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Atmung und Lunge Wie sie uns Leben einhauchen

Seit sich das neuartige Coronavirus auf der ganzen Welt ausgebreitet hat, wird so viel über Atmung und Lunge gesprochen wie nie zuvor. Doch auch ohne Pandemie lohnt es sich, mehr über unsere Atmung und unsere Lunge zu erfahren.

Stand: 16.09.2020 14:31 Uhr

Ein Erwachsener atmet pro Minute etwa 15-mal, ein Säugling 30-mal. Das ist die sogenannte Atemfrequenz. Mit einem normal ruhigen Atemzug saugt der Mensch zwischen 0,5 und 0,8 Liter Luft ein. Auf ein 70 Jahre dauerndes Menschenleben hochgerechnet sind das über 300.000 Kubikmeter Luft. Das Ausatmen dauert doppelt so lange wie das Einatmen. Doch was atmen wir eigentlich ein und was atmen wir aus?

Was wir ein- und wieder ausatmen

Über den Mund oder die Nase atmen wir "Luft" ein. Gemeint ist damit ein Gasgemisch der Erdatmosphäre, das zu 78 Prozent aus Stickstoff, zu 21 Prozent aus Sauerstoff, zu 0,9 Prozent aus Argon und zu 0,05 Prozent aus Kohlendioxid besteht. Was der Mensch ausatmet, ist größtenteils Kohlendioxid - und gar nicht so wenig: Etwa 350 Kilogramm CO2 atmet jeder Mensch pro Jahr aus. Das entspricht ungefähr der Kohlendioxid-Menge, die ein Mittelklasse-Auto auf einer Strecke von 2.000 Kilometern in die Umwelt bläst.

Was mit der Luft beim Einatmen passiert

Wenn wir einatmen, fließt die Atemluft über den Rachenraum zunächst am Kehlkopf vorbei in die Luftröhre.

"Diese Luftröhre teilt sich auf in zwei Bronchien, die sich wieder aufteilen. Insgesamt gliedern sich die Atemwege 25 -mal, bis sie schließlich in die Lungenbläschen münden."

Dr. Hubert Hautmann, Facharzt für Lungenheilkunde, und Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin an der Kreisklinik Ottobeuren

Lungenbläschen und Aufbau der Lunge

Die etwa 300 Millionen Lungenbläschen eines Menschen befinden sich in der Lunge,, die aus zwei Lungenflügeln besteht. Der rechte Lungenflügel ist in drei Lungenlappen aufgeteilt, der linke nur in zwei, weil er dem nahegelegenen Herz Platz lassen muss. Eingehüllt ist die Lunge in das Lungenfell. Auch der knöcherne Brustkorb ist mit dem Rippenfell weich gepolstert, wodurch sich die Lunge frei bewegen kann, ohne beschädigt zu werden.

Der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid

Über die Lungenbläschen, die mit kleinsten Kapillaren mit dem Blutkreislauf verbunden sind, gelangt die eingeatmete Luft - nur etwa ein Drittel der eingeatmeten Luft schafft es allerdings bis dorthin - ins Blut. Im Blut angekommen, docken die Sauerstoffpartikel an die roten Blutkörperchen an und schwimmen in Richtung Organe, wo sie für die Stoffwechselprozesse benötigt werden. Umgekehrt löst sich das Kohlendioxid von den Blutkörperchen ab, strömt wieder in die Lungenbläschen zurück und wird von dort über die Luftröhre, den Mund und die Nase aus unserem Körper transportiert.

Wie das Coronavirus die Lunge angreift

Bei einer Coronavirusinfektion tritt unter anderem häufig eine Lungenentzündung auf. "In den milderen Fällen sehen wir vor allem in den unteren und hinteren Lungenabschnitten eine bandartige Verdichtung", sagt Florian Fuchs, Pneumologe am Universitätsklinikum Erlangen, zu seinen Erfahrungen mit Covid-19-Patienten.

