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Cosmic Kiss für Matthias Maurer Der deutsche Astronaut fliegt im Herbst 2021 zur ISS

Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer soll im Herbst 2021 zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. "Cosmic Kiss" heißt seine Weltraummission. Sie wird aus mehreren Gründen besonders werden.

Stand: 29.12.2020

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer. Er hat im September 2018 seine Grundausbildung zum Astronauten beendet. Jetzt ist er zusammen mit Alexander Gerst der zweite Deutsche im aktiven ESA-Astronauten-Korps. | Bild: ESA/Sabine Grothues

Im September 2021 soll es so weit sein: Der deutsche Astronaut Matthias Maurer, seit 2018 offizieller ESA-Astronaut, soll zur Internationalen Raumstation ISS starten. Damit tritt er die Nachfolge von Alexander Gerst an, dem deutschen Astronauten, der zuletzt - und sogar als Kommandant - auf der ISS war. Für seine erste Mission wählte Maurer den Namen "Cosmic Kiss". Eine "Liebeserklärung an den Kosmos", die außerdem die Bedeutung der ISS als Verbindung zwischen Weltraum und Erde betone, wie der Astronaut erläutert.

"Ich freue mich natürlich sehr, dass es endlich losgehen wird. Ich arbeite schon einige Jahre darauf hin, endlich in den Weltraum zu fliegen und glaube, dass ich erst aufgeregt sein werde, wenn ich wirklich auf der Startrampe in der Kapsel sitze."

Matthias Maurer

Mission "Cosmic Kiss" ist für Matthias Maurer besonders

Matthias Maurer wird als erster deutscher Astronaut an Bord einer Crew-Dragon-Raumkapsel des privaten US-Unternehmens SpaceX ins All fliegen. Die amerikanische, russische, kanadische, japanische und europäische Raumfahrtagentur wählten ihn für den Flug aus. Maurer fliegt als Vertreter des Astronautenkorps der ESA. Mit ihm sollen die NASA-Astronauten Raja Chari, Thomas Marshburn und noch ein viertes, bislang unbestimmtes Crewmitglied starten. Als Souvenir aus der Heimat will Matthias Maurer unter anderem einen Rötelstein mitnehmen. Mit diesem Werkstoff zum Malen und Zeichnen hat seine Heimatgemeinde Oberthal einst Handel getrieben. Auf der ISS werde er sicher den Kontakt mit Familie und Freunden vermissen, meint Maurer. "Aber ich bin sicher, die Erlebnisse im All werden so überwältigend sein, dass ich einen sehr guten Ersatz dafür habe."

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Matthias Maurer Es ist offiziell… nächster Halt: ISS! Ende 2021 startet mein erster Flug zum orbitalen Außenposten der Menschheit um weiter über das Leben im Weltraum und Kenntnisse für uns auf der Erde zu erforschen. Macht euch bereit für #cosmickiss - eine Liebeserklärung an den Weltraum. https://t.co/DDbMRjTNTT

Größte Herausforderung: Gesund bleiben während der Corona-Pandemie

Besonders ist auch, dass sich Matthias Maurer während der Corona-Pandemie auf seine Mission vorbereiten muss. "Meine größte Herausforderung ist sicher, gesund durch den Winter und die Corona-Pandemie zu kommen", sagt Maurer. Bei einer ernsthaften Erkrankung würde er seinen Platz vorerst verlieren. "Von daher bereitet Covid-19 mir die meisten Sorgen." Er trainiere mit Mund-Nasen-Schutz und müsse sein Privatleben extrem einschränken. "Ich weiß zum Beispiel gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal in einem Restaurant war. Auch wenn diese hier in den USA geöffnet sind."

Logo der Mission "Cosmic Kiss" an Himmelsscheibe von Nebra angelehnt

Das Logo der Mission "Cosmic Kiss" von Matthias Maurer

Das Logo der Mission "Cosmic Kiss" vereint auf fantasievolle Weise mehrere Symbole: Für das sogenannte Patch hat sich Matthias Maurer von der Himmelsscheibe von Nebra sowie von den Datenträgern mit dem gesammelten Wissen über die Menschheit der Raumsonden Pioneer und Voyager inspirieren lassen. Das Logo zeigt bestimmte kosmische Elemente wie die Erde, den Mond, die Plejaden-Sternenformation und den Mars. Die Internationale Raumstation ISS wird mit roten Strichen "herzförmig" dargestellt, um den menschlichen Herzschlag zwischen Erde und Mond zu symbolisieren.

