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WM-Finale Das teurere Team gewinnt

Die Mannschaft, deren Spieler zusammen am teuersten sind, hat am meisten Erfolg. Die Theorie ist simpel. Ihr zufolge war Argentinien im WM-Finale 2014 chancenlos – doch so wars nicht.

Stand: 04.04.2017

Lionel Messi, Thomas Müller | Bild: picture-alliance/dpa; Montage: BR

Wissenschaftler der Freien Universität Berlin, der Universität Göttingen und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung haben sich zusammengetan und ausgerechnet, wie viel die einzelnen Spieler der Nationalmannschaften vor der WM 2014 zusammen auf dem Transfermarkt wert sind. Diese Werte benutzten sie, um die Ergebnisse der einzelnen Gruppenspiele zu berechnen: Je höher der Marktwert des Teams, desto größer die Gewinnchancen. Nach den Berechnungen der Soziologen, Sport- und Wirtschaftswissenschaftler sollten sich folgende Mannschaften in der Vorrunde durchsetzen:

Gruppe AGruppe BGruppe CGruppe D
Brasilien
468 Millionen Euro
Spanien
631 Millionen Euro
Kolumbien
190 Millionen Euro
England
334 Millionen Euro
Kroatien
193 Millionen Euro
Niederlande
208 Millionen Euro
Elfenbeinküste
122 Millionen Euro
Italien
323 Millionen Euro
Gruppe EGruppe FGruppe GGruppe H
Frankreich
412 Millionen Euro
Argentinien
392 Millionen Euro
Deutschland
562 Millionen Euro
Belgien
349 Millionen Euro
Schweiz
178 Millionen Euro
Bosnien-Herzegowina
114 Millionen Euro
Portugal
297 Millionen Euro
Russland
184 Millionen Euro

Fünf Favoriten

Deutschlands und Spaniens Weg ins Endspiel

In der Vorrunde waren die Marktwert-Unterschiede sehr groß. Unter den prognostizierten letzten 16 Mannschaften war das Verhältnis dann aber ausgeglichener. Ins Halbfinale sollten nach der Marktwert-Prognose Spanien, Deutschland, Brasilien und Argentinien kommen. Frankreich zählte zwar theoretisch auch zu den Favoriten, scheiterte aber im Viertelfinale an Deutschland. Sowohl im Modell als auch in der Realität. Immerhin, ein klein wenig lag die Theorie hier aber doch daneben: Spanien reiste vorzeitig nach Hause, dafür waren die Niederlande im Halbfinale.

Hohe Trefferquote

Die Wissenschaftler prüften ihre Theorie in der Saison 2012/2013 an zwölf nationalen Ligen in Europa. Dabei zeigte sich, dass in acht Ligen das Team mit dem höchsten Marktwert Fußballmeister wurde. In drei Ligen war die Mannschaft mit dem zweithöchsten Marktwert Spitzenreiter und in einer Liga war die Mannschaft mit dem dritthöchsten Marktwert ganz vorn. Auch bei der Qualifikation zur Fußball-WM bewährte sich das Verfahren: In Europa konnte sich entgegen der Voraussage nur Russland vor Portugal platzieren. In Amerika landete Honduras vor den deutlich "wertvolleren" Teams aus Mexiko und Jamaika.

Erfolgsfaktoren im Fußball

Lässt sich der Erfolg von Fußballteams berechnen und wenn ja, welche Faktoren bestimmen den Erfolg? Die drei Wissenschaftler Jürgen Gerhards, Michael Mutz und Gert G. Wagner geben Antwort in ihrem Artikel in der "Zeitschrift für Soziologie".

Vorhersagbarkeit sorgt für Langeweile

Die Wissenschaftler, überzeugt von der Zuverlässigkeit ihrer Vorhersagen, zeigten sich besorgt, dass die gute Prognostizierbarkeit der Ergebnisse die Spannung in den nationalen Ligen und bei internationalen Turnieren verringern könnte. In der Folge würde dann auch das Interesse des Publikums sinken. Doch andere Studien machen Hoffnung, dass der Marktwert allein, noch keine Titel bringt:

Wie viele Superstars verträgt ein Team?

Wenn Talent kippt

Roderick Swaab und seine Kollegen von der europäischen Buisness School Insead in Fontainebleau sehen die Zukunft des Fußballs nicht ganz so düster. Sie haben in mehreren Untersuchungen zu unterschiedlichen Mannschaftssportarten festgestellt, dass zu viel Talent einer Fußballmannschaft auch schaden kann. Ihr Resümee: Zu viele Superstars in einem Team können sich ab einem gewissen Punkt negativ auf die Gesamtleistung auswirken.

WM 2010 und 2014 als Basis

Die Forscher ermittelten zum Beispiel den Anteil an WM-Spielern von 2010 und 2014, die bei Top-Vereinen spielten oder über das FIFA-All-Star-Team 2010 ausgewählt wurden. Dann untersuchten sie anhand der FIFA-Daten, wie die verschiedenen Mannschaften in den Qualifikationsphasen vor beiden Weltmeisterschaften abgeschnitten hatten. Dabei bezogen sie auch die Ergebnisse, die Bedeutung des Spiels und die Stärke des Gegners mit ein.

Zu viele Topspieler schaden

Das Ergebnis: Die Annahme "Je mehr Topspieler, desto besser das Team" spiegelte sich auch im Abschneiden der Mannschaften wider – aber nur bis zu einem gewissen Punkt: Lag der Anteil der Topspieler in einer Mannschaft über 60 Prozent, sank die Teamleistung wieder ab. Beispiele dafür sind für die Forscher das enttäuschende Abschneiden der französischen Elf bei der WM 2010 oder das des niederländischen Teams bei der EM 2012.

Egoist statt Teamplayer

Der Grund ist für die Forscher das "Teamplay". Beim Fußball ist auf dem Feld ein hohes Maß dieses miteinander Agierens und sich Aufeinandereinstellens gefordert. Dabei kommen sich Superstars ab einem bestimmten Punkt aber eher in die Quere. Fazit: Am Ende muss der Trainer auf die richtige Mischung im Team achten, sonst bleibt der Erfolg trotz – oder vielmehr wegen zu vieler – großer Stars aus. Diese Balance zu finden ist gar nicht so einfach und hält zum Glück für die Zuschauer viele Überraschungen parat.


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