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Kampf dem Zucker Die Volkskrankheit Diabetes erkennen und behandeln

Jeden Tag erkranken in Deutschland etwa 1.500 Menschen neu an Diabetes. Um schlimmen Folgeerkrankungen vorzubeugen, ist es wichtig, Diabetes möglichst früh zu erkennen und durch gesunde Ernährung und Bewegung entgegenzuwirken.

Stand: 13.11.2020

Eine Frau spritzt sich Insulin in die Bauchfalte.  | Bild: colourbox.com

Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung in verschiedenen Ausprägungen. In Deutschland sind etwa acht Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, täglich gibt es etwa 1.500 neue Diabetesfälle. Je nach Diabetes-Typ wird vom Körper entweder zu wenig oder gar kein Insulin mehr produziert oder die Körperzellen verlieren ihre Empfindlichkeit gegenüber Insulin.

Weltdiabetestag: 14. November

Der Weltdiabetestag wird jedes Jahr am 14. November begangen. Dieser Tag ist der Geburtstag von Frederick Banting, der 1921 das Hormon Insulin entdeckte und dafür 1923 den Nobelpreis für Medizin bekam. Seit 2007 ist der Weltdiabetestag ein offizieller Tag der Vereinten Nationen. Damit ist Diabetes neben AIDS die zweite Krankheit, auf die ein UN-Tag aufmerksam macht.

Insulin ist zur Regulierung des Stoffwechsels dringend notwendig. Kohlenhydratreiche Nahrung lässt den Blutzuckerspiegel steigen. Insulin regt die Körperzellen an, Glucose, die häufigste Art von Kohlenhydraten, aufzunehmen. Die braucht der Körper unter anderem, um Energie zu gewinnen. Durch die Aufnahme der Glucose in die Körperzellen sinkt der Blutzuckerspiegel. Bei Diabetes-Patienten ist dieser Vorgang nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich.

Für Diabetes gibt es inzwischen gute Behandlungsmethoden, eine Heilung gibt es bisher nicht. Problematisch ist, dass die Krankheit oft lange unerkannt bleibt, da vor allem der am häufigsten vorkommende Typ 2 am Anfang kaum Beschwerden verursacht. Wenn Diabetes lange nicht erkannt wird, steigt das Risiko von Begleit- und Folgeerkrankungen. Die Prävention ist bei dieser Volkskrankheit enorm wichtig.

Die häufigsten Diabetes-Typen

Diabetes Typ 1

Bei Diabetes das große Problem: Ohne Insulin kann der Blutzucker nicht gesenkt werden.

Diese Form der Diabetes bricht meistens in der Pubertät aus, kann jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Die Ursache ist eine Autoimmunerkrankung. Eigentlich produzieren sogenannte Betazellen in der Bauchspeicheldrüse das lebensnotwendige Hormon Insulin. Bei Diabetes-Typ-1-Erkrankten greift das Immunsystem diese Betazellen an und zerstört sie nach und nach. Der Insulinmangel wird immer größer, bis schließlich kein Insulin mehr produziert wird.

Ohne Insulin kommt es zu einer Unterversorgung der Körperzellen, da diese nicht mehr dazu angeregt werden, den Zucker aus der Nahrung aufzunehmen. Der Blutzuckerspiegel steigt immer weiter an. Um den Überschuss an Glucose loszuwerden, müssen Betroffene sehr häufig Wasserlassen und haben gleichzeitig starken Durst.

Die Entstehung der Autoimmunerkrankung bei Diabetes Typ 1 ist bis heute nicht restlos geklärt. Die Gene spielen auf jeden Fall eine Rolle, denn die genetische Veranlagung für die Entwicklung dieses Typs von Diabetes kann vererbt werden. Als Auslöser für die Erkrankung werden unter anderem Umwelteinflüsse wie Virusinfektionen und bestimmte Lebensmittel diskutiert.

Diabetes Typ 2

Unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder häufige Infekte können Anzeichen für Diabetes-Typ-2 sein.

Wenn Diabetes diagnostiziert wird, handelt es sich in etwa 95 Prozent der Fälle um Diabetes Typ 2. Diese Form von Diabetes tritt meistens erst im Erwachsenenalter auf und kann im Gegensatz zu Typ 1 häufig durch Änderungen des Lebensstils beeinflusst werden. Hier produziert die Bauchspeicheldrüse zwar Insulin, aber die Körperzellen sprechen immer weniger auf die Wirkung des Insulins an. Die Bauchspeicheldrüse produziert immer mehr Insulin, um das auszugleichen. Das gelingt oft über lange Zeit, weshalb Diabetes Typ 2 oft erst spät erkannt wird. Irgendwann reicht die produzierte Insulinmenge nicht mehr aus, der Blutzuckerspiegel steigt immer stärker.

