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Elektroschrott Warum Metallmüll auf den Wertstoffhof gehört

Immer noch landet nur knapp die Hälfte unseres Elektroschrotts auf dem Wertstoffhof. Ein neues Gesetz soll die Quote zwar erhöhen, damit das aber auch in der Praxis funktioniert, muss sich einiges ändern, mahnen Experten.

Von: Hellmuth Nordwig/Sylvaine von Liebe

Stand: 16.12.2020 12:52 Uhr

Zunächst ein paar Zahlen: Mehr als 2,37 Millionen Tonnen Elektrogeräte wurden laut Umweltbundesamt 2018 in Deutschland verkauft. Das sind etwa 15 Prozent oder 294.000 Tonnen mehr als im Jahr zuvor.

Zugleich wurden 2019 in Deutschland 2 Millionen Tonnen Elektro- und Elektronikgeräte entsorgt. Das entsprach nach Angaben des Global E-Waste Monitors über 20 Kilogramm pro Person, wesentlich mehr als im europäischen Schnitt. Hier waren es nurn 16,2 Kilogramm pro Kopf. Und dennoch werden auch hierzulande insgesamt immer noch nicht genug der kaputten oder ausrangierten Elektrogeräte fachgerecht entsorgt.

2019 wurden in Europa 16,2 Kilogramm Elektroschrott pro Kopf entsorgt - mehr als sonst irgendwo auf dem Globus.

"Wir sammeln viel zu wenig Elektroschrott", bemängelt Sascha Roth, Referent für Umweltpolitik beim Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU). Derzeit werden nach seinen Angaben 43 Prozent des elektronischen Mülls in Deutschland gesammelt, das heißt fachgerecht entsorgt, obwohl schon jetzt eine Sammelquote von 45 Prozent vorgeschrieben ist. Bald soll per Gesetz sogar eine Mindestsammelquote von 65 Prozent für Elektroschrott gelten.

Elektroschrott nie vor die Tür legen

Den alten Fernseher oder das kaputte Radio, diese Geräte kann man doch einfach vor die Tür legen - ein Bastler kommt sicher vorbei und findet dafür Verwendung. So denken viele und sind sich gar nicht bewusst, welche ökologisch und umweltpolitisch bedenkliche Kettenreaktion sie damit in Gang setzen.

"Dann können Personen, die sich an dem Geschäft des Exports der Geräte beteiligen, diese Geräte absammeln und dann auf illegalen Wegen ins Ausland verschiffen. Und dort richten die größtmöglichen Schaden an."

Katharina Reh, stellvertretende Abteilungsleiterin für Kreislaufwirtschaft beim Fraunhofer-Institut UMSICHT

Viele kennen die unwürdigen Bilder aus Afrika, auf denen Kinder in qualmenden Haufen alter Geräte nach wertvollen Rohstoffen stochern. Die Crux: In den weggeworfenen Elektrogeräten finden sich nicht nur wertvolle Metalle und Kunststoffe, sondern auch gesundheitsschädliche Schwermetalle und Flammschutzmittel. Gerade deshalb ist es wichtig, die elektronischen Teile fachgerecht zu entsorgen, sagen Experten.

Sammelsystem noch unzureichend - Ausbau des Systems ist notwendig

Doch Elektroschrott fachgerecht zu entsorgen, ist in Deutschland nicht ganz einfach. Der zur Rückgabe verpflichtete Händler ist oft weit weg, der nächstgelegene Wertstoffhof ebenso. Das gilt insbesondere für Menschen, die auf dem Land leben und ihre Elektrogeräte entsorgen wollen.

Umweltschützer fordern deshalb, das Sammelsystem auszubauen. So sollten sich Online-Händler ihrer Ansicht nach zum Beispiel an flächendeckenden Sammelstellen finanziell beteiligen. Die könnten etwa in Supermärkten oder Discountern eingerichtet werden. Auch dort gebe es ja Elektrogeräte zu kaufen, so ihr Argument.

Rückgabe von Elektroschrott: Gesetzesänderung auf dem Weg

Entsprechende Änderungen hat der Gesetzgeber auch schon Mitte Dezember 2020 auf den Weg gebracht. Ab 2022 sollen zumindest kleine Elekrogeräte bis zu einer Kantenlänge von 25 Zentimetern auch in Discountern und Supermärkten abgegeben werden können, unabhängig davon, ob die Kunden dort auch ein neues Gerät kaufen. Voraussetzung für das Recht auf Rückgabe ist, dass die Ladenfläche größer als 800 Quadratmeter ist und dort mehrmals im Jahr Elektrogeräte verkauft werden.

