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Nördlinger Ries Bayerns Mega-Meteoritenkrater

Vor 15 Millionen Jahren knallte es in Bayern gewaltig: Ein Asteroid aus dem All schlug mit hoher Wucht ein und schuf einen gigantischen Krater: das heutige Nördlinger Ries.

Stand: 23.02.2021

Blick ins Nördlinger Ries. Hier schlug vor 15 Millionen Jahren ein großer Asteroid ein und schuf mit großer Wucht einen Einschlagkrater, der heute noch aus der Luft gut erkennbar ist. | Bild: picture alliance / dpa / Stefan Puchner

Vor rund 15 Millionen Jahren raste ein Asteroid mit 1.000 bis 1.500 Metern Durchmesser auf die Erde zu. Als er mit einer Geschwindigkeit von rund 70.000 Kilometern pro Stunde einschlug, drang er vier bis fünf Kilometer tief ein und schuf einen Krater von mehreren hundert Meter Tiefe und 24 Kilometer Durchmesser: das Nördlinger Ries.

Mit der Wucht hunderter Bomben

Das Nördlinger Ries heute

Die Explosion beim Einschlag des Asteroiden vom Nördlinger Ries war gewaltig: 150 Kubikkilometer Gestein wurden durch den Einschlag bewegt. Trümmermassen aus einigen hundert Meter Tiefe wurden herausgeschleudert, teilweise sogar aus dem kristallinen Grundgebirge: Das 600 Meter starke Deckgebirge wurde von dem Meteoriten einfach durchschlagen.

Asteroid in der Hitze verdampft

Vom Einschlag bis zum Krater in einzelnen Phasen

Beim Einschlag wurden die Gesteinsschichten unter enormen Druck so stark zusammengepresst, dass Temperaturen von etwa 20.000 Grad Celsius entstanden, die den Asteroiden und Bodengestein einfach verdampfen ließen. Eine Glutwolke stieg aus dem Krater empor. Die Druckwelle des Einschlags wirkte sich auch auf das Gestein in der Tiefe aus, wo es sogar zur Bildung von Diamant kam.

Alles Leben im Umkreis ausgelöscht

Satellitenaufnahme des Nördlinger Ries

Die Wucht des Einschlags schleuderte Material der Erdkruste bis zu 400 Kilometer weit durch die Gegend und löste ein Erdbeben der Stärke 8,5 aus - vergleichbar mit den schwersten Erdbeben, die Menschen je erlebt haben, meint der Geologe Elmar Buchner. In einem Umkreis von hundert Kilometern wurde durch die Druckwelle und die enorme Hitze alles Leben ausgelöscht.

Vom Kraterrand rutscht Gestein in den Krater hinein, der so flacher aber auch größer im Durchmesser wird. Danach bildete sich ein Kratersee, der inzwischen längst wieder verlandet ist.

Karte: Nördlinger Ries

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Karte: Nördlinger Ries

Bis heute zu sehen

Rieskrater-Modell

Streng genommen spricht man beim Nördlinger Ries nicht von einem Meteoritenkrater. Denn als Meteoriten bezeichnet man das Bruchstück eines Himmelskörpers, das auf dem Erdboden ankommt - und dort bleibt. Weil aber der Asteroid beim Einschlag vollständig verdampfte, ist das Nördlinger Ries ein Asteroidenkrater.

Nördlingen im Nördlinger Ries

Heute liegt die Stadt Nördlingen genau im Krater. Das gesamte Ries liegt etwa 150 Meter tiefer als die Umgebung. Der das Ries umgebende Wall besteht aus ehemaligem Auswurf. Suevit, das Gestein aus der Glutwolke der Explosion, lagerte sich bis zu dreißig Kilometer im Umkreis um den Krater ab und schuf für Nördlingen ein einzigartiges Baumaterial.

Kleinerer Begleiter schlug das Steinheimer Becken

Das Steinheimer Becken

Bei diesem sogenannten Ries-Ereignis entstanden vermutlich gleich zwei Meteoritenkrater, denn der große Asteroid, dessen Einschlag den Rieskrater schuf, hatte einen viel kleineren Begleiter mit etwa 150 Metern Durchmesser, der rund 40 Kilometer entfernt einschlug und das viel kleinere Steinheimer Becken mit einem Durchmesser von vier Kilometern schuf. Allerdings gibt es auch Zweifel an dieser These, da das Alter des Steinheimer Beckens bislang nicht genau erforscht werden konnte.

Auch für die NASA interessant

Erst ins Ries, dann zum Mond

Erst 1960 konnten Forscher nachweisen, dass das Nördlinger Ries wirklich durch einen Meteoriten entstanden ist. Jahre darauf wurde der Krater zur weltweiten Sensation: Die Apollo-Missionen der NASA machten hier vor der Mondlandung ihre ersten Kratererfahrungen.

Nationaler Geopark

Seit 2007 ist das Nördlinger Ries ein Nationaler Geopark, der erste Bayerns. Das Prädikat "Nationaler Geopark" dient dem Schutz von Landschaften, die durch eine einzigartige geologische Entwicklung geprägt sind und wird vom Alfred-Wegener-Institut vergeben. Zu den Besonderheiten des Geoparks Nördlinger Ries gehören etwa ein geologischer Wanderweg, der zugleich einen kulturgeschichtlichen Streifzug darstellt.

  • Geopark Ries mit Martin Kluger. BR Heimat - Habe die Ehre! 30.07.2019 um 10:05 Uhr, BR Heimat
  • Astronauten in Bayern - Als das Nördlinger Ries zum Mond wurde. Gut zu wissen, 20.07.2019 um 19:00 Uhr, BR Fernsehen

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