteologe am Bayerischen Osteoporosezentrum des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München

Hohe Sterblichkeit nach Knochenbrüchen

Osteoporose kann schon bei leichten Stürzen zu Knochenbrüchen führen.

Oft ist der Oberschenkelhals betroffen, was dazu führen kann, dass die Betroffenen von einem Moment zum nächsten ans Bett gefesselt sind und pflegebedürftig werden. Laut Statistik sterben 20 Prozent der älteren Patienten im ersten Jahr nach dem Oberschenkelhalsbruch, weil es zu Komplikationen kommt. Eine drastische Folge der Osteoporose.

Was jeder tun kann, um Osteoporose vorzubeugen

  • Regelmäßige Bewegung wie Wandern, Treppenlaufen, Gymnastik oder Krafttraining stärkt Knochen, Muskeln und Gelenke.
  • Eine gute Koordination lässt sich beim Physiotherapeuten, im Sportverein oder bei Tai Chi Übungen trainieren.
  • Eine gesunde Ernährung mit Milchprodukten wie Hartkäse, Grünkohl oder Spinat sorgt für ausreichend Kalzium, dem Grundbaustein der Knochen.
  • Das Sonnenscheinvitamin D ist wichtig für den Knochenaufbau. Wer trotz Bewegung an der frischen Luft zu wenig davon hat, kann zusätzlich Präparate einnehmen.
  • Untergewicht erhöht das Risiko, dass Knochen porös werden. Häufige Diäten und Leistungssport können sich negativ auf die Knochendichte auswirken.
  • Stürze sollten verhindert werden: flache Schuhe mit griffiger Sohle tragen, keine aufgelegten Teppiche, keine Stolperfallen zu Hause und Brille tragen!
  • Volkskrankheit Osteoporose - Wenn Knochen brüchig werden: 11.04.2019, 15.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2.
  • Osteoporose: 20.06.2018, 10.05 Uhr, Gesundheitsgespräch, Bayern 2.
  • Volkskrankheit Osteoporose - Wenn Knochen brüchig werden: 21.06.2018, 18.05 Uhr, IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2.

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