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Nasensprays und Nasenpflaster Medikamente über die Nase einnehmen

Arzneistoffe werden meist als Tabletten geschluckt oder gespritzt. Sie können aber auch über die Nase inhaliert werden. An Nasensprays gegen Corona wird geforscht. Die Ansätze sind vielversprechend. Woran es mitunter hakt: Die Sprays bringen die Wirkstoffe nur in den vorderen Teil der Nase. Technische Weiterentwicklungen können das ändern.

Von: Veronika Bräse

Stand: 27.07.2021 09:36 Uhr

Naensprays wirken vorne in der Nase | Bild: picture alliance

Ideal ist es, wenn Medikamente genau dort wirken, wo das Problem ist. Also nicht erst als Tablette oder Infusion durch den ganzen Körper wandern müssen. Bei einem Schnupfen funktioniert das. Ein Nasenspray wirkt in der Nase und lässt einen wieder frei atmen. Schwieriger wird es schon bei einer Nasen-Nebenhöhlenentzündung. So weit dringt ein normales Nasenspray gar nicht in den Nasenraum vor. Der Sprühstoß verteilt sich nur im vorderen Teil der Nase. Die Flüssigkeit läuft dann sogar zum Teil wieder heraus, wir schniefen und schnäuzen uns. Handelsübliche Nasensprays reichen nicht aus, wenn Arzneistoffe tiefer in den Nasenraum eingebracht werden sollen. Deswegen wird die Technik jetzt vielfach weiterentwickelt.

Europäischer Erfinderpreis für ein Nasenspray mit Mundstück

Per Gisle Djupesland, HNO-Arzt und Erfinder aus Oslo, Norwegen

Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Oslo, Per Gisle Djupesland, tüftelte über Jahre an einer Apparatur, die mit mehr Druck arbeitet, um die Wirkstoffe weiter in den Nasenraum zu befördern. Den Druck liefert nicht nur das Spray, das einen Stoß freisetzt, sondern auch ein Mundstück, in das man hineinatmet. Er bekam am 17. Juni 2021 den Europäischen Erfinderpreis für sein Nasenspray verliehen, den das Europäische Patentamt vergibt.

"Als erstes müssen Sie das schmal geformte Nasenstück in ein Nasenloch einführen. Dann kommt ein Mundstück in den Mund. Sie nehmen einen tiefen Atemzug und atmen kräftig ins Gerät, in einen Hohlraum im Inneren. Wenn Sie das Spray drücken, geht eine Klappe auf und der Atemdruck treibt den Wirkstoff in die Tiefe des Nasenraums."

Per Gisle Djupesland, HNO-Arzt und Erfinder aus Oslo, Norwegen

Der Wirkstoff wird von der Nasenschleimhaut aufgenommen

Das Patent aus Norwegen funktioniert so, dass der Wirkstoff nur im Nasenraum verteilt wird. Er gelangt nicht in die Lunge oder in die Blutbahn.

"Nachdem der Wirkstoff durch das eine Nasenloch eingeführt ist, entweicht der Luftstrom durch das andere Nasenloch, weil sich die Klappe im Inneren schließt. So vermeidet man eine Lungeninhalation, was bei manchen Medikamenten ein Problem darstellen kann."

Per Gisle Djupesland, HNO-Arzt und Erfinder aus Oslo, Norwegen

Nasenspray-Patent aus Norwegen hilft bei verschiedenen Krankheiten

Patent aus Norwegen: Nasenspray mit Mundstück

Derzeit wird das Nasenspray aus Norwegen genutzt, um ein Medikament gegen Migräne und Nasenpolypen zu verabreichen. Ein Unternehmen von Per Gisle Djupesland hat mit klinischen Studien zur Behandlung von chronischer Nasennebenhöhlenentzündung begonnen. Auch eine Anwendung bei Corona-Viren wird erforscht.

Forschende in Erlangen entwickeln Nasenspray gegen Corona

An der Universität Erlangen wird ebenfalls an antiviralen Nasensprays geforscht. Es handelt sich dabei - technisch gesehen - um die üblichen Nasensprays, allerdings mit einem besonderen Wirkstoff aus der Rotalge, der Carragelose. 400 Mitarbeiter von Covid-Stationen bekamen bei einer Studie ein normales Nasenspray mit Rotalge. Das Spray wird vor oder nach möglichen Risikosituationen genutzt. Carragelose legt sich als Schutzfilm über die Viren, neutralisiert sie, so dass Corona-Viren die Schleimhautzellen nicht mehr infizieren können. So soll verhindert werden, dass sich Erreger vermehren und ausweiten.