Da die Krankheit schleichend beginnt, sind die Symptome am Anfang oft sehr unspezifisch: zum Beispiel Müdigkeit, häufige Infekte, schlecht heilende Wunden. Erst wenn die Blutzuckerwerte sehr hoch steigen, treten die "typischen Diabetes-Symptome" auf wie häufiges Wasserlassen, starker Durst, Gewichtsverlust.

Bei der Entstehung von Diabetes Typ 2 spielen Übergewicht, Bewegungsmangel, falsche Ernährung, aber auch erbliche Veranlagung eine entscheidende Rolle. Ohne Behandlung drohen zahlreiche Begleit- und Folgeerkrankungen, vor allem Schäden an Blutgefäßen und Nerven.

Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes ist eine Stoffwechselstörung, die in der Schwangerschaft, in der Regel in der zweiten Hälfte, diagnostiziert wird. Bei knapp sechs Prozent der Schwangeren kommt diese Form von Diabetes vor. Die Veränderungen im Hormonhaushalt während der Schwangerschaft haben Einfluss auf den Stoffwechsel. Das führt mitunter zu einer zu geringen Insulinproduktion.

Wenn Schwangerschaftsdiabetes unerkannt bleibt, kann das zu Risiken bei Mutter und Kind führen. Mit einem Blutzuckersuchtest kann die Erkrankung frühzeitig festgestellt und dann behandelt werden. Schwangerschaftsdiabetes tritt häufiger bei Frauen mit starkem Übergewicht oder familiärer Vorbelastung mit Diabetes-Typ-2 auf. Das Risiko steigt außerdem mit zunehmendem Alter der Frauen. Oft verschwindet die Erkrankung nach der Schwangerschaft wieder. Bei etwa der Hälfte der Frauen kommt es in den folgenden Jahren zu Diabetes Typ 2.

Gefahren von Diabetes

Ohne Insulin kann der Mensch nicht leben. Diabetiker müssen Insulin entweder per Spritze, Pen oder Pumpe von außen zuführen oder über ihre Ernährung und mehr Bewegung versuchen, ihren Blutzuckerspiegel zu regulieren. Laut aktueller Studien schaffen es nur 60 bis 70 Prozent der Patienten, ihren Blutzucker optimal einzustellen. Es kann in schlimmen Fällen zu einer akuten Unter- oder Überzuckerung kommen.

Ursachen für einen Diabetischen Fuß können Durchblutungsstörungen und Infektionen sein.

Daneben bringt Diabetes eine Vielzahl von Begleit- und Folgeerkrankungen mit sich. Der dauerhaft zu hohe Blutzuckerspiegel, der sich vor allem bei Diabetes Typ 2 oft schleichend und lange unbemerkt einstellt, kann zu Schädigungen der kleinen und großen Blutgefäße und der Nerven führen. Das wiederum wirkt sich auf die Organe aus. Nicht zu vernachlässigen sind auch psychische Probleme wie Depressionen oder Ess-Störungen, die sich einstellen können. Durch das hohe Risiko an Begleit- und Folgeerkrankungen ist die Lebenserwartung von Menschen mit Diabetes statistisch gesehen um mindestens sechs Jahre kürzer als die von Menschen ohne Diabetes.

Begleit- und Folgeerkrankungen

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Nervenschädigungen (Neuropathien)
  • Augenschäden
  • Nierenerkrankungen
  • Diabetisches Fußsyndrom
  • Psychische Erkrankungen

Behandlung von Diabetes

Diabetes-Patienten müssen regelmäßig ihren Blutzucker messen.

Diabetes Typ 1 vorzubeugen ist im Gegensatz zu Typ 2 schwierig bis unmöglich. Um die Krankheit möglichst früh zu erkennen, gibt es einen Risikotest für Diabetes Typ 1. Eine Therapie, die die Autoimmunreaktion und damit die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen verhindert, wäre das Ziel der Forschung. Solange ist Typ 1 nicht heilbar. Die Patienten müssen ihrem Körper lebenslang künstlich Insulin zuführen, zum Beispiel per Spritze, Pen oder Insulinpumpe. Dafür müssen sie auch lernen, den Kohlenhydratgehalt von Lebensmitteln einzuschätzen und jeden Tag mehrmals ihren Blutzucker messen, um die Höhe ihres Blutzuckerwerts im Blick zu haben.

