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Halloween Was beim Gruseln im Gehirn passiert

Der 31. Oktober ist fest in Geisterhand: Hexen, Skelette und Vampire ziehen von Haus zu Haus, um andere zu erschrecken. Ihr Schlachtruf lautet "Süßes, sonst gibt's Saures" und wer nicht spurt, ist vor ihren Streichen nicht sicher. Doch was genau passiert im Hirn, wenn man sich gruselt?

Stand: 30.10.2017 | Archiv

Kinder feiern verkleidet Halloween  | Bild: colourbox.com

Ein markerschütternder Schrei, ein Wurfgeschoss - Menschen reagieren instinktiv auf mögliche Bedrohungen. Sie ducken sich weg oder fliehen. Hierbei hilft das Angstzentrum, in der Fachsprache auch Amygdala genannt. Sensorische Reize treffen auf den Thalamus, gelangen zur Amygdala und werden von dort weitergeleitet.

Gehirn-Grafik mit Angstzentrum Amygdala, Thalamus und Hypothalamus

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Auf eine potenzielle Aktion folgt die Reaktion. Der Bedrohte erstarrt, flieht oder kämpft - und zwar noch bevor ein heranfliegendes Objekt genau identifiziert wird. Es gibt aber auch einen Umweg, der Sekunden-Bruchteile langsamer ist. Das Signal der Sinnesreize gelangt zum sensorischen Kortex. An dieser Stelle im Hirn wird die Bedrohung erst kurz analysiert und dann gehandelt: Entweder verstärkt sich die Abwehrreaktion oder das Ganze wird als Fehlalarm entlarvt.

Gruseln setzt Endorphine frei

Meldet das Hirn "Gefahr in Verzug" geht es richtig los: Über den Botenstoff Glutamat werden Alarmsignale in andere Hirnteile wie den Hypothalamus und dann in den Körper gestreut. Eine chemische Kettenreaktion setzt in Gang: Das aufputschende Stresshormon Adrenalin wird ausgestoßen, der Blutzuckerspiegel steigt, das Herz schlägt schneller und die Handinnenflächen werden feucht. Spätestens jetzt stellt sich die Frage, was bitteschön soll so toll am Gruseln sein?

ABER: Bleibt das Schlimmste aus, das Rascheln im Gebüsch entpuppt sich als weglaufendes Kaninchen, die zuknallende Tür als Reaktion auf einen Windstoß bei geöffnetem Fenster, dann strömt auf einmal das beruhigende Wohlfühlhormon Endorphin durch unseren Körper. Dieser Hormonmix ist es wohl letztlich, was viele Menschen am Grusel-Gefühl mögen und genießen.

Halloween teilweise in Deutschland etabliert

Kleine Halloween-Geschichte

Halloween ist angeblich keltischen Ursprungs und wurde von irischen Einwanderern Ende des 19. Jahrhunderts in den USA etabliert. "All Hallows’ Eve" wird traditionell am 31. Oktober, dem Vorabend von Allerheiligen, gefeiert.

Anfang der 1990er-Jahre kannten nur wenige Deutsche Halloween aus dem US-Kino. Auch heute noch sehen Menschen, die älter als 35 Jahre sind, das Gruselfest eher als störenden US-Import. Inzwischen ist es aber vor allem für die Jüngeren zwischen 18 und 24 Jahren Teil des Brauchtums geworden. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Herbst 2017. Vor allem Kinder schlüpfen gern in eine Rolle, in der sie ohne Sanktionen die Bösen sein dürfen.

Ein Familienfest der schaurigen Art

Am lustigsten ist es, wenn sich alle in der Familie verkleiden.

Die Familie spielt am 31. Oktober eine große Rolle. Viele Kinder bereiten Halloween gemeinsam mit ihren Eltern vor: Entweder, weil sie gemeinsam zu einem Fest gehen, oder weil die Kleinen noch nicht allein von Haustür zu Haustür ziehen und mit dem Spruch "Gib mir Süßes, sonst gibt's Saures" um Süßigkeiten betteln dürfen. Die Älteren dagegen treffen sich lieber mit Gleichgesinnten zu Kostüm-Partys.

Mit der Angst umgehen lernen

Gerade für jüngere Kinder sei es wichtig, "auch mal 'ne Runde böse sein zu dürfen", so der Würzburger Bildungsforscher Heinz Reinders. "Das Fröhlich-Schaurige" ziehe die Kinder an. "Es ist für sie einfach eine schöne Erfahrung." Die Mädchen und Buben erleben das Gruselige meist positiv. "Sie sind ja nicht Opfer oder irgendeinem Horrorszenario ausgeliefert, sondern Teil davon." Verkleidet als Hexen, Skelette, Vampire oder Sensenmänner lernen sie zudem zwischen der bösen Maskerade und dem "Ich" dahinter zu unterscheiden. "So können sie sich mit eigenen Ängsten auseinandersetzen."

Vorsicht: Manche Halloween-Streiche sind strafbar!

"Böse-sein-dürfen" hin oder her: Manche Halloween-Streiche sind kriminell und damit strafbar. Die bayerische Polizei warnt daher vor üblen Scherzen: "Gegen Hauswände oder Autos geworfene Eier, zerkratzte Autotüren, verklebte Autoschlösser oder Farbschmierereien auf Mauern sind keine Scherze, sondern Sachbeschädigung." Vorsätzlich verursachte Schäden können daher rechtliche Folgen haben und werden nicht von der Haftpflichtversicherung übernommen.

Kinder unter 14 Jahren sind zwar noch nicht strafmündig, Schadenersatzansprüche können aber sehr wohl geltend gemacht werden. Die Polizei rät Eltern: Reden Sie mit ihren Kindern über die Folgen von Halloween-Scherzen!


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