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Tierschutz Ist das Huhn glücklich, freut sich der Mensch

Die vielleicht überraschende Nachricht: Eier aus Freilandhaltung sind nicht besser als Eier aus Käfighaltung. Aber: Hühner mit Auslauf sind glücklicher - und das beruhigt unser Gewissen.

Stand: 15.03.2021

ARCHIV - 20.04.2017, Baden-Württemberg, Ravensburg: Mehrere braune Hühner stehen bei Ravensburg auf einer eingezäunten Wiese. (zu dpa: «Hühner im Südwesten legen mehr Eier») Foto: picture alliance / Felix Kästle/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Felix Kästle

Eier aus Freilandhaltung haben keinen dunkleren Dotter und auch keine dickere Schale als Eier aus Käfighaltung. Das zumindest haben Messungen von Ei-Forschern an der tierärztlichen Hochschule Hannover ergeben. Dazu haben sie Hühner unterschiedlich gehalten, aber gleich ernährt. Die Zahl der Risse in der Schale zum Beispiel hängt vor allem von der Kalzium-Menge ab, die dem Futter beigemischt wird.

Dunkler Dotter - kein Qualitätsmerkmal

Dunkler Dotter - kein Qualitätsmerkmal

Vielmehr ist bei Hühnern aus Käfighaltung die Farbe des Dotters häufig dunkler als bei Freilandhühnern. Was landläufig als Zeichen für artgerechte Haltung genommen wird, hängt nämlich davon ab, wie viel Carotinoide im Futter enthalten sind. Und das ist bei intensiver Käfighaltung oft genauer kontrolliert. Die Farbe der Schale hängt übrigens von der Rasse ab und hat nichts mit der Art der Haltung zu tun.

Freiland-Hühnerhaltung

Die Haltung der Hühner

Käfighaltung bzw. Kleingruppenhaltung

Seit dem 09.10.2009 gilt die Nutztierhaltungsverordnung für Legehennen. Die löst die herkömmlichen Legebatterien mit der "Kleingruppenhaltung in ausgestalteten Käfigen" ab. "Für jede Legehenne muss, unbeschadet des § 13 Abs. 2 Nr. 1, jederzeit eine uneingeschränkt nutzbare Fläche von mindestens 800 Quadratzentimetern zur Verfügung stehen. Beträgt das Durchschnittsgewicht der Legehennen in der Haltungseinrichtung mehr als zwei Kilogramm, muss abweichend von Satz 1 eine nutzbare Fläche von mindestens 900 Quadratzentimetern zur Verfügung stehen." Das sind nicht einmal zwei DIN A 4 Seiten. Vorher war es noch weniger, knapp eine DIN A 4 Seite.

Bodenhaltung

Darunter versteht man die Haltung der Hühner in einem Stall, wo sie sich frei bewegen können. Auf einen Quadratmeter Stallfläche dürfen sich höchstens neun Hühner bewegen.

Freilandhaltung

Die Hühner können sich im Stall und im Freien frei bewegen. Pro Huhn müssen mindestens vier Quadratmeter Auslauf vorhanden sein.

Ökologische Haltung

Bei der ökologischen Haltung dürfen pro Stall maximal 3.000 Hennen gehalten werden. Pro Quadratmeter ist die Anzahl im Stall auf sechs Hennen beschränkt. Ein Auslauf ins Freie ist verpflichtend. Dort müssen pro Henne mindestens 4 Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung stehen. Das Futter sollte ausschließlich ökologisch sein.

Bio-Haltung

Bei der Bio-Haltung stehen einer Henne sieben Quadratmeter zur Verfügung. Das Futter muss aus ökologischem Anbau stammen.

Je mehr Platz die Hühner zum Leben haben, desto mehr Land braucht ein Bauer, um gleich viele Eier zu produzieren. Das merkt der Kunde am höheren Preis. Aber selbst wenn er nicht mit besseren Geschmack der Eier belohnt wird - der Käufer von Freiland-Eiern kann seine Eier mit dem guten Gefühl pellen, dass die Hühner ein artgerechtes Leben führen.

Was bedeuten die Zahlen auf den Eiern?

Die Haltungsform der Hühner lässt sich aus der ersten Zahl des auf jedem Ei aufgedruckten Erzeugercodes ersehen.

  • 0 steht für Bioeier
  • 1 steht für Freilandhaltung
  • 2 steht für Bodenhaltung
  • 3 steht für Käfighaltung

Die weiteren Zahlen bezeichnen die genaue Herkunft. So lässt sich die Herkunft von jedem Ei bis zur Hühnerfarm, auf der es gelegt wurde, lückenlos zurück verfolgen.

Web-Tipp: Lege-Nummern

Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e. V. bietet den Service, zur individuellen Ei-Nummer entsprechende Hintergrundinformationen zu erhalten:

Braunes oder weißes Ei?

Die Mehrzahl der Deutschen bevorzugt braune Eier. Warum braune Eier beliebter sind, hängt zumindest nicht mit der Qualität zusammen. Denn die Qualität der Eier hängt nicht von der Farbe der Schale ab. Auch stimmt die Farbe der Eier nicht zwangsläufig mit der Farbe des Gefieders der Hühner überein. Das ist zwar oft, aber nicht immer der Fall. Tatsächlich hängt die Farbe der Eier von der Rasse ab. Und wer es genau wissen will, der muss sich die Ohrlappen der Hühner anschauen. Weiße Ohrlappen bedeuten, dass das Huhn in der Regel weiße Eier legt, egal ob braunes oder weißes Gefieder, rötliche Ohrlappen lassen auf braune Eier schließen. Doch auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme!


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