Matthias Maurer forscht sechs Monate lang auf der ISS

Matthias Maurer wird sechs Monate lang auf der ISS leben und forschen. Dort wird er unter anderem Experimente des deutschen Astronauten Alexander Gerst fortsetzen. Auch ein Experiment zum Entstehungsprozess der Planeten ist geplant.

Matthias Maurer trainiert für seinen Einsatz

Den Außeneinsatz im All, den sogenannten "Space Walk", trainierte Matthias Maurer unter anderem in Houston, Texas: Dazu wurden die Astronauten, die in ihrer Ausrüstung rund 200 Kilogramm wiegen, mit einem Kran in ein Wasserbecken gehievt, wo sich die Bedingungen in der Schwerelosigkeit am besten trainieren lassen:

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Matthias Maurer: training for a spacewalk | Bild: European Space Agency, ESA (via YouTube)

Matthias Maurer: training for a spacewalk

Wie es sich anfühlt, auf einer isolierten Forschungsstation zu sein, konnte Maurer bereits vor der Küste Floridas erleben. Dort befindet sich etwa zwanzig Meter unter dem Meer die Unterwasserstation Aquarius. Mit anderen ESA- und NASA-Spezialisten verbrachte der passionierte Taucher dort 16 Tage am Stück. Er führte unter anderem Experimente durch, die später auf der ISS durchgeführt werden sollten. "Wir versuchen, Kinderkrankheiten dieser Experimente auszumerzen", sagte er dem Radiosender "SR3 Saarlandwelle". Und: "Wir müssen mit unseren Problemen und Situationen hier auf dem Meeresboden alleine klarkommen. Wir haben wirklich das Gefühl, wir sind auf einem anderen Planeten." In Schweden absolvierte Matthias Maurer bei bitterkalten Temperaturen ein Überlebenstraining - ohne Schlafsack, Zelt und Proviant.

Matthias Maurer hatte sich zusammen mit Alexander Gerst beworben

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer wurde am 18. März 1970 im Saarland geboren.

Nach Alexander Gerst ist Matthias Maurer nun der zweite Deutsche im aktuellen ESA-Astronauten-Korps. Wie Alexander Gerst hatte sich auch Matthias Maurer 2008 auf eine Ausschreibung der ESA als Astronaut beworben. Anders als Gerst wurde Maurer aber nicht sofort ins Team der aktiven Astronauten aufgenommen. Er schaffte es damals unter die zehn Finalisten, wurde nachnominiert und im Februar 2017 ins Astronauten-Korps berufen.

"Weil er gut ist."

So begründete Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, die Wahl von Matthias Maurer ins aktive Astronauten-Korps 2017.

Astronauten-Ausbildung für Maurer

Am 25. September 2018 hat der deutsche Astronaut Matthias Maurer sein Zeugnis bekommen: Er hatte die Grundausbildung geschafft und darf sich seither offiziell ESA-Astronaut nennen. Doch das war keineswegs das Ende der Ausbildung: Die folgenden Jahre trainierte Mauer gezielt für mögliche Missionen - zum Beispiel zur Internationalen Raumstation ISS, zur geplanten chinesischen Raumstation oder zum Mond.

"Glückwunsch an meinen Kollegen Explornaut zum erfolgreichen Abschluss der Astronautenausbildung - auf zu den Sternen!"

Alexander Gerst (Astro_Alex) beglückwünschte Matthias Maurer (Explornaut) via Twitter von der ISS aus

Matthias Maurer wird der zwölfte Deutsche im All werden

Matthias Maurer (r) mit seinen ESA-Kollegen Pedro Duque (l) und Luca Parmitano (M) 2016 auf Expedition im Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote.

Bislang waren elf Deutsche auf Missionen im Weltraum, zuletzt Alexander Gerst: 2014 und 2018 war er auf der ISS - sogar als Kommandant. Matthias Maurer wird mit seinem Flug zur ISS der zwölfte deutsche Astronaut im All und der vierte Deutsche auf der ISS werden. Er arbeitet bereits seit 2010 für die ESA. Er war Astronauten-Support-Ingenieur, kommunizierte als sogenannter Eurocom mit den Crews auf der Internationalen Raumstation ISS und trainierte schon länger Fähigkeiten, die ihm bei einem Einsatz im Weltraum hilfreich wären.

