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Kinder - ab ins Wasser! Der richtige Schwimmkurs bis zum Freischwimmer

Viele Badeunfälle passieren allein deswegen, weil der Nachwuchs nicht richtig schwimmen gelernt hat: Immer weniger Kinder legen die Prüfung zum Freischwimmer ab. Dabei lernen die Kleinen die richtigen Bewegungen eigentlich spielerisch. Also: Ab ins Wasser!

Stand: 16.06.2021

Kinder sollten frühzeitig schwimmen lernen - am besten in einem Schwimmkurs. | Bild: picture-alliance/dpa/ZB/Patrick Pleul

Immer weniger Kinder lernen schwimmen. Als sicherer Schwimmer gilt, wer das Schwimmabzeichen in Bronze, auch "Freischwimmer" genannt, abgelegt hat. Laut DLRG ist inzwischen mehr als jeder zweite Grundschulabsolvent kein sicherer Schwimmer mehr. Ende der 1980er-Jahre erreichten noch mehr als 90 Prozent der Kinder bis zum Abschluss der vierten Klasse das Schwimmabzeichen in Bronze.

Weniger Schwimmbäder, weniger Schwimmunterricht

"Kinder haben heute nicht mehr überall und flächendeckend die Möglichkeit, schwimmen zu lernen", sagt DLRG-Präsident Achim Haag. "Viele Grundschulen haben Wege bis zum nächsten Schwimmbad, die mit keiner Unterrichtsplanung zu vereinbaren sind". Immer mehr Bäder werden aus Kostengründen geschlossen. Während der Corona-Pandemie blieben generell viele Schwimmbäder zu, Schwimmkurse und Schwimmunterricht vielen häufig aus. "Der Nichtschwimmeranteil in Deutschland wird dadurch erheblich vergrößert", sagt DLRG-Sprecher Wiese. "Das Jahr 2020 war für die Schwimmausbildung ein verlorenes Jahr", beklagt DLRG-Präsident Haag. Nach Schätzungen der Lebensretter konnten im vergangenen Jahr in Deutschland eine Million Kinder nicht zu sicheren Schwimmern ausgebildet werden.

Schwimmen am besten im Grundschulalter lernen

Vielen Kindern fehlt also schlicht die Möglichkeit, schwimmen zu lernen. Laut Experten sollten die Kleinen ab dem ersten Schuljahr Schwimmunterricht bekommen: Das Grundschulalter sei die beste Zeit fürs Schwimmenlernen. Danach nehme die Schwimmlernfähigkeit deutlich ab, heißt es bei der DLRG. Neben Schulen bieten unter anderem auch die bayerischen Schwimmvereine Schwimmkurse und Schwimmprüfungen an.

Schwimmen von klein auf

Für einen Kontakt mit dem Nass ist es eigentlich nie zu früh: Aus dem Mutterleib ist Babys das Element Wasser vertraut. Sportmediziner empfehlen deshalb bereits für Säuglinge ab drei Monaten einen Babyschwimmkurs. Dort können die Kleinsten vielfältige Bewegungserfahrungen im warmen Wasser machen und dabei das nasse Element und ihren eigenen Körper kennen lernen. Studien haben ergeben, dass Babyschwimmen den Gleichgewichtssinn und das Körpergefühl dauerhaft verbessern kann.

Nach dem Baden bei Babys Ohrenentzündung vermeiden

Auf eines sollten die Eltern aber achten: Ihre Kleinen könnten sich im Wasser eine Ohrenentzündung einfangen. Verhindern kann man das, indem man den Gehörgang des Babys nach dem Baden fönt. Denn in trockenen Ohren können sich keine Bakterien ansiedeln.

