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Matthias Maurer Der ESA-Astronaut ist für ein halbes Jahr auf der ISS

Am 11. November startete der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer an Bord einer SpaceX-Kapsel ins All, einen Tag später zog er auf der ISS ein: Sechs Monate lang bleibt Maurer auf der Internationalen Raumstation.

Stand: 12.11.2021

In der Nacht auf den 12. November kam der deutsche Astronaut Matthias Maurer (ganz rechts) zusammen mit drei NASA-Kollegen auf der Internationalen Raumststation ISS an. Dort wurden sie von den drei verbliebenen Kosmo- und Astrnauten der Expedition 66 begrüßt, mit denen sie bis März 2022 die Wohngemeinschaft im All bilden. | Bild: dpa-Bildfunk/Uncredited

3 ..., 2 ..., 1 ... Liftoff! Am 11. November um 3.03 Uhr MEZ startete eine Falcon-9-Rakete mit vier Astronautinnen und Astronauten von Cape Canaveral in Floria ins All. Einer der vier Astronauten: Matthias Maurer, seit 2018 offizieller ESA-Astronaut.

Einen knappen Tag dauerte die Reise der Crew-3 an Bord der Dragon von SpaceX, dann dockte die Kapsel an der Internationalen Raumstation ISS an. Von der dreiköpfigen Besatzung, die auf der ISS wartete, wurden die vier neuen Mitbewohner herzlich begrüßt, als sich die Luke in der Nacht auf den 12. November öffnete.

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NASA Four new astronauts through the hatch and seven crewmembers total on the @Space_Station! After almost exactly a day from launch, #Crew3 is aboard the orbiting laboratory. https://t.co/QJoBUsJcsj

Four new astronauts through the hatch and seven crewmembers total on the @Space_Station!
After almost exactly a day from launch, #Crew3 is aboard the orbiting laboratory. https://t.co/QJoBUsJcsj | Bild: NASA (via Twitter)

3 ..., 2 ..., 1 ... Liftoff!

Matthias Maurer hat damit die Nachfolge von Alexander Gerst angetreten, dem deutschen Astronauten, der zuletzt - und sogar als Kommandant - auf der ISS war. Matthias Maurer soll als Mitglied der ISS-"Expedition 66" rund ein halbes Jahr auf der ISS leben und vor allem forschen, bis seine Mission im März 2022 endet. Europas Raumfahrtbehörde ESA hat zahlreiche Experimente für den Astronauten geplant, die er im Weltraumlabor ISS durchführen wird.

Die Mission "Cosmic Kiss" und ihr besonderes Logo

Das Logo der Mission "Cosmic Kiss" von Matthias Maurer

Für seine erste Mission wählte Matthias Maurer den Namen "Cosmic Kiss". Der "kosmische Kuss" sei eine "Liebeserklärung an den Kosmos". Der Titel betone die Bedeutung der ISS als Bindeglied zwischen Weltraum und Erde, erläutert der Astronaut aus dem Saarland. Als "einzigartige Oase im Weltraum" sei sie ein Zentrum für Wissenschaft und Forschung, die die nächsten Schritte im All, etwa auf dem Weg zum Mond und zum Mars, ermögliche.

Das Logo der Mission "Cosmic Kiss" ist inspiriert von der etwa 3.600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra und den Datenträgern mit dem Wissen über die Menschheit der Raumsonden Pioneer und Voyager. Das Symbol, das Matthias Maurer auch als Patch auf seinem Raumanzug trägt, zeigt die Erde, den Mond, die Plejaden-Sternenformation und den Mars. Die herzförmig angeordneten roten Striche stellen die Internationale Raumstation ISS dar. Verbunden ist sie mit einer Linie, die den menschlichen Herzschlag verdeutlichen soll, mit Erde und Mond.

"Dieser Herzschlag symbolisiert die menschliche Präsenz und die Leidenschaft, welche die Erforschung vorantreibt und uns mit dem Universum verbindet, sowie die lebenswichtigen wissenschaftlichen Experimente, die die Raumstation ermöglicht."

