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Ölgigant vs. Radler Was bringt im Kampf fürs Klima wirklich was?

Es ist gut fürs Klima, wenn wir weniger Autofahren, weniger Fleisch essen und weniger Strom verbrauchen. Doch was bringt es wirklich, wenn jeder Einzelne CO2-Emissionen einspart? Die Klimabilanz von Ölgiganten und Radfahrern im Vergleich.

Von: Martin Moser, Sylvaine v. Liebe

Stand: 03.03.2021

Warum die Rolle der Ölgiganten im Kampf gegen den Klimawandel so wichtig ist, zeigt der Vergleich, den Ilka Knigge in PlanetB präsentiert. Im Bild: Ein Fahrradfahrer und ein Auto fahren an einer Tankstelle mit ausgewiesenen Benzinpreisen vorbei. | Bild: picture alliance / imageBROKER | Walter G. Allgöwer

Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, müssen allein in Deutschland die CO2-Emissionen bis 2050 um 805 Millionen Tonnen sinken. Das ist laut Umweltbundesamt genau die Menge des schädlichen Treibhausgases, die wir im Jahr 2019 in die Luft geblasen haben. Wie kann das gelingen? Fahrrad- statt Autofahren ist schon mal ein guter Ansatz. Das reicht aber nicht, wie die Berechnungen unserer PlanetB-Reporterin Ilka Knigge zeigen.

Was bringt Fahrradfahren dem Klima?

Wer an 220 Tagen eine Strecke von 12,8 Kilometern mit dem Fahrrad fährt, kann gegenüber Autofahrern immerhin 400 Kilogramm an CO2-Emissionen einsparen. Das kann jeder mithilfe eines sogenannten CO2-Rechners selbst herausfinden.

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Stoppt das Klima-Shaming: Euer winziger CO2-Fußabdruck rettet nicht die Welt | PlanetB | BR | Bild: PlanetB (via YouTube)

Stoppt das Klima-Shaming: Euer winziger CO2-Fußabdruck rettet nicht die Welt | PlanetB | BR

Wodurch wurde der Begriff "ökologischer Fußabdruck" bekannt?

Der "ökologische Fußabdruck" ist in Zeiten des Klimawandels ein viel gebrauchter Begriff und fast jeder weiß, was man darunter versteht. So richtig bekannt gemacht hat den "ecological footprint" aber der britische Ölkonzern "British Petrolium" (BP). 2004 stellte ausgerechnet er den ersten “carbon footprint calculator” ins Netz. Kein schlechter Werbetrick. Denn so wird die Verantwortung für den Klimawandel von den Herstellern fossiler Brennstoffe auf jeden Einzelnen gelenkt.

CO2-Emissionen pro Kopf und Jahr

400 Kilogramm CO2-Ersparnis ist zwar besser als nichts, aber gemessen an den CO2 Emissionen, die jeder von uns im Durchschnitt pro Jahr verursacht, nicht besonders viel. Elf Tonnen beträgt die CO2-Emission pro Person und Jahr in Deutschland im Durchschnitt. Das ist in etwa doppelt so viel wie im weltweiten Mittel. Um bis 2050 ein klimaneutrales Deutschland zu erreichen, muss jeder Einzelne von uns laut Umweltbundesamt den durch ihn verursachten CO2-Ausstoß auf unter eine Tonne im Jahr senken.

Fossile Brennstoffe verursachen am meisten CO2

Von den 805 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen, die das Umweltbundesamt für das Jahr 2019 in Deutschland angibt, werden allerdings allein 254 Millionen Tonnen vom Energiesektor verursacht. Mit 131 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß allein im Jahr 2018 steht die Energiegewinnung durch Braunkohle hier an der Spitze der Treibhausgas-Emittenten.

Wenige Ölkonzerne verursachen die Hälfe aller CO2-Emissionen

Das Frustrierende ist auch: Gerade einmal 25 Produzenten von fossilen Brennstoffen, also zum Beispiel Ölkonzerne wie Shell, ExxonMobile oder BP, sind für über die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das ist das Ergebnis von "Carbon Disclosure Project" , einer Non-Profit-Organisation, die sich hierbei auf Zahlen aus dem Zeitraum zwischen 1988 und 2015 und damit auf die aktuellsten zu diesem Thema bezieht.

Fazit: Der Einzelne ist im Kampf gegen den Klimawandel machtlos

Der Einzelne ist im Kampf gegen den Klimawandel erschreckend machtlos. Um wirklich etwas zu erreichen, müssen die Hauptverursacher der Emissionen, wie die Ölkonzerne, mitmachen. Und: Die Politik müsste Anreize schaffen, die zu weniger CO2-Emissionen führen. Radfahren kann und will nicht jeder, aber klimafreundlichen Strom nutzen schon eher. Damit das in Zukunft einfacher wird, könnte die Politik entsprechende Anreize schaffen.

Sinnlos sind die Anstrengungen jedes Einzelnen für ein besseres Klima trotzdem nicht. Sie helfen, die CO2-Emissionen zu reduzieren und Anreize zum Umdenken für diejenigen zu schaffen, die die Reduktion der Treibhausgase wirklich in der Hand haben: die "Big Player", wie die Ölkonzerne, und die Politiker!

PlanetB - Klimafragen verständlich erklärt

War Donald Trump doch ein Klimaretter? Schadet Netflix gucken wirklich dem Klima? Auf viele Fragen zum Klimawandel gibt es konkrete Antworten. Nur sind die oft nicht ganz einfach. In unserem neuen YouTube-Kanal liefert die Wissenschaftsjournalistin Ilka Knigge verständliche Antworten. Und Ideen, die unsere Erde besser machen können.


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