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Gesundheitsrisiko Feinstaub So macht verschmutzte Luft krank

Feinstaub macht krank. Vor allem die besonders kleinen ultrafeinen Partikel sind gefährlich, weil sie tief in den Körper eindringen können. Das kann zu Atemwegserkrankungen, Diabetes und Herzkrankheiten führen, aber auch das Gehirn schädigen.

Stand: 05.08.2021

Feinstaub-Kategorien

  • PM10: Teilchen, kleiner als 10 Mikrometer
  • PM2,5: Teilchen, kleiner als 2,5 Mikrometer
  • UFP: ultrafeine Partikel, kleiner als 0,1 Mikrometer

Feinstaub ist in Schwebstaub enthalten. Schwebstaub sind Staubteilchen, die nicht sofort zu Boden sinken, sondern eine zeitlang in der Luft bleiben. Sind die Staubteilchen kleiner als zehn Mikrometer, werden sie Feinstaub genannt. Je kleiner Feinstaubpartikel sind, desto leichter und tiefer gelangen sie in den Körper, weil sie dessen Abwehrmechanismen umgehen können. Von der Lunge können sie über den Blutkreislauf tief in unseren Organismus eindringen und der Gesundheit schaden, wie Studien seit Jahren immer wieder zeigen.

Feinstaub dringt ins Fettgewebe: Diabetes bei Jung und Alt

Mögliche Abwehrmechanismen unseres Körpers gegen Feinstaub:

  • Flimmerhärchen in den Atemwegen: Sie sorgen für den Abtransport von Partikeln oder Substanzen. Insbesondere bei Rauchern können diese Härchen aber beschädigt sein.
  • Fresszellen des Immunsystems: Fresszellen "stülpen" sich über die Feinstaubpartikel. Die Partikel werden darin mithilfe zahlreicher Mechanismen aufgelöst und abgebaut. Bei hohen Feinstaub- und Schadstoffkonzentrationen versagt dieses System allerdings. Die Lunge wird geschädigt.

Dringt Feinstaub in Fettgewebe ein, können die kleinen Partikel dort Entzündungsreaktionen auslösen. Die Entzündungen können den Glucose-Stoffwechsel im Körper stören. Das zeigen Tierversuche.

Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München, sagt, dass Wissenschaftler mittlerweile auch beim Menschen eine derartige Reaktion beobachtet haben. So erkranken Kinder bei einer erhöhten Feinstaubbelastung häufiger an Typ 1-Diabetes. Und auch bei älteren Menschen ist das Risiko, an Diabetes zu erkranken, bei durch Feinstaub belasteter Luft deutlich erhöht.

Feinstaub dringt ins Herz-Kreislauf-System: Herzinfarkt und Herzschwäche

Bluthochdruck ist häufiger und steigt schneller, wenn die Luft am Wohnort nicht sauber ist. Außerdem gibt es Hinweise, dass es einen Zusammenhang zwischen Feinstaub und Herzinsuffizienz, also Herzschwäche, gibt. Neuere Studien zeigen, dass auch Herzinfarkte durch den Feinstaub ausgelöst werden können.

Feinstaub im Gehirn: Demenz bei Älteren, niedriger IQ bei Jugendlichen

Eine Studie von der University of Southern California in Los Angeles wies 2017 nach, dass bei älteren Frauen unter erhöhter Feinstaubbelastung das Risiko für eine Demenz um 92 Prozent höher ist als bei Frauen, an deren Wohnort der Grenzwert eingehalten wurde. Aber nicht nur bei älterern Menschen führt eine hohe Feinstaubbelastung zu Veränderungen im Gehirn.

"Wir konnten durch eine Langzeitbeobachtung zeigen, dass Jugendliche in Süd-Kalifornien, die in Gegenden mit hoher PM2,5-Belastung leben, einen niedrigeren IQ haben und häufiger straffällig werden. Also: eine tiefgreifende neurologische Schädigung über die gesamte Lebenszeit."