Matthias Maurer

Mission "Cosmic Kiss" ist für Matthias Maurer besonders

Matthias Maurer ist der erste deutsche Astronaut, der an Bord einer Crew-Dragon-Raumkapsel des privaten US-Unternehmens SpaceX im All unterwegs war. Mit ihm an Bord der Crew-Dragon-Kapsel waren die NASA-Astronauten Raja Chari, Thomas Marshburn und Kayla Barron - die Crew-3. Maurer ist als Vertreter des Astronautenkorps der ESA auf der ISS.

Dieser Ausblick beschert Matthias Maurer Gänsehäut

Matthias Maurer freut sich besonders auf den Anblick der Erde vom Weltall aus.

Matthias Maurer war schon voller Vorfreude auf den Einzug auf der ISS: "Ich kann es kaum abwarten, mich nach Ankunft auf der Internationalen Raumstation in die Cupola, unser Aussichtsmodul auf der ISS, zu begeben. Ich hoffe, dass ich sehr bald nach meiner Ankunft den Ausblick auf unsere wunderschöne Erde genießen kann. Diesen Moment stelle ich mir unglaublich vor. Jedes Mal, wenn ich nur daran denke, habe ich schon Gänsehaut."

Auf der ISS werde er sicher den Kontakt mit Familie und Freunden vermissen, meinte Maurer vor seiner Reise in den Weltraum. "Aber ich bin sicher, die Erlebnisse im All werden so überwältigend sein, dass ich einen sehr guten Ersatz dafür habe."

Matthias Maurer in exklusiven Interviews

Matthias Maurer bekommt saarländisches Menü auf der ISS

Jeder ISS-Bewohner darf sich traditionell ein ganz besonderes Essen für den Speiseplan der ISS wünschen. Der Saarländer Matthias Maurer suchte es sich nicht selbst aus, sondern ließ es von den Saarländern in einer Online-Umfrage wählen: Als Vorspeise gibt es saarländische Kartoffel-Riesling-Cremesuppe, gefolgt von Reh-Ragout mit Speck-Rahmwirsing.

"Das ist die einzige Abwechslung, das einzige Stück Luxus, etwas genießen zu können, etwas Leckeres zu haben. Das Essen ist im Weltraum noch viel, viel wichtiger als auf dem Boden."

Matthias Maurer

Besonderer Versuch: Joghurt im Weltraum herstellen

Die Lebensmittel kommen meist in Dosen oder in Beuteln, bei Trockennahrung muss man Wasser hinzufügen. Er gibt zu, dass er die thermostabilisierten Gerichte lieber mag als die getrockneten und betont: "Essen ist ungemein wichtig, um in guter Stimmung zu bleiben." Während seiner Mission plant er, Joghurt im Weltraum herzustellen. "Aber ich bin mir noch nicht so sicher, ob das klappen wird."

Matthias Maurer hat einen Rötelstein auf der ISS dabei

Nicht nur einige der Lebensmittel werden ihn an seine saarländische Heimat erinnern, sondern auch ein ganz besonderes, kleines Gepäcksstück: Matthias Maurer hat einen Rötelstein mit zur ISS genommen, einen roten Stein aus seinem Heimatort Oberthal. Diesen Stein habe man früher zum Malen und Zeichnen verwendet und damit Handel betrieben bis ans Mittelmeer. Matthias Maurer packte ihn als Symbol für den Austausch mit anderen Ländern und Kulturen ein:

"Genau das machen wir auch heute: Wir fliegen zur ISS als Teil eines internationalen Teams, und der Rötelstein soll ein Zeichen dafür sein, was man erreichen kann, wenn man gemeinsam etwas Großes angeht."

Matthias Maurer

Matthias Maurer forscht sechs Monate lang auf der ISS

Insgesamt sechs Monate lang soll Matthias Maurer auf der ISS leben und forschen. Unter anderem soll er Experimente von Alexander Gerst fortsetzen. Auch ein Experiment zum Entstehungsprozess der Planeten ist geplant. Insgesamt stehen für seine ISS-Crew rund hundert Experimente auf dem Stundenplan.

So trainierte Matthias Maurer für seinen Einsatz im All

Den Außeneinsatz im All, den sogenannten "Space Walk", hat Matthias Maurer unter anderem in Houston, Texas, geübt: Dazu wurden die Astronauten, die in ihrer Ausrüstung rund 200 Kilogramm wiegen, mit einem Kran in ein Wasserbecken gehievt, wo sich die Bedingungen in der Schwerelosigkeit am besten trainieren lassen. Kein Spaziergang, so Maurer: "Das Training unter Wasser war körperlich und mental sehr anstrengend."

