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Dinosaurierfossilien Verwandter von T. Rex in Australien gefunden

Eigentlich dachten die Forscher aus Australien, sie hätten Fossilien eines Flugsaurier vor sich, doch jetzt wissen sie, es ist ein Verwandter von T. Rex. Bemerkenswert daran: All das zeigt sich an nur einem kleinen Wirbelknochen.

Stand: 18.05.2020

Illustration des australischen Elaphrosaurus, eines Dinosauriers, der mit T. Rex und den modernen Vögeln verwandt ist. | Bild: Ruairidh Duncan / Swinburne University of Technology

Einmal im Jahr graben Archäologinnen und Archäologen im australischen Bundesstaat Victoria nach Fossilien. So auch 2015, als die freiwillige Helferin Jessica Parker einen fremdartigen und zierlichen Knochen fand. Er stammt aus der Kreidezeit und erste Untersuchungen im Museum Melboure ergaben: Die Forscher hatten ein Wirbelknochen eines Flugsauriers vor sich.

Wirbelknochen gibt Rätsel auf

In diesem Stein versteckte sich der Dinoknochen, der zu einem Elaphrosaurus gehört hat und von der Helferin Jessica Parker gefunden wurde.

Nur fünf Zentimeter lang war das Knochenfossil und landete nach der ersten Begutachtung zunächst in einem Regal. Bis sich jetzt die Doktorandin Adele Pentland und der Paläontologe Stephen Poropat den Knochen nochmal genau angeschaut haben. Adele Pentland ist spezialisiert auf Flugsaurier (Pterosaurier):

"Die Wirbelknochen von Flugsauriern sind unverwechselbar: An der kopfzugewandten Seite haben sie eine Gelenkpfanne und an der anderen sind sie kugelförmig."

Adele Pentland, Technische Universität Swinburne, Australien

Doch dieser Wirbelknochen hatte an beiden Seiten Gelenkpfannen. Es konnte also gar kein Flugsaurier sein, so die Spezialistin.

Saurier ähnelt dem Vogel Strauß - und dem T-Rex

Ein einziger Wirbel beweist: Das hier ist kein Flugsaurier, sondern ein Elaphrosauride.

Zum Glück hat das Museum in Melbourne eine exzellente Bibliothek, und nach ausdauernder Suche hatten Adele Pentland und Stephen Poropat eine Vermutung: Der Wirbelknochen stammt von einem Dinosaurier, der entfernt mit dem Tyrannosaurus-Rex, dem Velociraptor, unseren modernen Vögeln und dem Archaeopteryx verwandt ist, er ist eine Elaphrosaurus-Art. Es ist der erste derartige Fund in Australien, die Erkenntnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Gondwana Research veröffentlicht.

"Der Wirbelknochen gehörte zu einem Theropoden, einem auf den Hinterläufen gehenden Dinosaurier, die normalerweise auch Fleischfresser sind. Aber: Dieser fleischfressende Dino war vielleicht ein Vegetarier!"

Adele Pentland, Technische Universität Swinburne , Australien

Funde von Elaphrosauriden sind selten, auf der ganzen Welt gibt es nur drei bekannte Arten: Ein Elaphosaurus aus dem Jura, gefunden in Tansania, der Limusaurus, gefunden in China und erst dieses Jahr entdeckt: der Huinculsaurus aus der Kreidezeit, Fundort: Argentinien.

"Das einzige Skelett eines Elaphrosaurus kann man sich in Berlin im Museum für Naturkunde anschauen. Von Huinculsaurus sind nur ein paar Wirbelknochen bekannt und vom Limusaurus hat man ein paar fast komplette Skelette gefunden."

Stephen Proprat, Museum Melbourne, Australien

Als Jungtier Fleischfresser?

Doch warum gehen die Forscher davon aus, dass der Dino kein Fleisch gegessen hat, obwohl er ein Verwandter von T-Rex ist?

"So im Vergleich ist ein Elaphrosaurus ein etwas bizarrer Dinosaurier. Er hatte einen langen Hals, kurze Ärmchen mit kleinen Vordergliedmaßen und einen sehr leicht gebauten Körper. Wir wissen von früheren Funden, dass die jüngeren Tiere Zähne hatten, aber dass die erwachsenen Tiere ihre Zähne verloren und mit einem Hornschnabel ersetzt haben. Wir wissen nicht, ob das auch auf den Elaphrosauriden aus Victoria zutrifft, dazu müssten wir erstmal einen Schädel finden."

Stephen Proprat, Museum Melbourne, Australien

Auch heute fressen viele Vögel Mischkost oder sogar nur Pflanzen, ein Schnabel ist dafür also geeignet.

Seltene Fossilienfunde von der Südhalbkugel

Ein besonderer Fund, der 5 Zentimeter lange Wirbelknochen, der 115 Millionen Jahre alt ist.

Der Wirbelknochen ist für die Südhalbkugel ein besonderer Fund, das sagt auch Oliver Rauhut von der Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München. Nicht nur, weil das Fossil verhältnismäßig jung ist, rund 40 Millionen Jahre jünger als andere Funde. Im Gegensatz zur Nordhalbkugel sind im Süden Fossilienfunde bislang nicht so häufig gelungen. Oliver Rauhut war an der Studie nicht beteiligt, hat aber im Jahr 2016 den Elaphrosaurus in Tansania mit neu beschrieben.

"Der neue Fund ist ein Hinweis darauf, dass diese Gruppe auf der Südhalbkugel weit verbreitet war."

Prof. Oliver Rauhut, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München

Auf der Nordhalbkugel kamen die Elaphrosauriden vielleicht eher selten vor, es gibt nur den Fund aus China. Das vergleichbare Tier in unseren Breiten war der Ornithomimosaurier, ein straußenähnliches Tier, das auf seinen Hinterbeinen lief, genau wie der Elaphrosaurier, so Oliver Rauhut.

Großer Lebensraum des australischen Dinosauriers

Die Fundstelle in Victoria im Süden Australiens lag vor rund 115 Millionen Jahren im antarktischen Gebiet. Zwar war es damals nicht so kühl auf der Erde wie heute, doch im Winter der Südhalbkugel herrschte trotzdem fast dauerhafte Nacht und die Temperaturen sind wohl bis zum Gefrierpunkt gesunken.

"Die Tiere hatten also ökologisch eine große Spannbreite, wo sie leben konnten. Aber wir wissen nicht, ob sie im Winter auch dort gelebt haben. Vielleicht sind sie als Pflanzenfresser auch gewandert."

Prof. Oliver Rauhut, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München

Stephen Proprat könnte sich vorstellen, dass die Tiere damals auch blütentragende Pflanzen gegessen haben könnten, die sich zu dieser Zeit langsam entwickelten, oder auch Farne, Ginko oder Pflanzen, die zu den Koniferen gezählt werden.

Bisher nur Dinosaurier-Bruchstücke gefunden

Oliver Rauhut geht davon aus, dass nun einige Fundstücke aus Australien, die man bisher anderen Sauriergruppen zugeordnet hat, zu den Elaphrosauriden sortiert werden. Am Besten wäre es aber, wenn die Forscherinnen und Forscher aus Melbourne im Sand von Victoria einmal einen ganzen Schädel oder sogar ein Skelett finden könnten.

"Es besteht eine wirkliche Chance, dass wir noch mehr Fossilien in Steinen aus der Kreidezeit finden, denn es wurden erdgeschichtlich sehr junge Elaphrosauren hier in Australien, aber auch in Argentinien gefunden. Wir müssen nur weitersuchen."

Stephen Proprat, Museum Melbourne, Australien


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