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Evolution Sehen bunte Vögel Farben besser?

Vögel sehen Farben besser als Menschen, davon gingen Wissenschaftler bisher aus. Doch nicht alle Vögel sind gleich gut darin, Farben zu unterscheiden oder zu erkennen. Unscheinbare Vögel haben einen anderen Blick auf die Welt.

Von: Constanze Alvarez

Stand: 29.10.2020

Vier Zebrafinken sitzen auf einer Stange. Mit ihren roten Schnäbeln locken sie die Weibchen an. | Bild: picture-alliance/dpa

Es gibt Vögel, die wissen genau, wie sie sich am besten in Szene setzen: Für die Balz suchen sie sich bewusst sonnige Stellen, um den Weibchen ihre bunte Federpracht vorzuführen. Ein Bengalischer Fink würde sich davon kaum beeindruckt zeigen, denn seine Fähigkeiten, Farben zu erkennen und zu unterscheiden, sind gering.

Das haben Forscher der Duke University, North Carolina, herausgefunden. Laut ihrer Studie ist nicht jedes Vogelhirn dazu programmiert, Farben zu erkennen. Vögel mit einem unscheinbaren Gefieder, wie beispielsweise der Bengalische Fink, scheinen eher auf hell und dunkel zu reagieren.

Beim Farbwahrnehmungstest schneiden bunte Finken besser ab

Um herauszufinden, ob Vögel Farben abgrenzen und unterscheiden können oder nicht, haben die Forscher Bengalische Finken und Zebrafinken einem Farbwahrnehmungstest unterzogen. Dazu wählten sie acht Farbstufen aus, von Orange bis Rot, und stellten kleine Scheibchen her, die entweder nur Rot, nur Orange oder eine Kombination beider Farben zeigten. Gegen eine Futterbelohnung wurden die Tiere dazu trainiert, nur die zweifarbigen Scheibchen mit dem Schnabel zu bewegen.

Je leuchtender der Schnabel, desto attraktiver für die Weibchen

In einem weiteren Experiment zeigte sich, dass die bunten Zebrafinken besser in der Lage waren, Orange und Rot zu unterscheiden. Zebrafinken haben leuchtend rote oder orangefarbene Schnäbel. Je leuchtender und kräftiger die Farbe des Schnabels, desto attraktiver ist das Männchen für die Weibchen. Französischen Forschern zufolge kommt die rötliche Farbe durch Carotinoid-Pigmente zustande, die die Vögel mit der Nahrung aufnehmen. Ein intensiv roter Schnabel kann also ein Zeichen dafür sein, dass der Vogel erfolgreich bei der Nahrungssuche ist.

Bengalische Finkenweibchen wählen Männchen nach dem Gesang aus

Die Bengalischen Finkenmännchen sind eher mit pfefferbraunen und sandfarbenen Federn ausgestattet, der Schnabel fügt sich nahtlos in die Farbpalette ein. Die Weibchen haben es also nicht nötig, Farben zu erkennen. Vielmehr verlassen sie sich auf ihr Hörvermögen und suchen sich den Partner aus, der ihrer Wahrnehmung nach am besten singen kann.

Welche Vögel welche Farben erkennen, hängt womöglich nicht nur von den Rezeptoren im Auge ab, sondern auch von der Fähigkeit des Hirns, die Farben zu kategorisieren und zu unterscheiden, so Steve Nowicki, Professor für Biologie an der Duke University:

"Welche Signale und Farben die Finken für notwendig erachten zu erkennen, hat einerseits evolutionäre Gründe, hängt aber auch von ihrem unmittelbaren Lebensraum ab."

Steve Nowicki, Professor für Biologie an der Duke University

Unscheinbare Vögel haben einen anderen Blick auf die Welt

Der Vergleich zwischen zwei Vogelarten reiche zwar nicht aus, um eine evolutionsgeschichtliche Theorie aufzustellen. Auch sei nicht erforscht, inwiefern die Domestizierung von Bengalischen Finken deren Fähigkeit, Signale zu interpretieren, beeinträchtigt habe. Das Ergebnis der Studie sei jedoch ausreichend, um zu beweisen, dass nicht alle Vögel den gleichen Blick auf die Welt haben, so Steve Nowicki:

"Zuerst haben wir bewiesen, dass Vögel in der Lage sind, Regenbögen zu sehen. Jetzt sagen wir: Nicht alle Vögel können es wirklich."

Steve Nowicki, Professor für Biologie an der Duke University


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