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Matthias Maurer: training for a spacewalk | Bild: European Space Agency, ESA (via YouTube)

Matthias Maurer: training for a spacewalk

Wie es sich anfühlt, auf einer isolierten Forschungsstation zu sein, konnte Maurer bereits vor der Küste Floridas erleben. Dort befindet sich etwa zwanzig Meter unter dem Meer die Unterwasserstation Aquarius. Mit anderen ESA- und NASA-Spezialisten verbrachte der passionierte Taucher dort 16 Tage am Stück. In Schweden absolvierte Matthias Maurer bei bitterkalten Temperaturen ein Überlebenstraining - ohne Schlafsack, Zelt und Proviant.

Matthias Maurer hatte sich zusammen mit Alexander Gerst beworben

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer wurde am 18. März 1970 im Saarland geboren.

Nach Alexander Gerst ist Matthias Maurer der zweite Deutsche im aktuellen ESA-Astronauten-Korps. Wie Alexander Gerst hatte er sich 2008 auf eine Ausschreibung der ESA als Astronaut beworben. Anders als Gerst wurde Maurer aber nicht sofort ins Team der aktiven Astronauten aufgenommen. Er schaffte es damals aus rund 8.500 Kandidaten unter die zehn Finalisten. Ab 2010 arbeitete Maurer als Astronauten-Support-Ingenieur für die ESA und kommunizierte als sogenannter Eurocom mit den Crews auf der Internationalen Raumstation ISS. 2017 wurde Matthias Maurer nachnominiert und ins Astronauten-Korps berufen.

"Weil er gut ist."

So begründete Jan Wörner, ehemaliger Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, die Wahl von Matthias Maurer ins aktive Astronauten-Korps 2017.

Matthias Maurer trainierte für verschiedene Missionen

Am 25. September 2018 bekam Matthias Maurer sein Zeugnis: Er hatte die Grundausbildung geschafft und darf sich seither offiziell ESA-Astronaut nennen. Doch das war keineswegs das Ende seiner Ausbildung: Die folgenden Jahre trainierte Maurer gezielt für mögliche Missionen - nicht nur zur Internationalen Raumstation ISS, sondern zum Beispiel auch zum Mond.

Matthias Maurer ist der zwölfte Deutsche im All

Matthias Maurer (r) mit seinen ESA-Kollegen Pedro Duque (l) und Luca Parmitano (M) 2016 auf Expedition im Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote.

Vor Maurer waren elf Deutsche auf Missionen im Weltraum, zuletzt Alexander Gerst: 2014 und 2018 war er auf der ISS - sogar als Kommandant. Matthias Maurer ist damit der zwölfte deutsche Astronaut im All und der vierte Deutsche auf der ISS.

"Meine Großväter waren einfache Bergarbeiter im Kohlebergbau. Die hätten sich nie im Leben vorstellen können, dass ich mal Astronaut werde."

Matthias Maurer, deutscher ESA-Astronaut, zum Abschluss seiner Grundausbildung im September 2018

Matthias Maurer, der sportliche Materialwissenschaftler aus dem Saarland

Deutsche Astronauten im All

Matthias Maurer wurde am 18. März 1970 geboren. Er wuchs in der etwa 6.000 Einwohner zählenden Gemeinde Oberthal im Kreis St. Wendel im Saarland auf. Maurer studierte unter anderem an der Universität Saarbrücken Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Er promovierte und erhielt 2004 einen Doktortitel in Materialwissenschaft an der RWTH Aachen. Zu Maurers Hobbys zählen Reisen, Wandern, Radfahren, Fotografieren, Lesen und Sprachenlernen.

Matthias Maurer via Twitter auf der ISS erleben

Matthias Maurer bei Twitter

Auf Twitter ist Astronaut Matthias Maurer als "@astro_matthias" unterwegs.

Bei seinen Abenteuern kann man Matthias Maurer begleiten - wie auch schon seinen Kollegen Alexander Gerst via Twitter: Maurer heißt dort "@astro_matthias".


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