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Unterwasserhöhle in Mexiko Forscher finden Maya-Kunst und Riesenfaultierknochen

Bei der Erkundung des größten Unterwasser-Höhlensystems der Welt haben Archäologen in Mexiko Fossilien und Maya-Relikte entdeckt. Sie fanden Überreste von Bären und riesigen Faultieren sowie Kunstschätze.

Stand: 21.02.2018

Eine zerbrochene Maske liegt in einer unter Wasser gelegenden archäologischen Stätte in dem erst kürzlich kartographierte Höhlensystem Sac Actun in Mexiko. | Bild: dpa-Bildfunk/Inah

Anfang des Jahres entdeckte der Taucher und Wissenschaftler Robert Schmittner, dass die beiden großen Unterwasser-Höhlensysteme auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, Sac Actun und Dos Ojos, miteinander verbunden sind. Mit einer Gesamtlänge von 347 Kilometern bilden sie das größte derartige Höhlensystem der Welt.

Ein Seil beweist die Verbindung der Höhlen

Robert Schmittner vor dem Eingang zur Unterwasserhöhle

Robert Schmittner, der aus dem unterfränkischen Rothenbuch stammt, ist einer der erfolgreichsten Höhlentaucher Mexikos. In der Höhle Sac Actun legte er eine Tauchleine und ließ die letzten Meter frei hängen. Er wollte sehen, wohin das Seil treiben würde. Bei einem Tauchgang am folgenden Tag in der benachbarten Höhle Dos Ojos entdeckte er das lose Ende. Die Strömung hatte es durch einen schmalen Spalt zwischen den beiden Höhlen gedrückt. "Zuerst habe ich gedacht: Das kann nicht sein. Ich habe die Augen geschlossen, tief durchgeatmet und mich gefragt: Wirklich?", erzählt Schmittner. "Dann habe ich die Augen wieder geöffnet und da war die Leine." 14 Jahre hatte Schmittner nach der Verbindung zwischen den Höhlen gesucht, jetzt war er am Ziel. "Ich habe geschrien: Ja, Ja, Ja. Es kamen nur Luftblasen raus, aber egal."

Blick weit in die Vergangenheit

Mithilfe von Unterwassergeräten erkundeten die Forscher die Relikte. Nach Einschätzung der Wissenschaftler stand das Wasser in den Höhlen im Laufe der Zeit unterschiedlich hoch. In Dürrezeiten könnten sie als Trinkwasserquelle genutzt worden sein. Allerdings fanden einige Menschen und Tiere nie wieder heraus. Nach Angaben der Archäologen erlauben die Funde Rückschlüsse bis ins Zeitalter des Pleistozäns, das 2,6 Millionen bis 11.700 Jahre zurückliegt.

"Dies ist die wichtigste archäologische Unterwasserstätte der Welt."

Archäologe Guillermo de Anda, mexikanisches Institut für Anthropologie und Geschichte INAH

Knochen von Riesenfaul- und Rüsseltieren

Tagesschau

Die Forscher fanden in der Sac-Actun-Höhle nahe dem Küstenort Tulum etwa 15.000 Jahre alte Knochen von Riesenfaultieren und Gomphoterien. Diese inzwischen ausgestorbenen Rüsseltiere waren Vorfahren des Elefanten. Menschen haben in den Höhlen verbrannte menschliche Knochen sowie Keramik und Wandmalereien zurückgelassen. Ihr Alter liegt bei rund 9.000 Jahren. Die Unterwasserwelt berge eine beeindruckende Menge an archäologischen Funden. Es sei "beeindruckend", wie gut diese erhalten seien, sagte der Unterwasser-Archäologe Guillermo de Anda.

Schrein für Feierlichkeiten

Überreste eines Schädels am Boden der Höhle

Die Forscher fanden auch einen kunstvollen Schrein zu Ehren des Maya-Gottes für Krieg und Handel. Als Zugang sei mitten im Dschungel eine Treppe angelegt worden. Rund um hunderte weitere Höhleneingänge seien Hinweise auf rituelle Feiern gefunden worden. Die Maya betrachteten Höhlen "und insbesondere solche, die zu Wasser führten, als hochheilige Orte", erläuterte das mexikanische Institut für Anthropologie und Geschichte INAH und kündigte weitere Untersuchungen der Unterwasserhöhlen an.


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