"In der Placebo-Gruppe sind etwa fünf Prozent an Covid-Symptomen erkrankt. In der Gruppe, die das Nasenspray bekommen hat, war es nur ein Prozent. Also eine über 80-prozentige positive Wirkung. Es wurde dabei nicht nach der Infektion, sondern nach einer wirklichen Erkrankung geschaut."

Ulrich Schubert, Virologe Uniklinik Erlangen

Kanadische Firma entwickelt Corona-Nasenspray

Ein kanadisches Unternehmen hat ein Nasenspray auf den Markt gebracht, das den Benutzer zumindest kurzzeitig vor herumschwirrenden Viren schützen soll. Das geht mit Stickstoffmonoxid, einem einfachen Molekül, das Gefäße erweitert und bei akuten Herzproblemen hilft wie auch gegen Viren und Bakterien.

"Wenn Sie jemand anniest oder Sie fürchten, Sie sind irgendwo dem Virus ausgesetzt gewesen, dann holen Sie das Spray aus ihrer Tasche, sprühen einmal, und dann noch einmal, und das müsste das Virus davon abhalten, Sie zu infizieren."

Chris Miller, Mediziner an der Universität von British Columbia in Vancouver

Impfung der Nasenschleimhaut

Nasensprays für Medikamente und Impfungen möglich

Nasensprays können nicht nur Medikamente transportieren, denkbar ist auch, Impfungen über ein Spray zu verabreichen. Eine solche Impfung in der Nase würde das Virus dort stoppen, wo es als erstes in den Körper eindringt. Das klingt vielversprechend, ist aber in der Praxis bisher noch nicht umsetzbar. Man müsste aus einem echten SARS-CoV-2-Virus ein harmloses Virus züchten, das man dann über das Nasenspray abgibt. Aber solche Entwicklungen brauchen viel Zeit.

"Es gibt bisher kein Impfvirus auf Basis von Sars-CoV-2, auch wenn es einige gibt, die sich in frühen präklinischen und klinischen Studien befinden. Bislang gibt es nur wenige Erfahrungen mit intranasalen Vakzinen. Wir haben einen Grippeimpfstoff, mehr nicht. Und das ist ein abgeschwächter Lebendimpfstoff."

Michael Diamond, Mediziner an der Washington University in St. Louis

Nasenpflaster zur Überwindung der Blut-Hirn-Schranke

Ein Nasenpflaster kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden

Bei einer Krankheit wie der Multiplen Sklerose ist das Zentralnervensystem erkrankt. Damit ein Medikament wirkt, muss es die Blut-Hirn-Schranke überwinden und ins Gehirn vordringen. Das aber ist gut geschützt, damit Fremdstoffe das Gehirn nicht schädigen können. Medikamente, die über die Blutbahn oder den Verdauungstrakt zum Gehirn kommen sollen, können diese Schranke schwer überwinden. Dagegen ist der Weg von der Nase zum Gehirn kurz und gut verbunden.

Forschende des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart nutzen diesen Weg von der Nase zum Gehirn. Sie haben im Rahmen ihres EU-Projekts N2B-patch ein Verfahren entwickelt, mit einem Endoskop eine Art Pflaster tief in der Nasenhöhle anzubringen. Dieses Pflaster ist mit Arzneistoffen versehen, die nach und nach freigegeben werden und im Gehirn ihre Wirkung entfalten. Für MS-Patienten hat das Verfahren den Vorteil, dass sie nicht - wie sonst üblich - über Stunden an einer Infusion hängen müssen. Das Nasenpflaster lässt sich in wenigen Minuten anbringen und es wirkt dann über einen Zeitraum von zwei Wochen.

"Dieses kleine Pflaster, das aus bioabbaubaren Materialien besteht, baut sich von alleine ab. Durch das wässrige Milieu in der Nase löst es sich über zwei Wochen langsam auf. Also ähnlich wie eine Tablette, die allerdings innerhalb von ein paar Stunden im Magen aufgelöst wird. So funktioniert es auch in der Nase, nur dass man eben eine spezielle Formulierung hat, die Wirkstoffe zwei Wochen lang freisetzt und nicht nur über wenige Stunden."

Lena Marie Spindler, technische Biologin am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart

Die Nase ist für viele verschiedene Medikamentenanwendungen ein wichtiges Ziel. Sie hat den Vorteil, dass Medikamente nicht erst über die Blutbahn durch den ganzen Körper wandern müssen, sondern direkt an Ort und Stelle wirken können. Das reduziert auch mögliche Nebenwirkungen von Arzneistoffen.


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