"Meine Großväter waren einfache Bergarbeiter im Kohlebergbau. Die hätten sich nie im Leben vorstellen können, dass ich mal Astronaut werde."

Matthias Maurer, deutscher ESA-Astronaut, zum Abschluss seiner Grundausbildung im September 2018

Matthias Maurer, der sportliche Materialwissenschaftler aus dem Saarland

Deutsche Astronauten im All

Matthias Maurer wurde am 18. März 1970 geboren. Er wuchs in der etwa 6.000 Einwohner zählenden Gemeinde Oberthal im Kreis St. Wendel im Saarland auf. Maurer studierte unter anderem an der Universität Saarbrücken Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Er promovierte und erhielt 2004 einen Doktortitel in Materialwissenschaft an der RWTH Aachen. Bei der Bewerbungsrunde der ESA im Jahr 2008 hatten sich mit ihm zusammen rund 8.500 Kandidaten mit den notwendigen Voraussetzungen beworben - in der Regel Ingenieure und erfahrene Test- oder Verkehrspiloten mit guter körperlicher Fitness. Zu Maurers Hobbys zählen Reisen, Wandern, Radfahren, Fotografieren, Lesen und Sprachenlernen.

"Das ist ein super Ding, das ist klasse. Da könnte man glattweg in die Luft gehen."

So freute sich Stephan Rausch, Bürgermeister von Maurers Heimat Oberthal 2017 über die Ernennung

Matthias Maurer via Twitter zur ISS begleiten

Matthias Maurer bei Twitter

Auf Twitter ist Astronaut Matthias Maurer als "@astro_matthias" unterwegs.

Bei seinen Abenteuern kann man Matthias Maurer übrigens begleiten - wie auch schon seinen Kollegen Alexander Gerst via Twitter: Maurer heißt dort "@astro_matthias".

Astronaut werden

Bewerbung

Interessenten können sich bewerben, wenn die ESA ihre Ausbildungsplätze offiziell ausschreibt. Das passiert allerdings nur alle paar Jahre - zuletzt 2008.

Formales

Man sollte 27 bis 40 Jahre alt und kerngesund sein. Bewerben kann sich nur, wer ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis vorweisen kann. Die ESA erwartet drei Jahre Berufserfahrung. Gefragt sind Piloten, Naturwissenschaftler, Mediziner und Ingenieure.

Eigenschaften

"Toleranz ist das Wichtigste für einen Astronauten", sagt ESA-Sprecher Jules Grandsire. Schließlich gebe es auf einer Raumstation wenig Platz und Komfort. Die Bewerber sollten außerdem keine Angst vor, sondern Vertrauen in Technik haben. Das zeigen Hobbies wie Tauchen, Klettern, Fliegen oder Fallschirmspringen.

Auswahlverfahren

Die ESA siebt unter den Bewerbern rund ein Jahr lang aus. So lange werden Reflexe, Rechenfähigkeiten und Maschinenbaukenntnisse geprüft sowie psychologische Untersuchungen gemacht. Am Ende steht eine Art Shortlist mit circa zehn Kandidaten fest. In weiteren Gesprächen werden die künftigen Astronauten bestimmt. Nachnominierungen sind möglich.

Chancen

Letztes Mal haben sich 8.413 Männer und Frauen beworben. Sechs haben es geschafft. Wer ausgewählt wird, fliegt in der Regel auch ins All.

Ausbildung

Vier Jahre lang werden die Bewerber im Europäischen Astronautenzentrum in Köln zum Astronauten ausgebildet. Auf ihrem Stundenplan stehen unter anderem Maschinenbau, Naturwissenschaften, aber auch ein medizinisches Training, damit sie wissen, wie man eine Wunde näht oder eine Spritze setzt. Teile der Ausbildung finden auch in Houston und Moskau statt. Sobald feststeht, an welcher Mission sie teilnehmen sollen, trainieren sie rund zwei Jahre speziell dafür.

Verdienst

Während der Ausbildung verdienen Astronauten nach ESA-Angaben etwa 5.000 Euro netto.

Sendungen zum Thema:

  • 50 Jahre Mondlandung - mit Gast Matthias Maurer: 04.04.2019, 17.45 Uhr, nano.
  • Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer: 26.09.2018, 18.05 Uhr, IQ.

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