9

Komplexe Technik Wasserwerk für Maya-Stadt Tikal

Bei Ausgrabungen in der Mayastadt Tikal in Guatemala sind Archäologen auf ein ausgeklügeltes Wasserspeichersystem gestoßen. Schon vor 1.700 Jahren filterten die Maya ihr Trinkwasser und reinigten es in einer Art Kläranlage.

Stand: 30.09.2013 | Archiv

Mit einfachsten Werkzeugen schufen die Maya ein erstaunlich effektives Wassersystem. Zahlreiche Reservoirs, Kanäle und eine neu ausgegrabene Schaltstation sorgten dafür, dass das kostbare Nass nach Regenfällen optimal auf die Speicher verteilt und später wieder abgezapft werden konnte. Die Archäologen entdeckten zudem einen gewaltigen, mehrschichtigen Damm mit Schleusen. Nach ihrer Ansicht ist er das größte bekannte hydraulische Bauwerk im gesamten Mayagebiet.

"Das hydraulische System der Maya war so clever konstruiert, dass es mehr als tausend Jahre lang die Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung dieser Region deckte."

Vernon Scarborough, University of Cincinnati, und seine Kollegen in der Zeitschrift 'Proceedings of the National Academy of Sciences'

Mayastadt Tikal

In Tikal und Umgebung regnete es nur zu bestimmten Zeiten im Jahr. Das Wasser versickerte zudem schnell im porösen Gestein des Kalkuntergrunds. Erst das System von Speichern, Leitungen und Dämmen ermöglichte es den Maya, das gesamte Jahr über mit dem Regenwasser auszukommen.

Damm mit Schleusentoren

Der neu entdeckte "Palast-Damm" wurde während der klassischen Maya-Periode errichtet, etwa ab dem Jahr 250 nach Christus. Er ist 80 Meter lang, zehn Meter hoch und hat ein Volumen von mehr als 14.000 Kubikmetern Material. Sein Kern bestand aus einer Mauer aus zurechtgehauenen Steinen. Diese wurde durch einen massiven Wall aus Erde und Steinen verstärkt und später mit einer Deckschicht aus passend aneinander gefugten Steinen versiegelt.

Auffangbecken der Innenstadt

Nach Angaben der Wissenschaftler diente der Palast-Damm dazu, das Wasser aufzufangen, das von den vielen gepflasterten Steinflächen in der Innenstadt von Tikal abfloss. Der Damm bildete das untere Ende eines gewaltigen Reservoirs, das fast 75.000 Kubikmeter Wasser fasste. Das entspricht etwa dem Volumen von 25 Olympia-Schwimmbecken. Mehrere, etwa 30 Zentimeter breite, von Steinplatten gesäumte Schleusentore durchbrachen den Damm in unterschiedlichen Höhen. Dadurch konnte der Wasserstand im Reservoir genau reguliert werden.

Kläranlage mit mehreren Becken

Um ihr Trinkwasser zu reinigen, bauten die Maya an den Ausflüssen mehrerer Reservoirs Absetzbecken für Schwebstoffe und Sandfilter ein. Um auch organische Verunreinigungen aus dem Wasser zu entfernen, könnten sie es zudem mit Maisgries vermischt haben, vermuten die Archäologen, damit die Flüssigkeit fermentiert. Unschädliche Bakterien hätten dann die organischen Reststoffe zersetzt.

Seerosen als Filter

Um ihr Trinkwasser zu reinigen, nutzten die Maya im heutigen Belize vor rund 1.500 Jahren Seerosen als natürliche Filter.
In der Regenzeit im Winter und Frühjahr sammelten sie in großen, mit Lehm ausgekleideten Becken Wasser für die Trockenperiode im Sommer und Herbst. Die darin kultivierten Wasserpflanzen sorgten dafür, dass das Wasser nicht faulte.

Salz aus salzhaltigem Flusswasser

Im Norden Guatemalas haben Archäologen 2013 die Überreste eines Salzwerks der Maya entdeckt. Dort wurde in deren Blütezeit zwischen 1.000 und 800 vor Christus jährlich bis zu 24.000 Tonnen Salz hergestellt, so der US-Forscher Brent Woodfill von der Universität Louisiana. Dazu hätten die Maya das Wasser eines salzhaltigen Flusses gekocht, bis die gesamte Flüssigkeit verdampft ist. Das Salz sei zu Blöcken gepresst und an andere Städte in der Region verkauft worden. Die Ausgrabungsstätte Salinas de los Nueve Cerros liegt im Department Alta Veracruz. Die Maya-Stadt dort hat bis 1.200 nach Christus bestanden.

Nachhaltiger als heute

Ruinen in Tikal

Während der klassischen Mayaperiode lebten bis zu fünf Millionen Menschen im südlichen Tiefland Guatemalas. Das sind zehnmal mehr als heute in diesem Gebiet. Das System der Maya habe aber laut der Archäologen die vorhandenen Ressourcen wesentlich weniger stark ausgebeutet als die heute vorherrschende Brandrodung, Weidewirtschaft und Landwirtschaft. Um sich an Klimaveränderungen anzupassen, bauten die Maya ihr System mehrfach um und konstruierten Schaltstationen, mit denen Wasser je nach Bedarf in Speicher oder Wasserleitungen umgeleitet werden konnte. Dabei nutzten die Maya einfachste Werkzeuge, um die Landschaft in ihrer Umgebung für ihre Zwecke umzugestalten. "Vielleicht können wir vom Verhalten unserer fernen Vorfahren und ihrer Landschaftsgestaltung noch einiges für unseren heutigen Umgang mit unserer Umwelt lernen", konstatieren die Forscher. Denn die vergleichsweise simplen Methoden böten sich auch heute noch überall dort an, wo für moderne Technologien Geld und Ressourcen fehlten.


9