Professor JC Chen von der University of Southern California, eine Autorin der Studie

Einen Zusammenhang zwischen Demenz und Luftverschmutzung bestätigten Forscher der University of Washington erneut in einer Studie, die am 4. August 2021 im Fachmagazin "Environmental Health Perspectives" veröffentlicht wurde. Für die Studie glichen die Forscher zwei Langzeitstudien, eine über Luftverschmutzung im Großraum Seattle und eine über Demenz-Fälle im Großraum Seattle, miteinander ab und kommen nach Sichtung von Datenmaterial von mehr als 4.000 Menschen über einen Zeitraum von 40 Jahren zu einem erschreckenden Ergebnis:

"Wir haben herausgefunden, dass eine Steigerung von einem Mikrogramm pro Kubikmeter Feinstaub-Belastung das Risiko für Demenz um 16 Prozent erhöht. Einen ähnlichen Zusammenhang gab es auch bei der Demenz-Form Alzheimer."

Rachel Shaffer, Studienautorin und Doktorandin, University of Washington, Seattle

Doch wie gelangt Feinstaub ins Gehirn und schädigt das Organ? Dafür gibt es zwei Thesen: Feinstaubpartikel wandern über die Nase direkt ins Gehirn. Das konnte mit Experimenten im Labor nachgewiesen werden. Eine andere Möglichkeit ist, dass Partikel in die Lunge gelangen, sie reizen und Entzündungen auslösen. Diese werden dann von der Lunge über den Blutkreislauf ins Gehirn transportiert, was zu den beobachteten Hirnschäden führt.

Wo entsteht Feinstaub?

Feinstaub wird hauptsächlich durch Menschen erzeugt, gibt das Umweltbundesamt (UBA) an. Direkt wird Feinstaub in die Luft geblasen durch Kraftfahrzeuge (Motoren ohne Partikelfilter, Bremsen- und Reifenabrieb, Aufwirbeln von Staub auf der Straße), Kraft- und Fernheizwerke, Öfen/Kamine und Heizungen in Wohnhäusern, bei der Metall- und Stahlerzeugung und auch beim Umschlagen von Schüttgütern (Be- und Entladen von Erzen, Kohle, Getreide, Futtermittel). In Ballungsräumen und Großstädten ist der Straßenverkehr die Hauptquelle für Feinstaub.

Eine weitere wichtige Quelle ist die Landwirtschaft. Hier entsteht durch Emissionen der sogenannte sekundäre Feinstaub. Er bildet sich bei chemischen Reaktionen von gasförmigen Substanzen wie etwa Schwefel- und Stickstoffoxiden, Ammoniak oder Kohlenwasserstoffen in der Atmosphäre. Das passiert in der Landwirtschaft zum Beispiel, wenn Ammoniak-Emissionen aus Tierställen an die Luft gelangen.

Natürliche Quellen für Feinstaub können Bodenerosionen sein, Emissionen aus Vulkanen und Meeren, Wald- und Buschfeuer sowie spezielle biogene Aerosole (Viren, Sporen von Bakterien und Pilzen).

Wie kann man Feinstaub vermeiden?

Als Privatperson kann man hauptsächlich beim Thema Straßenverkehr angreifen, also Fahrrad statt Auto fahren, Fahrgemeinschaften bilden oder den öffentlichen Nahverkehr / die Bahn nutzen. Alte Autos sollten mit einem Partikelfilter nachgerüstet werden. Auf offene Kamine und Einzelöfen sollte man verzichten, wenn sie keine Abgasreinigung haben. Die Geräte sollten auch möglichst wenig Staub produzieren und nur mit zulässigen Brennstoffen wie abgelagertem, unbehandeltem Holz betrieben werden.

An Silvester sollte man auf ein eigenes Feuerwerk verzichten. Auch dabei wird Feinstaub frei. Im Garten sollte man kein Laub oder Holz verbrennen. Mehr Tipps zur Vermeidung von Feinstaub finden Sie hier beim Umweltbundesamt (UBA). Das UBA bietet auch eine App mit dem Namen "Luftqualität" an (kostenlos, ohne Werbung, für Android- und iPhone), mit der man die Luftqualität an mehr als 400 Stationen in Deutschland überprüfen kann. Zusätzlich bekommt man Verhaltenstipps vom UBA.


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