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Eichhörnchen und Eichelhäher Sieb-Hirn gegen Gedächtniskünstler

Der Eichelhäher versteckt sein Futter genauso wie das Eichhörnchen. Im Gegensatz zum vergesslichen Nagetier kann sich der Vogel seine Futterverstecke merken. Und zwar gleich mehrere Tausend.

Stand: 11.12.2018

Eichelhäher und Eichhörnchen | Bild: picture-alliance/chromorange/blickwinkel

Der Eichelhäher ist ein Mitglied der Familie Rabenvögel, den Corvidae. Diese sind berühmt-berüchtigt dafür, besonders schlau zu sein. Der Eichelhäher ist da keine Ausnahme und macht seiner Familie alle Ehre. Der intelligente Vogel betreibt das ganze Jahr über Gehirnjogging und ist deshalb in der Lage, sich bis zu 6.000 Verstecke zu merken, die er im Herbst mit Beute befüllt hat. Aber das ist noch nicht alles! Der Eichelhäher kann noch mehr:

"Er sammelt auch in der zweiten Jahreshälfte im Herbst sehr viel Nahrung und versteckt die, kann sich aber bis zu 6.000 Verstecke merken [Hochrechnung aus Beobachtungen]. Und nicht nur das, sondern auch, was drin ist in jedem Versteck und wie lange die Haltbarkeit etwa ist, sprich das Verfallsdatum. Das ist eine ganz erstaunliche Gedächtnisleistung, die auch im Sommer trainiert wird von den Eichelhähern, da verstecken sie Steinchen und suchen die wieder aus Trainingszwecken, also trainieren richtig das ganze Jahr über ihr Gedächtnis."

Manfred Gräfe, Biologe

Eichhörnchen sind sammelwütig

Im Gegensatz zum Eichelhäher können sich Eichhörnchen ihre Verstecke für den Winter nicht merken und werden oft beklaut. Auch vom Eichelhäher, der seine Umgebung ganz genau beobachtet und einsammelt, was er findet. Beim Verstecken seines Futters tut er dagegen ganz heimlich. Dem quirligen Nagetier schadet der Mundraub meist nicht: Es ist sammelwütig und versteckt überall erbeutete Nüsse, Eicheln und Kastanien. Das muss es auch, denn es ist überaus vergesslich. Irgendwo findet das Eichhörnchen dann immer etwas, wenn der Hunger es aus dem Kobel, seinem Bau, treibt. Für die Natur ist die Vergesslichkeit des Eichhörnchens ein Glück:

"Und wenn es im Winter aufwacht und sich etwas zu essen verschaffen möchte, geht es raus - aber nicht gezielt zu irgendeinem Versteck, sondern sucht da, wo es meinte, dass es sich gelohnt haben könnte, was zu verstecken. Häufig findet es auch etwas: Findet etwas, was es selbst versteckt hat, findet etwas, was andere versteckt haben und findet sehr viel nicht wieder. Das keimt dann im nächsten Frühjahr, darum spricht man auch vom Eichhörnchen als natürlichem Aufforster."

Manfred Gräfe, Biologe


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