Fakten zu Diabetes Typ 1

  • Diabetes Typ 1 ist wesentlich seltener als Typ 2 (ca. 5 Prozent vs. 95 Prozent)
  • In Deutschland leben aktuell ca. 341.000 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes. Rund 32.000 davon sind Kinder und Jugendliche.
  • Die Rate der Typ-1-Diabetes-Neuerkrankungen steigt derzeit jährlich um 3,5 Prozent an.

Diabetes Typ 2 kann man aktiv vorbeugen, bzw. die Krankheit noch eindämmen, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Es gibt beispielsweise im Internet Tests, die über das Risiko, innerhalb der nächsten fünf Jahre an Diabetes Typ 2 zu erkranken, Auskunft geben. Bei einem erhöhten Risiko oder schon festgestellter Diabetes Typ 2 geht es darum, den Blutzuckerspiegel zu senken. Die wichtigsten Maßnahmen sind in der Regel eine Ernährungsumstellung und regelmäßige körperliche Aktivität. Stark übergewichtige Menschen sollten ihr Gewicht reduzieren. Wenn die Krankheit noch ganz am Anfang ist, können diese Maßnahmen ausreichen und eine Medikamenteneinnahme unnötig machen.

Wenn diese grundlegenden Veränderungen nicht ausreichen, müssen Typ-2-Diabetiker nicht gleich zur Insulinspritze greifen. Normalerweise werden zunächst sogenannte Antidiabetika, blutzuckersenkende Tabletten, eingesetzt. Damit soll der Zuckerwert in einen bestimmten Bereich gebracht werden. Wenn auch diese Therapie nicht mehr zum Erfolg führt, müssen Diabetes-Typ-2-Patienten Insulin künstlich zuführen.

Fakten zu Diabetes Typ 2

  • In Deutschland kann aktuell (November 2020) von mindestens 8 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes ausgegangen werden.
  • Die Dunkelziffer der Menschen mit Diabetes Typ 2 liegt bei geschätzt 1,6 bis 2 Millionen in Deutschland.
  • Das mittlere Alter bei der Typ-2-Diabetes-Diagnose beträgt in Deutschland derzeit 61 Jahre bei Männern und 63 Jahre bei Frauen.

Bei Diabetes sollte man auf die Ernährung achten: statt Zucker eher Gemüse, Fisch, Nüsse, Hülsenfrüchte.

Ganz allgemein ist eine gesunde Lebensweise für Diabetes-Patienten bzw. schon zur Vorbeugung von Diabetes sehr wichtig. Da der Zusammenhang zwischen Adipositas und Diabetes-Typ-2 unbestritten ist, ist eine der wichtigsten Empfehlungen, Übergewicht zu vermeiden. Laut Deutschem Gesundheitsbericht - Diabetes 2021 sind 25 Prozent der Deutschen bereits adipös, weitere 35 Prozent übergewichtig. Hier gilt es, auf ausreichende Bewegung und eine ausgewogene Ernährung zu achten. Dabei gibt es kein spezielles Ernährungsmuster, das für alle Diabetes-Patienten gleichermaßen anwendbar ist.

Die "Nationale Diabetesstrategie"

Ein Geldbeutel mit einem Diabetikerausweis und eine Einweg-Spritze. | Bild: BR/Johanna Schlüter zum Artikel Wünsche und Wirklichkeit Die nationale Diabetesstrategie

Am 3. Juli 2020 verabschiedete der Bundestag eine "Nationale Diabetesstrategie" mit verschiedenen Kernforderungen an die Bundesregierung. Welche Forderungen sind das und reichen sie aus? [mehr]

Aufgrund der hohen und weiter ansteigenden Diabeteszahlen in Deutschland hat der Bundestag am 3. Juli 2020 eine "Nationale Diabetesstrategie" verabschiedet. Die Forderungen sind unter anderem: die Aufklärung über Diabetes und die Ursachen zu verbessern, Prävention und Versorgungsforschung zu Adipositas und Diabetes ausbauen, Menschen mit Adipositas über den Leistungskatalog der Krankenkassen versorgen und behandeln, die Lebensmittelbranche in puncto Prävention in die Pflicht nehmen. Der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sind selbst diese Forderungen zu unverbindlich und zu wenig konkret.


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