Für größere Geräte soll auch nach der Gesetzesänderung gelten, dass Kunden sich ein neues kaufen müssen, um das alte abgeben zu können.

Mehr Verpflichtungen für Onlinehändler

Auch auf Onlinehändler kommen durch die Gesetzesänderung neue Pflichten zu: "Künftig dürfen große Händler, ob online oder offline, Elektrogeräte nicht mehr verkaufen, wenn sie sie nicht auch zurücknehmen", sagt Svenja Schulze, Bundesumweltministerin, zur geplanten Gesetzesänderung. Zudem sollen Online-Marktplätze künftig prüfen müssen, ob die bei ihnen vertretenen Anbieter sich auch am Recyclingsystem beteiligen.

Rückgabe von Elektroschrott in Läden: Was derzeit gilt

Bisher gilt die Rücknahmepflicht für Geschäfte nur, wenn sie eine Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte von mindestens 400 Quadratmetern haben. Im Onlinehandel sind die Lager- und Versandflächen maßgebend. Das heißt in der Praxis: Der Onlinehändler muss seinen Kunden beim Kauf eines Gerätes mitteilen, wo ein entsprechendes Alt-Gerät in zumutbarer Entfernung zurückgegeben werden kann oder eine Möglichkeit der kostenlosen Rücksendung anbieten.

Warum das Sammeln von Elektroschrott wichtig ist

Elektroschrott besteht vor allem aus Haushaltsgeräten. Smartphones und Klein-IT machen nicht einmal 5 Prozent des E-Schrotts aus.

Die Einführung einer umfassenden Verpflichtung für Händler - ob stationär oder online - sowie generell das Sammeln von Elektroschrott auf Wertstoffhöfen ist wichtig, denn nur, wenn die Rückgabe von Elektroschrott erleichtert wird, können viele der wertvollen Substanzen, die in den Geräten stecken, wiederverwendet werden, darin sind sich alle Recycling-Experten einig. Schließlich werden die ausgemusterten Elektrogeräte nur in einem Recyclingbetrieb zerkleinert und nach Inhaltsstoffen sortiert. Und nur dadurch können zumindest größere Teile, wie etwa das Stahlgehäuse eines PCs, das Kupferkabel oder die Eisenmagnete aus Lautsprechern wiederverwertet werden.

Probleme und Optimierungen der Sortieranlagen in Wertstoffhöfen

Doch selbst bei den Sortieranlagen der Wertstoffhöfe bleibt noch ein Rest an Stoffen übrig, der wieder verwendet werden könnte. In einer mittelgroßen Anlage des im Fraunhofer-Instituts geschieht das bereits.

"Wir bereiten den [Rest] in einem thermochemischen Prozess auf, einer sogenannten Pyrolyse, um die Metalle anzureichern und aus dieser Mischfraktion eine angereicherte Metallfraktion für ein Recycling bereitzustellen."

Katharina Reh, Fraunhofer-Institut UMSICHT

Noch ist die Anlage des Instituts zu klein für die Industrie, aber immerhin groß genug, um die Qualität der wieder gewonnenen Metalle zu testen. Gerade für die Kunststoffe in Elektrogeräten, die bisher wegen der darin in großen Mengen enthaltenen Flammschutzmittel kaum wieder verwertet werden, kann das in mehrerlei Hinsicht wertvoll sein.

Richtiges Design der Produkte für weniger Elektroschrott

Aber nicht nur die Wiederverwertung ist für die Vermeidung von Elektroschrott wichtig. Nach Ansicht von Sascha Roth vom NABU könnte auch eine vorausschauende Produktion zu einer Reduzierung von Elektroschrott führen.

"Man müsste da das Vorsorgeprinzip stärker in den Fokus nehmen, was heißen würde: Wir müssen schon in der Designphase Schadstoffe ausschleusen. Ganz niedrige Grenzwerte vorgeben, um dann zu sehen, wenn verschiedene Altgeräte im Recyclingstrom landen, dass auch kein Grenzwert an Schadstoffen überschritten wird."

Sascha Roth, NABU

Das A und O zur Vermeidung von Elektroschrott ist aber nach wie vor das Sammeln der alten Elektrogeräte.

Das neue Gesetz, das zu einer höheren Sammelquote verpflichtet, wird einen Beitrag dazu leisten und für mehr Sammelstellen in Deutschland sorgen.

Und vielleicht wird langfristig auch das neue vom Europäische Parlament bereits beschlossene "Recht auf Reparatur" dabei helfen, Elektroschrottberge zu verringern.


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