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Elektroschrott Warum der Müll auf den Wertstoffhof gehört

Immer noch landet nur knapp die Hälfte unseres Elektroschrotts auf dem Wertstoffhof. Ein neues Gesetz soll die Quote zwar erhöhen, damit das aber auch in der Praxis funktioniert, muss sich einiges ändern, mahnen Experten.

Von: Hellmuth Nordwig/Sylvaine von Liebe

Stand: 17.08.2020

Mehr als 2,37 Millionen Tonnen Elektrogeräte wurden laut Umweltbundesamt 2018 in Deutschland in Umlauf gebracht. Das sind etwa 15 Prozent oder 294.000 Tonnen mehr als im Jahr davor. Und immer noch werden viel zu wenige der kaputten oder ausrangierten Elektrogeräte fachgerecht entsorgt. "Wir sammeln viel zu wenig Elektroschrott", bemängelt Sascha Roth, Referent für Umweltpolitik beim Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU). Derzeit werden nach seinen Angaben 43 Prozent des elektronischen Mülls in Deutschland gesammelt, das heißt fachgerecht entsorgt, obwohl schon jetzt eine Sammelquote von 45 Prozent vorgeschrieben ist. Bald soll per Gesetz sogar eine Mindestsammelquote von 65 Prozent für Elektroschrott gelten.

Elektroschrott nie vor die Tür legen

Den alten Fernseher oder das kaputte Radio, diese Geräte kann man doch einfach vor die Tür legen - ein Bastler kommt sicher vorbei und findet dafür Verwendung. So denken viele und sind sich gar nicht bewusst, welche ökologisch und umweltpolitisch bedenkliche Kettenreaktion sie damit in Gang setzen.

"Dann können Personen, die sich an dem Geschäft des Exports der Geräte beteiligen, diese Geräte absammeln und dann auf illegalen Wegen ins Ausland verschiffen. Und dort richten die größtmöglichen Schaden an."

Katharina Reh, stellvertretende Abteilungsleiterin für Kreislaufwirtschaft beim Fraunhofer-Institut UMSICHT

Viele kennen die unwürdigen Bilder aus Afrika, auf denen Kinder in qualmenden Haufen alter Geräte nach wertvollen Rohstoffen stochern. Die Crux: In den weggeworfenen Elektrogeräten finden sich nicht nur wertvolle Metalle und Kunststoffe, sondern auch gesundheitsschädliche Schwermetalle und Flammschutzmittel. Gerade deshalb ist es wichtig, die elektronischen Teile fachgerecht zu entsorgen, sagen Experten.

Sammelsystem noch unzureichend - Ausbau des Systems ist notwendig

Doch Elektroschrott fachgerecht zu entsorgen, ist in Deutschland nicht ganz einfach. Der zur Rückgabe verpflichtete Händler ist oft weit weg, der nächstgelegene Wertstoffhof ebenso. Das gilt insbesondere für Menschen, die auf dem Land leben und ihre Elektrogeräte entsorgen wollen.

Umweltschützer fordern deshalb, das Sammelsystem auszubauen. So sollten sich Online-Händler ihrer Ansicht nach zum Beispiel an flächendeckenden Sammelstellen finanziell beteiligen. Die könnten etwa in Supermärkten oder Discountern eingerichtet werden. Auch dort gebe es ja Elektrogeräte zu kaufen, so ihr Argument.

Warum das Sammeln von Elektroschrott wichtig ist

Denn nur, wenn die Rückgabe von Elektroschrott erleichtert wird, können viele der wertvollen Substanzen, die in den Geräten stecken, wiederverwendet werden, darin sind sich alle Recycling-Experten einig. Schließlich werden die ausgemusterten Elektrogeräte nur in einem Recyclingbetrieb zerkleinert und nach Inhaltsstoffen sortiert. Und nur dadurch können zumindest größere Teile, wie etwa das Stahlgehäuse eines PCs, das Kupferkabel oder die Eisenmagnete aus Lautsprechern wiederverwertet werden.

Probleme und Optimierungen der Sortieranlagen in Wertstoffhöfen

Doch selbst bei den Sortieranlagen der Wertstoffhöfe bleibt noch ein Rest an Stoffen übrig, der wieder verwendet werden könnte. In einer mittelgroßen Anlage des im Fraunhofer-Instituts geschieht das bereits.

"Wir bereiten den [Rest] in einem thermochemischen Prozess auf, einer sogenannten Pyrolyse, um die Metalle anzureichern und aus dieser Mischfraktion eine angereicherte Metallfraktion für ein Recycling bereitzustellen."

Katharina Reh, Fraunhofer-Institut UMSICHT

Noch ist die Anlage des Instituts zu klein für die Industrie, aber immerhin groß genug, um die Qualität der wieder gewonnenen Metalle zu testen. Gerade für die Kunststoffe in Elektrogeräten, die bisher wegen der darin in großen Mengen enthaltenen Flammschutzmittel kaum wieder verwertet werden, kann das in mehrerlei Hinsicht wertvoll sein.

Richtiges Design der Produkte für weniger Elektroschrott

Aber nicht nur die Wiederverwertung ist für die Vermeidung von Elektroschrott wichtig. Nach Ansicht von Sascha Roth vom NABU könnte auch eine vorausschauende Produktion zu einer Reduzierung von Elektroschrott führen.

"Man müsste da das Vorsorgeprinzip stärker in den Fokus nehmen, was heißen würde: Wir müssen schon in der Designphase Schadstoffe ausschleusen. Ganz niedrige Grenzwerte vorgeben, um dann zu sehen, wenn verschiedene Altgeräte im Recyclingstrom landen, dass auch kein Grenzwert an Schadstoffen überschritten wird."

Sascha Roth, NABU

Das A und O zur Vermeidung von Elektroschrott ist aber nach wie vor das Sammeln der alten Elektrogeräte. Das neue Gesetz, das zu einer höheren Sammelquote verpflichtet, wird einen Beitrag dazu leisten und für mehr Sammelstellen in Deutschland sorgen.


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