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Ein Lichtlein brennt Die Geschichte der Kerze

Früher verbreiteten Kienspäne und Talgkerzen Rauch und Gestank. Es war ein langer Weg, bis Kerzen sauber brannten und für jedermann erschwinglich waren.

Stand: 27.11.2019

Zwei brennende Kerzen. | Bild: colourbox.com

Eine Art Kombination aus Docht und Wachs gab es wohl bereits in der Steinzeit - mit flüssigem Tierfett in einer Steinschüssel und einem Zweig oder ähnlichem als Docht. Zur Beleuchtung von Bergwerken, zum Beispiel von Salzbergwerken ab circa 800 vor Christus, brauchte man eine besser funktionierende, möglichst helle Lichtquelle. Hier kamen Kienspäne zum Einsatz. Der Kienspan gilt als älteste bekannte Grubenbeleuchtung in Mitteleuropa.

Kienspäne

Eine abgebrannte Kienspanfackel.

Kienspäne sind Bündel von etwa 20 Zentimeter langen Latten aus harzreichem Holz wie Kiefer, Tanne, Fichte, Lärche oder Kirschbaum. Zündet man das Bündel vorne an, brennt es rund 20 Minuten lang ab. Um mit beiden Händen arbeiten zu können, hielten die Bergmänner die Kienspäne im Mund. Oft fiel ihnen darüber auf Dauer das Gebiss aus, was sie schließlich arbeitslos und zu Invaliden machte.

Talgkerzen aus Eingeweidefett

Bis weit ins Mittelalter nutzte vor allem die ärmere Bevölkerung diese preisgünstige Möglichkeit zur Beleuchtung: In Brennbehälter aller Art wurde Talg beziehungsweise Unschlitt gefüllt, das Eingeweidefett geschlachteter Rinder und Hammel. Die "Unschlittlampen" stanken ranzig und rußten sehr stark. Ungesund war es zusätzlich, als man im 17. Jahrhundert Talgkerzen mit dem giftigen Arsenik weiß färbte.

Kerzen aus Bienenwachs

Bienenwachs-Kerzen - zunächst für Adel und Kirche.

Die Entwicklung von Kerzen, also eine Kombination von Wachs und Docht ohne eigenes Gefäß, gelang vermutlich schon den Römern. Das Christentum mit seinen liturgischen Gebräuchen sorgte für die schnellere Verbreitung von Kerzen. Ab dem Mittelalter wurden Kerzen aus Bienenwachs hergestellt. Dieser Rohstoff war knapp und teuer und blieb daher den Kirchen und dem Adel vorbehalten.

Lebzelter - Lebkuchen und Bienenwachs

Im Mittelalter war der Lebzelter, der Lebkuchen-Produzent, zugleich der Wachszieher. Backwaren wurden damals mit Honig gesüßt. Lebzelter pressten die Bienenwaben zur Honiggewinnung und verarbeiteten das Wachs weiter zu Kerzen.

Rußende und tropfende Kerzen

Bei Kerzen aller Art mussten bis Mitte des 19. Jahrhunderts stets die Dochte gekürzt werden. Je länger der Docht wurde, desto stärker rußten und tropften die Kerzen. Ein eigener Berufszweig an den Fürstenhöfen und den Kirchen, der Wachsschneuzer, war für das Kürzen zuständig.

Heutzutage muss der Kerzendocht nicht mehr von Hand gekürzt werden.

Sauber herunterbrennende Kerzen für alle gibt es erst seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der Entdeckung der Rohstoffe Paraffin und Stearin. Durch eine angepasste Wachsmischung und einem anders geflochtenen Docht, der sich beim Brennen zur Seite neigt und schließlich selbstständig verglüht, war das "Schneuzen", das Kürzen der Dochte, nicht mehr nötig.

Kerzen aus Paraffin und Stearin

Vor allem durch die Verwendung von Paraffin, das aus Mineralöl gewonnen wird, wurden geruchs- und tropffreie Kerzen für die breite Bevölkerung erschwinglich. Stearin besteht zu einem großen Teil aus Palmöl. Es wird nur noch selten für die Kerzenherstellung verwendet, da der Anbau von Ölpalmen wegen des Landverbrauchs und der daraus resultierenden Zerstörung der Regenwälder sehr umstritten ist.


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