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Menschheitsgeschichte Frühestes Zeugnis einer menschlichen Beerdigung entdeckt

Was macht Menschen menschlich? Zum Beispiel, dass wir Tote rituell bestatten. Das früheste Grab von Menschenhand wurde in einer Höhle in Kenia entdeckt. Es ist etwa 78.300 Jahre alt. Darin liegen Teile des Skeletts eines Kleinkindes, das "Mtoto" getauft wurde.

Stand: 05.05.2021

Illustration des Kleinkindes "Mtoto" in seinem etwa 78.300 Jahre alten Grab in einer Höhle an der Küste Kenias.  | Bild: Fernando Fuey

Das Kind war 2,5 bis 3 Jahre alt und lag auf der Seite. Die Beine waren angewinkelt und zum Brustkorb gezogen. Der Kopf war auf etwas gebettet worden, das inzwischen verrottet ist. Das wissen Forscher, weil sich der Schädel des Kindes dank der Schwerkraft charakteristisch senkrecht zum Skelett aufgerichtet hat. Das ist der erste Beweis dafür, dass "Mtoto" - das heißt 'Kind' auf Swahili - bewusst und rituell begraben wurde.

Kleinkind "Mtoto" wurde schnell beerdigt

Fundort des Kinderskeletts aus der Mittelsteinzeit: Panga ya Saidi an der Küste Kenias

Ein weiterer Beweis ist, dass das Kleinkind schnell begraben wurde, denn es verweste in der Erde. Dadurch sind Teile des Skeletts, die Wirbelsäule und der Rippenbogen, noch gut erhalten. Darunter auch Zähne, die darauf hinweisen, dass das Kleinkind zur Art Homo sapiens gehört hat. Und "Mtotos" Grab wurde mit Absicht ausgehoben, was man an den Gesteinsschichten sieht. Begraben wurde das Kind in einer Erdschicht der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) im Kalkstein-Höhlensystem Panga ya Saidi im Kilifi County an der Küste Kenias.

Grabungsregion Kilifi County

Die ersten Knochen des Kleinkindes wurden schon 2013 gefunden, der Rest konnte aber erst 2017 offen gelegt werden. Da die uralten Knochen äußerst empfindlich sind, konnten sie nicht vor Ort untersucht werden. Der Fund wurden eingegipst und erst ins National Museum in Nairobi gebracht und später ins Speziallabor des National Research Center on Human Evolution (CENIEH) im spanischen Burgos.

Unterschiedliche Bestattungsriten bei Homo sapiens-Gruppen und Neandertalern

Bisher weiß man wenig darüber, wie sich Bestattungsriten beim modernen Menschen entwickelt haben. Es gibt nur wenig Berichte über Grabfunde der Mittelsteinzeit, die noch dazu nicht eindeutig sind. Doch der Fund "Mtotos" lässt Spekulationen zu, dass Homo sapiens und Neandertaler ihre Toten unterschiedlich beerdigt haben. Aber auch die Riten von Homo sapiens-Gruppen in Afrika und in Eurasien waren wohl verschieden, denn zumindest letztere begruben Tote schon vor mindestens 120.000 Jahren in Wohngebieten. Die Studie zur Ausgrabung wurde am 30. April 2021 im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.

Video (Englisch): Wie das Kinderskelett ausgegraben wurde

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Mtoto The Sleeping Child | Bild: CENIEH (via YouTube)

Mtoto The Sleeping Child


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