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Klimawandel Grundwasserpegel in Europa sinken dramatisch

In vielen Ländern Europas war es in den vergangenen Jahren zu trocken. Forscher machen jetzt sichtbar, wie gravierend die Folgen für Grundwasserpegel und Bodenfeuchtigkeit sind.

Von: Constanze Alvarez

Stand: 30.06.2020

Abgeerntetes Feld: Auch 2019 ist wieder sehr trocken. | Bild: dpa-Bildfunk/Friso Gentsch

Was aussieht wie eine Hitzewelle auf einer Wetterkarte, ist in Wirklichkeit eine Bestandsaufnahme über den aktuellen Zustand der Grundwasserpegel und der Bodenfeuchtigkeit in ganz Europa: Weite Gebiete in Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik oder der Ukraine sind auf den von der NASA veröffentlichten Karten mit tiefroter Farbe markiert - das bedeutet, dass die Böden extrem trocken sind.

Mitteleuropa ist besonders von der Dürre betroffen. Polen meldet eine der schlimmsten Dürren in den letzten 100 Jahren.

Erstellt wurden die Karten am 22. Juni 2020 mit den Daten der GRACE-FO-Satelliten (Gravity Recovery and Climate Experiment Follow On). Je nachdem, wie sich Wassermassen verschieben oder ändern, ändert sich auch das Erdschwerefeld, das die Satelliten messen. Diese Messungen haben Wissenschaftler mit Messergebnissen der ersten GRACE-Mission (2002-2017) sowie mit aktuellen und historischen Daten von Bodenstationen ergänzt. Im Vergleich zu Durchnittswerten im Monat Juni aus den Langzeitmessungen früherer Jahre weisen Blau markierte Gebiete mehr Wasser im Boden auf als gewöhnlich. Orange und rote Gebiete liegen unter dem gewöhnlichen Wert.

"In den letzten Jahren hat Mitteleuropa mehrere Dürren in Folge erlebt, hervorgerufen durch stabile Wetterlagen und hohe Temperaturen, beides kann mit dem Klimawandel zusammenhängen."

Prof. Wolfgang Wagner, Technische Universität Wien

Die Überwachung der Bodenfeuchtigkeit ist besonders wichtig für die Landwirtschaft. Dabei können die Werte erheblich schwanken.

Veröffentlicht hat die Nasa zwei Karten: Eine zum Zustand der Grundwasserpegel, (s.o.), die andere zum Zustand der Bodenfeuchtigkeit. Die Angaben zur Bodenfeuchtigkeit sind besonders für Bauern wichtig: Daran lässt sich ablesen, wieviel Wasser für den Anbau von Pflanzen zu Verfügung steht. Die Bodenfeuchtigkeitswerte können erheblich schwanken: Ein kräftiger Regen kann den Boden schnell durchnässen. Hält eine Hitzeperiode länger an, ist die Erde schnell wieder ausgetrocknet.

Dass sich ein niedriger Grundwasserpegel wieder ausgleicht, kann jedoch Monate dauern. Dazu müsste über einen längeren Zeitraum Bodenfeuchtigkeit konstant durch Erde und Gestein sickern - bis zum Grundwasser.

Klimaforscher schlagen Alarm

In Polen haben Klimaforscher eine der schlimmsten Dürren der letzten einhundert Jahre festgestellt, in elf von sechzehn Provinzen ist die Landwirtschaft von Dürre betroffen. In der Ukraine wurde an der Desna der niedrigste Wasserstand seit 140 Jahren gemessen: Der Fluss lag fünf Meter unter dem normalen Wasserstand im Frühling. Und in der Tschechischen Republik sieht es ähnlich aus: Nach sechs Jahren Trockenheit sind knapp achtzig Prozent der Quellen von Wassermangel betroffen.


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