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Die Immunschwächekrankheit geht jeden an - immer noch

Stand: 29.11.2021

ARCHIV - 30.11.2018, Nepal, Kathmandu: Aktivisten stellen auf einer Veranstaltung im Vorfeld des Welt-Aids-Tags Kerzen auf, die eine rote Schleife formen - ein weltweit anerkanntes Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten. (Zu dpa «UNAIDS: Corona-Pandemie ist Rückschlag für Kampf gegen HI-Virus») Foto: Skanda Gautam/ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Skanda Gautam

In Sachen HIV und AIDS kann immer noch keine Entwarnung gegeben werden. Das Robert Koch-Institut lieferte am 25. November 2021 die Zahlen für das Jahr 2020. Eine Erhebung von Zahlen zu HIV-Neuinfektionen oder zu Menschen, die in Deutschland mit dem HI-Virus leben, ist nicht leicht zu erstellen. Deswegen können sie nur mithilfe von Modellrechnungen abgeschätzt werden, so das RKI. Denn gut bei der Hälfte der Betroffenen wird eine Infektion mit einem fortgeschrittenen Immundefekt oder erst mit dem Vollbild AIDS diagnostiziert.

Zahlen und Fakten des RKI

  • Ende 2020 betrug die Zahl der Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland 91.400.
  • 9.500 HIV-Infektionen waren bis dahin noch nicht diagnostiziert und die Betroffenen lebten ohne Kenntnis ihrer Infektion.
  • Geschätzt haben sich im Jahr 2020 2.000 Menschen neu mit HIV infiziert. Dabei sind Menschen aus Deutschland und mit deutscher Herkunft erfasst, die sich im Ausland mit HIV infiziert haben. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber 2019 - nach aktueller Schätzung haben sich 2019 2.300 Menschen mit dem HIV-Virus neu infiziert
  • Der Anteil der Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion, die, wie in den HIV-Behandlungsleitlinien empfohlen, eine antiretrovirale Therapie erhalten, ist von etwa 81 Prozent im Jahr 2006 auf etwa 97 Prozent im Jahr 2020 angestiegen.
  • Etwa 96 Prozent dieser Therapien verliefen erfolgreich, d.h. es wurde eine Viruslast von weniger als 200 Viruskopien/ml Blut erreicht.
  • Zusätzlich wurden 2020 erstmals auch etwa 90 Prozent der HIV-Infizierten diagnostiziert, so das RKI.
  • Der beobachtete Rückgang von HIV-Neudiagnosen und der geschätzte Rückgang von Neuinfektionen im Jahr 2020 könnten laut RKI unter anderem auf einer Verminderung von Übertragungsrisiken durch die Einschränkung sexueller Kontakte, verminderten Routinetestungen und damit den Wegfall von Diagnosen aufgrund der Corona-Pandemie beruhen.

Wer ist von HIV in Deutschland betroffen?

In Deutschland leben die meisten HIV-Infizierten in den Großstädten. Immer noch sind vor allem Männer betroffen, die Sex mit Männern haben, aber immer wieder stecken sich auch Frauen an. Meist wird bei ihnen erst spät ein AIDS-Test gemacht. Ein großes Versäumnis, denn je früher eine HIV-Infektion entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten, trotz Infektion lange zu leben.

HIV und AIDS weltweit

Weltweit lebten nach Angaben des UN-AIDSprogramms UNAIDS im Jahr 2020 fast 38 Millionen Menschen mit HIV, davon 1,5 Millionen Neuinfektionen. 680.000 Menschen sind an den Folgen gestorben.

HIV in Zeiten von Corona

Die Vereinten Nationen hatten schon im vergangenen Jahr vor Rückschlägen im Kampf gegen HIV/AIDS durch die Corona-Pandemie gewarnt. Aufgrund der Lockdowns in vielen Ländern könne es 2020 bis zu 293.000 zusätzliche HIV-Infektionen und 148.000 zusätzliche AIDS-Tote geben, warnte damals Winnie Byanyima, Exekutivdirektorin von UNAIDS. Denn die Gesundheitsdienste vieler Länder seien durch den Kampf an zwei Fronten stark belastet oder der Einsatz unterbrochen - eine Situation die sich auch im Jahr 2021 nicht geändert hat, wie Experten in einem Online-Pressegespräch am 26. November 2021 beklagten.

Wachsende Bedrohung durch HIV: Die Ursachen sind vielfältig

Auch nach knapp zwei Jahren weltweiter Pandemie sind die Ursachen für eine wachsende Bedrohung durch das HI-Virus gleichgeblieben. So sei zum Beispiel die Anzahl der HIV-Tests 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent zurückgegangen, wiederholte der Exekutivdirektor des "Globalen Fonds" Peter Sands im Pressegespräch Ende November 2021. Erkenntnisse, die Sands schon im September 2021 herausgestellt hatte. Damals wurden die aktuellen Zahlen des Fonds veröffentlicht, der 2002 zur Bekämpfung der drei großen Infektionskrankheiten AIDS, Tuberkulose und Malaria gegründet wurde und seither nationale Maßnahmen gegen die drei Krankheiten finanziert.

Therapierte Menschen geben das HI-Virus nicht weiter

Das HI-Virus vermehrt sich im Körper nicht weiter, wenn Betroffene therapiert werden und Medikamente nehmen. Die Viruslast im Blut reduziert sich nach einiger Zeit so sehr, dass das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar ist. Damit ist es dann auch nicht mehr übertragbar - auch beim Sex nicht.

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