Babyschimmen bei allergiegefährdeten Kindern

Das Umweltbundesamt warnte allerdings Eltern allergiegefährdeter Kinder bereits 2011 davor, mit ihrem Nachwuchs zum Babyschwimmen zu gehen. Studien legen nahe, dass Asthma und andere chronische Erkrankungen mit dem Baden in gechlortem Wasser zusammenhängen können. Chlor, das Keime im Badewasser vernichten soll, reagiert mit Urin und Schweiß und bildet Substanzen wie Trichloramin. Diese stehen bei hohen Konzentrationen im Verdacht, bei Risikogruppen Allergien auszulösen. Laut der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie gelten Trichloramingehalte in der Hallenbadluft unterhalb von 0,2 mg/m³ als gesundheitlich unbedenklich. Eltern mit Kindern unter zwei Jahren, die familiär mit Allergien vorbelastet sind, sollten sich vor einem Babyschwimmkurs von ihrem Kinderarzt beraten lassen. Wie die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie schlussfolgert, sei dann in der Regel "eine Zurückhaltung beim Babyschwimmen sinnvoll". Im Allgemeinen gelte: Je weniger "chlorig" ein Hallenbad beim Betreten rieche, um so niedriger sei der Trichloramingehalt und um so ungefährlicher damit das Babyschwimmen.

Schwimmkurse für "Wasserflöhe"

Im Alter von etwa vier bis fünf Jahren können und sollten Kinder schwimmen lernen. Das wussten schon die alten Griechen. Ihre Weisheit: "Töricht ist, wer weder lesen noch schwimmen kann." Tatsächlich ist das Erlernen der Bewegungsabläufe im Wasser ein wichtiger Aspekt in der Bildung und Entwicklung eines Kindes. Wer Geduld und Zeit mitbringt, kann es dem Nachwuchs selbst beibringen. Viele Kinder lernen aber besonders gern in einer Gruppe Gleichaltriger - hier sind Anfängerschwimmkurse sinnvoll.

"Seepferdchen" sind noch ungeübte Schwimmer

Auch wenn Kinder das Schwimmabzeichen "Seepferdchen", auch "Frühschwimmer" genannt, erworben haben, sollten sie nicht unbeaufsichtigt schwimmen gehen. Diese Kinder sind noch keine geübten Schwimmer, können ihre Kraft noch nicht richtig einschätzen und sollten daher zur Sicherheit weiterhin Schwimmflügel tragen, raten Experten. Erst Kinder mit dem Abzeichen "Bronze" bewegen sich sicherer im Wasser: Statt nur 25 Meter wie die "Seepferdchen" müssen sie für das Abzeichen schon 15 Minuten lang schwimmen können und dabei mindestens 200 Meter in unterschiedlichen Körperlagen zurücklegen.

Auch wenn die Anforderungen für alle Schwimmabzeichen seit dem 1. Januar 2020 verschärft worden sind, ist es empfehlenswert, dass Eltern ihre Kinder im Wasser immer im Auge behalten und mit diesen zusammen am ersten Urlaubstag Hotel-Pools oder Strandanlagen testen. Eltern sollten ihren Kinder dann genau sagen, bis wohin sie schwimmen dürfen und von welchen Bereichen sie sich fernhalten sollten - zum Beispiel von Abflussrohren und Ansauganlagen in Schwimmbecken. Generell sollten Eltern die Schwimmfähigkeit ihrer Kinder besser unter- als überschätzen und längere Strecken gemeinsam bestreiten.

Checkliste für die Schwimmkurs-Auswahl

  • Wird der Kurs durchgehend von einer qualifizierten Person geleitet?
  • Ist die Gruppe klein genug, damit alle individuell betreut werden?
  • Schaffen Lob und Ermutigung ein positives Lernumfeld für die Kinder?
  • Hat der Kurs ein klares Lernziel, zum Beispiel den Erwerb des Frühschwimmerabzeichens ("Seepferdchen")?
  • Lernen die Kinder nicht nur schwimmen, sondern auch die Baderegeln? Sie sollten zum Beispiel wissen, dass man nur ins Wasser springt, wenn es tief genug ist oder dass man bei Gewitter das Wasser verlässt. Quelle: Bayerischer Schwimmverband

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