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Blick in die Zukunft Wie wird die Welt klimaschonend satt?

Im Jahr 2100 werden voraussichtlich über 11 Milliarden Menschen auf unserer Erde leben. Sie zu ernähren, ohne das Klima zu ruinieren, ist eine große Herausforderung. Forscher aus Oxford zeigen, wie es funktionieren könnte.

Von: Sabine Pusch, Martin Moser, Sylvaine v. Liebe

Stand: 03.02.2021

Die Lebensmittelproduktion spielt durch die hohen Treibhausgas-Emissionen, die von ihr versursacht werden, fürs Klima eine große Rolle. Im Bild: Einheimischer Mann in Laos setzt Reispflanzen in ein Reisfeld. | Bild: picture alliance/Bildagentur-online/Foto: Fischer

Unsere Lebensmittelproduktion verursacht eine ganze Menge der klimaschädlichen Treibhausgase. Sogar so viel, dass - selbst wenn wir es schaffen würden, alle anderen menschengemachten Emissionen komplett zu vermeiden - unsere im Pariser Klimabkommen gesteckten Klimaziele unerreichbar wären.

Wie können wir das ändern? Sich vegan oder überwiegend pflanzlich zu ernähren, ist eine Idee. Das allein reicht aber nicht, sagen Forscher der Universität Oxford. Sie haben in einer im November 2020 im Fachblatt "Science" veröffentlichten Studie herausgearbeitet, worauf zu achten ist, wenn wir die wachsende Weltbevölkerung auch künftig noch ernähren und gleichzeitig unser Klima retten wollen.

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Vegan essen: Was wir gegen Klimawandel und Welthunger tun können | PlanetB | BR | Bild: PlanetB (via YouTube)

Vegan essen: Was wir gegen Klimawandel und Welthunger tun können | PlanetB | BR

Wie viele Treibhausgase die Lebensmittelproduktion verursacht

Nach den Erkenntnissen der britischen Forscher entstehen etwa 30 Prozent aller weltweit emittierten Treibhausgase durch die Art, wie wir uns ernähren. Das heißt mit anderen Worten: durch die Emissionen, die in der Landwirtschaft entstehen, den Transport der Lebensmittel zum Endverbraucher, aber auch durch das Abholzen von Wäldern für die landwirtschaftlichen Anbauflächen. In Zahlen sind das 16 Milliarden Tonnen CO2 oder andere Treibhausgase, die für Lebensmittel jedes Jahr in die Luft geblasen werden. Das ist in etwa das 17-fache von dem, was der Luftverkehr im Jahr 2018 an CO2-Emissionen verursacht hat.

Fünf Strategien für eine klimaschonendere Lebensmittelproduktion

Damit die Weltbevölkerung auch in Zukunft noch ernährt werden kann, ohne dass die Erde einen Klimakollaps erleidet, müssen die Emissionen, die rund um die Lebensmittelproduktion entstehen, drastisch sinken. Damit das gelingt, sind nach Ansicht der Forscher aus Oxford fünf Dinge bei der Ernährung und der Lebensmittelproduktion notwendig.

  1. Alle Menschen müssten sich vorwiegend von pflanzlichen Produkten ernähren.
  2. Alle Menschen sollten auf eine gesunde Kalorienzufuhr von etwa 2100 Kalorien pro Tag kommen, das heißt: nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
  3. Höhere Ernteerträge sind notwendig. Wie groß die Diskrepanz ist zwischen dem, was eine Fläche abwerfen könnte, und dem, was sie tatsächlich abwirft, zeigen die sogenannten "Yield Gaps". Eine Karte dieser Ertragslücken hat die Europäische Kommission im "World Atlas of Desertification" veröffentlicht.
  4. Die Müllmenge müsste halbiert werden. Allein in Deutschland landen laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft jedes Jahr etwa 75 Kilogramm Lebensmittel pro Person im Müll.
  5. Und schließlich muss die Lebensmittelproduktion effizienter werden. Dies ist unter anderem durch sogenannte “good agronomic practices” möglich, also Anbauweisen, die auf die jeweiligen Böden angepasst sind, das heißt zum Beispiel: eine gezieltere Düngung. Und auch genmodifiziertes Saatgut, das zum Beispiel gut mit Trockenheit klar kommt und gegen bestimmte Schädlinge resistent ist, kann dabei helfen, das Klima zu schützen.

“Planetary Health Diet”: Ernährungsplan für ein gesundes Klima

Vegane Ernährung ist gesund und gut fürs Klima.

Weil das, was wir essen, einen besonders großen Einfluss auf die Emissionen und damit auf das Klima hat, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Oxford die sogenannte "Planetary Health Diet" als Grundlage für die überwiegend pflanzenbasierte Ernährung verwendet. Diesen detaillierten Ernährungsplan haben Experten aus den verschiedensten Bereichen - aus Politik, Agrarwissenschaft, Umweltschutz, Statistik und Gesundheit - ausgearbeitet. Ihr Ziel war es, möglichst genau aufzulisten, wie viel Gramm wir von was essen sollten, damit auch 2050 noch alle satt werden können. Die Erde soll aber gleichzeitig nicht über ihre Grenzen ausgebeutet werden, sich nicht zu sehr erwärmen und das Problem von Hungersnöten und Zivilisationskrankheiten nicht zu groß werden.

Ernährung, die dem Klima hilft: Ein wenig Fleisch pro Tag ist erlaubt

Bei dieser “Planetary Health Diet” stehen vor allem Getreide, Gemüse und Obst auf dem Speiseplan. Aber auch Proteinquellen in Form von Nüssen und Hülsenfrüchten sind erlaubt. Selbst auf Milchprodukte, Eier, Fisch und Fleisch müssen wir des gesunden Klimas wegen nicht verzichten. Es kommt eben immer auch auf die Menge an. 14 Gramm Rind-, Lamm- oder Schweinefleisch pro Tag und Person dürfen es laut der Verfasser der “Planetary Health Diet” mit gutem Gewissen sein. Beim Geflügel sind sogar 29 Gramm für jeden täglich drin.

Fazit: Sich vorwiegend von pflanzlichen Produkten zu ernähren, ist gut fürs Klima. Auch weil das nicht jeder auf der Welt kann oder will, müssen in den anderen Bereichen der Lebensmittelproduktion Veränderungen stattfinden - und natürlich auch außerhalb. Nur so können wir das im Pariser Klimaschutzabkommen anvisierte 1,5 Grad-Ziel auch erreichen und unser Klima retten.

PlanetB - Klimafragen verständlich erklärt

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