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Literaturnobelpreis 2021 Abdulrazak Gurnah erhält die Auszeichnung

Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den tansanischen Schriftsteller Abdulrazak Gurnah, der bis zu seinem Ruhestand an der Universität von Kent unterrichtete.

Stand: 07.10.2021 | Archiv

Porträt des Literaturnobelpreisträgers | Bild: Ger Harley/Picture Alliance

Für das Komitee des Literaturnobelpreises steht fest, dass Abdulrazak Gurnah „kompromisslos und einfühlsam“ die Auswirkungen der Kolonialzeit und das Schicksal der Flüchtlinge „zwischen Kulturen und Kontinenten“ beschrieben hat, und zwar seit Jahrzehnten. Der in Sansibar geborene Autor sieht sich selbst allerdings weniger als postkolonialen Autor.

Ein "Ziel" verbinde Gurnah mit seinem Schreiben nicht: "Ich möchte nur so vertrauensvoll schreiben wie möglich, ohne mich zu bemühen, damit irgendetwas 'Edles' auszudrücken." Für das Nobel-Komitee kreisen Gurnahs Themen um Menschen, die hin und her gerissen seien zwischen ihrem alten und ihrem neuen Leben, meist von den Verhältnissen dazu gezwungen. Dabei würden sie ständig mit Vorurteilen und Rassismus konfrontiert, was sie entweder zum Schweigen bringe oder dazu, ihre Lebensläufe "neu" zu definieren.

Als muslimischer Flüchtling in Großbritannien

Gurnah kam mit 18 Jahren als Flüchtling nach Großbritannien, nachdem es in Sansibar 1964 gewalttätige Ausschreitungen gegeben hatte, vor allem gegen die arabischstämmige Minderheit muslimischen Glaubens, zu der auch der Nobelpreisträger gehört. Durch sein frühes Exil sei Gurnah an der vorkolonialen Geschichte Afrikas kaum interessiert, so die Literaturfachleute in der Jury, vielmehr komme es ihm auf die Themen Flucht und Vertreibung an: "Seine Literatur gibt ein lebendiges Bild eines anderen, wenig bekannten Afrikas, einer Küstenregion am Indischen Ozean, geprägt von Sklaverei und unterschiedlichen Formen der Unterdrückung." 

Zehn Bücher hat Gurnah bislang veröffentlicht. Auf Deutsch sind von Gurnah fünf Titel erschienen: "Das verlorene Paradies" (1986), "Donnernde Stille" (2000), "Ferne Gestade" (2002), "Schwarz auf weiß" (2004) und "Die Abtrünnigen" (2006).  Auf Deutsch sei derzeit aber kein Titel des tansanischen Autors lieferbar, berichtete das Fachmagazin "Börsenblatt".

Deutschsprachige Literaturnobelpreisträger

Jüngste Literaturnobelpreise

2020: Louise Glück
2019: Peter Handke
2018: Olga Tokarczuk (nachträglich 2019)
2017: Kazuo Ishiguro
2016: Bob Dylan
2015: Swetlana Alexijewitsch
2014: Patrick Modiano
2013: Alice Munro
2012: Mo Yan
2011: Tomas Tranströmer
2010: Mario Vargas Llosa
2009: Herta Müller
2008: J.M.G. Le Clézio
2007: Doris Lessing
2006: Orhan Pamuk
2005: Harold Pinter
2004: Elfriede Jelinek
2003: J.M. Coetzee
2002: Imre Kertész
2001: V.S. Naipaul
2000: Gao Xingjian

Anders als die Wissenschafts-Nobelpreise, die jeweils für eine einzelne herausragende Leistung verliehten werden, zeichnet der Literaturnobelpreis das gesamte Werk eines Schriftstellers aus. Die Auswahl dürfte der 18-köpfigen Jury nicht ganz leicht fallen. Alfred Nobels Maßgabe, der Preis solle an ein "in idealer Weise herausragendes Werk" verliehen werden, lässt einigen Deutungsspielraum.

Dennoch gilt der Literatur-Preis als der bedeutendste unter allen Nobelpreisen. Und: Kaum ein Preisträger musste ihn mit jemand anderem teilen. Viermal jedoch gab es zwei Preisträger: 1904, 1917, 1966 und 1974.


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