Korallen Giftige Schönheiten

Von: Sylvaine von Liebe

Stand: 16.08.2021

Korallen beleben mit ihren vielen bunten Farben die Meere. Wie schöne Blumen wiegen sie in der Dünung. Aber Vorsicht! Korallen sollten Sie niemals berühren. Denn die kleinen Tiere sind nicht nur sehr sensibel - sie sind durchaus auch wehrhaft!

Farbiges Korallenriff mit Weichkorallen. Korallen nicht anfassen! Denn die Meerestiere sind empfindlich und giftig. | Bild: picture-alliance/dpa/WILDLIFE | WILDLIFE/D. Perrine

Farbenprächtige Korallen locken vor allem in tropischen Gewässern Taucher und Schnorchler an. Korallen sind aber sehr empfindlich und sollten nicht berührt werden. Doch was viele nicht wissen: Auch für den Schnorchler selbst kann der Kontakt gefährlich werden.

Achtung! Korallen versprühen Gift!

Bei Gefahr und zum Beutefang können Korallen ein hochwirksames Gift ausstoßen. Im Bild: Ein Zwergrotfeuerfisch Dendrochirus brachypterus versteckt sich in einer Koralle. | Bild: picture-alliance/dpa/ J.W.Alker

Bei Gefahr und zum Beutefang können Korallen ein hochwirksames Gift ausstoßen.

Korallen gehören wie Quallen und Seeanemonen zu den Nesseltieren. Mit den namensgebenden Nesselzellen, die auf den Tentakeln der Tiere liegen, können Korallen Beute fangen und Feinde abwehren. Bei Reizung der Zellen wird ein Nesselschlauch mit einem hochwirksamen Gift ausgeschleudert. Für Fische ist dieses Gift oft tödlich.

Echter Clownfisch mit Seeanemonen in tropischem Gewässer. | Bild: picture-alliance/dpa/Antonio Gravante

Clownfische schützt eine Schutzschicht vor dem gefährlichen Nesselgift der Seeanemonen.

Nicht so für Clownfische. Sie leben am Riff in Symbiose mit Seeanemonen. Eine Schutzschicht schützt sie vor dem für andere Fische so gefährlichen Nesselgift der Anemonen. Gleichzeitig werden sie durch die nesselnden Fangarme vor Fressfeinden geschützt.

Bei Menschen führt der Kontakt mit dem Gift in der Regel "nur" zu Reizungen und zu leichten Verbrennungen auf der Haut, lebensbedrohliche oder gar tödliche Folgen sind die Ausnahme. Trotzdem sollte man bei Kontakt mit dem Gift ein paar Regeln unbedingt beachten.

Atemberaubend schön: Korallen und Rifftypen

Tipp: Was tun bei Kontakt mit dem Gift von Nesseltieren?

Was bei Berührung der Nesseln passiert:

  • Für Menschen ist das Gift, das Nesseltiere zur Verteidigung mit ihrem Nesselschlauch ausstoßen, in der Regel ungefährlich.
  • Trotzdem können bei Kontakt mit dem Gift neben einer Hautreizung auch gravierendere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Atem- und Kreislaufbeschwerden und ein Schock auftreten.
  • Im Extremfall kann eine Berührung der Nesseln sogar zu einem Herzversagen führen und tödlich enden.
  • Für den Menschen besonders gefährlich ist das Gift der Seewespe. Die Quallenart ist vermutlich das giftigste Meerestier der Welt. Ihr Gift kann zu einem plötzlichen Herzversagen führen. Ebenso lebensbedrohlich kann der Kontakt mit dem Gift der Portugiesischen Galeere sein. Das ist eine purpurfarbene bis violette, vorwiegend im Pazifik, aber auch im Südatlantik sowie vor den Kanaren, vor Portugal und vereinzelt im Mittelmeer vorkommende Polypenkolonie.
  • Unter den Korallen kann insbesondere die Berührung einer Feuerkoralle unangenehm werden. Deren Nesselzellen können die menschliche Haut durchschlagen und ihr Gift absondern. Das ist nicht nur im ersten Moment schmerzhaft, sondern kann auch zu lebenslangen Narben führen.
  • Richtiges Handeln ist daher wichtig.

Verhaltensregeln bei Kontakt mit dem Gift:

  • Wasser rasch verlassen: Wer einen starken, brennenden Schmerz auf der Haut spürt, sollte das Wasser möglichst schnell verlassen, um den oft meterlangen Fangarmen der Nesseltiere zu entkommen.
  • Wunden mit Salzwasser spülen, aber nicht mit Frischwasser, Alkohol oder alkoholhaltigen Präparaten wie After Shave. Diese Flüssigkeiten aktivieren weitere, auf der Haut haftende Zellen, die Gift absondern. Mit Salzwasser lassen sich hingegen restliche Fangarme bzw. Tentakeln der Tiere von der Haut lösen.
  • Nicht reiben, kratzen oder rubbeln! Noch nicht ausgelöste Nesselzellen könnten so aktiviert werden.
  • Nach der Salzwasser-Behandlung Haut trocknen lassen und die verbliebenen Fangarme vorsichtig entfernen.
  • Befallene Hautstellen behandeln. Nach dem Entfernen der Tentakeln sollten die betroffenen Hautstellen - wie Brandwunden - antiseptisch behandelt werden. Zudem hilft das Kühlen der Wunden. Sind großflächige Stellen befallen oder bilden sich Blasen, sollte man zum Arzt gehen.
  • Bei Atemnot, Herzrasen, auftretenden Kreislaufproblemen, Bewusstseinsverlust oder sehr großflächigen Hautreizungen sofort den Notarzt rufen!
  • Warnungen am Badestrand beachten! Warnungen ernst nehmen und dem Wasser fern bleiben. Werden Meerestiere mit Fangarmen an den Strand gespült, nicht berühren. Ihre Nesselzellen können auch an Land noch aktiv werden.

Zweierlei: Tropische Korallen vs. Kaltwasserkorallen

Tropische Korallen:

  • Sie leben in tropischen Küstengewässern in Äquatornähe. Beliebte Lebensräume sind die Meere um die Karibik, um die Philippinen, Neuguinea und Indonesien.
  • Um überleben zu können, brauchen sie eine Wassertemperatur zwischen 20 und 29 Grad.
  • Sie leben in Symbiose mit einzelligen Algen. Durch sie erhalten Korallen den lebensnotwendigen Sauerstoff, den die Algen mithilfe von Fotosynthese produzieren - und wichtige Nährstoffe.

Tiefsee- oder Kaltwasserkorallen:

  • Sie leben am Rand der Kontinente in der wirklich tiefen Tiefsee, so zum Beispiel vor der Küste von Nordnorwegen, aber auch vor der Südspitze Südamerikas
  • Wichtig ist für sie, dass das Wasser in ihrer Umgebung nicht wärmer wird als 14 Grad.
  • Anders als die tropischen Korallen leben die Tefsee- Kaltwasserkorallen nicht in Symbiose mit einzelligen Algen. Sie ernähren sich von kleinsten Lebewesen, die die Meeresströmung ihnen bringt.
  • Kaltwasserkorallen sind - anders als tropische Korallen - auch nicht auf den Sauerstoff der Algen angewiesen. Da kaltes Wasser Sauerstoff-reicher ist, können Kaltwasserkorallen "alleine atmen".