"[...] die [Verdichtung] ist doch sehr hinweisend auf eine Coronavirusinfektion und eigentlich sind fast immer beide Seiten befallen und je schwerer der Befall ist, desto schwerer ist auch die klinische Lungenentzündung."

Dr. Florian Fuchs, Leiter des Schwerpunkts Pneumologie am Universitätsklinikum Erlangen

Zigarettenrauch ist größter Schadstoff für die Lunge

Neben Viren können auch sogenannte Atemgifte die Funktionsfähigkeit der Lunge einschränken. Mit Atemgiften sind vor allem Schadstoffe wie Säuren und Laugendämpfe, Ammoniak, Kohlenmonoxid, Blausäure oder chemische Kampfstoffe, wie zum Beispiel Sarin, gemeint. Aber auch ein im Alltag noch häufig auftretender Schadstoff gehort dazu.

"Der wichtigste Schadstoff ist nach wie vor der Zigarettenrauch. [... ] Diese [beim Rauchen von Tabak entstehenden] Verbrennungsprodukte lagern sich auf der Bronchialschleimhaut ab und reizen diese. Das kann zu einer chronischen Bronchitis führen mit vermehrter Sekretproduktion. Das kann auch zu einer Verengung der Atemwege führen oder im schlimmsten Fall zu einer Entartung dieser Zellen, was wir dann als Krebs bezeichnen."

Florian Fuchs, Leiter des Schwerpunkts Pneumologie am Universitätsklinikum Erlangen

Die Lungenkapazität und die Rolle des Ausdauersports

Ungewöhnlich hoch ist die Lungenkapazität von Ausdauersportlern. Grundsätzlich hängt das Volumen der Lunge von der individuellen Konstitution,, vom Geschlecht, der Körpergröße und dem Gewicht ab. Vier bis fünf Liter Volumen hat die männliche Lunge, die weibliche im Schnitt 25 Prozent weniger. Hochleistungssportler erreichen hingegen Werte von bis zu acht Litern.

Durch das erhöhte Ausdauertraining werde eine größere Anzahl an Kapillaren geschaffen, wodurch mehr Sauerstoff direkt in die Muskulatur gebracht werden könne, erklärt Susanne Buckenlei, Sportwissenschaftlerin und Triathlon-Trainerin aus Roth. Dort gebe es dann den nächsten Effekt. Auch die Anzahl der Mitochondrien, also die Zellbestandteile, die für die Bereitstellung und Umsetzung der Energie in unserem Körper zuständig sind, werde dank des Ausdauertrainigs erhöht, sagt die Sportwissenschaftlerin. Dies führe laut Buckenlei ebenfalls zu einer sogenannten "erhöhten aeroben Kapazität" bei Ausdauersportlern.

Besonderheit: Asthma

Ganz anders ist die Situation von Asthmatikern. Sie haben immer wieder mit Anfällen von Atemnot zu kämpfen, weil ihre Atemwege verengt sind. Der Grund dafür liegt auch an den an der Atmung beteiligten Organen.

"Asthma ist eine veranlagungsbedingte Überempfindlichkeit der Bronchien. Wenn bestimmte Allergene in die Atemwege gelangen, dann reagieren diese Allergene mit der Bronchialschleimhaut und wenn jemand diese Überempfindlichkeit aufweist, kommt es zu einer Kontraktion der Atemmuskulatur, einer Verengung der Atemwege und dadurch zu Atemnot."

Dr. Florian Fuchs, Leiter des Schwerpunkts Pneumologie am Universitätsklinikum Erlangen

Fünf Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an dieser Erkrankung, rund 1.000 sterben daran allein in Deutschland jedes Jahr.

Bewusster Atmen - mögliche Therapien

Wer Atemprobleme hat oder einfach nur lernen will, bewusster zu atmen, der kann dies mithilfe zahlreicher Atemtherapien tun. Die Angebote dafür reichen von "reflektorische Atemtherapie", "Integratives Atmen" bis hin zu fernöstlichen Methoden wie Yoga und Qigong.


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