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Blutgruppen Was Sie darüber wissen sollten

Habe ich die Blutgruppe A, B, AB oder 0 mit positivem oder negativem Rhesusfaktor - und was sagen alle diese Bezeichnungen aus? Hier ein Überblick zu den wichtigsten Fragen rund um Blutgruppen und Rhesusfaktoren.

Stand: 12.06.2020

Blutspender äwhrend einer Blutspende in einer Blutspende-Station. | Bild: picture-alliance/dpa

Was genau ist eine Blutgruppe?

Eine Blutgruppe ist die Einteilung des Blutes aufgrund individuell verschiedener Merkmale. Beim menschlichen Blut unterscheidet sich vor allem die Zusammensetzung der Eiweiße auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Es gibt mehrere verschiedene Blutgruppenmerkmale. Das ABO-System ist das wichtigste Blutgruppenmerkmal für eine Bluttransfusion. Es umfasst die vier verschiedenen Hauptgruppen: A, B, AB und 0.

Wofür ist die Blutgruppe wichtig?

Die Bestimmung der Blutgruppe ist insbesondere bei aufgrund von Operationen oder Verkehrsunfällen notwendigen Bluttransfusionen wichtig. Denn stimmen die wesentlichen Merkmale im Blut bei Spender und Empfänger nicht überein beziehungsweise vertragen sie sich nicht, kann es beim Empfänger zu lebensgefährlichen Verklumpungen nach der Bluttransfusion kommen. Eines der wichtigsten Merkmale, die zwischen Spender und Empfänger kompatibel sein müssen, ist die Blutgruppe. Wofür Blutspenden im Einzelnen verwendet werden, finden Sie hier.

Welche Blutgruppen vertragen sich, welche nicht?

Weltblutspendetag

Der Weltblutspendetag wurde im Jahr 2004 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften ins Leben gerufen. Seitdem macht der Tag jedes Jahr am 14. Juni auf die Bedeutung der Blutspende und das damit verbundene soziale Engagement von Blutspenderinnen und Blutspendern aufmerksam. Der 14. Juni wurde speziell ausgewählt, da an diesem Tag im Jahr 1868 Karl Landsteiner geboren wurde. Er war der Entdecker der verschiedenen Blutgruppen und stellte 1901 fest, dass die Blutübertragung von unterschiedlichen Blutgruppen zu einer Verklumpung des Blutes führen kann. Für diese wissenschaftliche Leistung erhielt er im Jahr 1930 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

Auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen befinden sich zwei verschiedene Antigene, nach denen die Blutgruppen aufgeteilt sind: Antigen A und Antigen B. Je nachdem welches Antigen sich auf den roten Blutkörperchen befindet, bilden sich Antikörper: Blutgruppe A bildet Antikörper gegen B (Anti-B), Blutgruppe B gegen A (Anti-A).

Blutgruppe AB bildet keine Antikörper, da sich die eigenen Blutkörperchen sonst gegenseitig zerstören würden. Da die Blutgruppe 0 keine Antigene hat, bildet sie die Antikörper Anti-A und Anti-B. Blut mit der Blutgruppe 0 ist daher auch für andere Blutgruppen verträglich und kann daher umfassend als Spenderblut eingesetzt werden. Eine Übersicht zur Verträglichkeit der einzelnen Blutgruppen hat der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes zusammengestellt.

Wie finde ich meine Blutgruppe heraus?

Die eigene Blutgruppe kann zum Beispiel bei einer Blutspende herausgefunden werden. Die Bestimmung erfolge dort innerhalb von zwei Minuten, verrät Patric Nohe, Pressesprecher des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes. Die Blutgruppe kann aber auch bei jeder Blutuntersuchung ermittelt werden oder sogar per sogenanntem Schnelltest aus der Apotheke.

Warum muss man seine Blutgruppe nicht kennen?

Die Blutgruppe wird bei jeder Blutspende neu ermittelt, um Verwechslungen oder Übermittlungsfehler zu vermeiden. Die Kenntnis der eigenen Blutgruppe ist daher nicht notwendig. Auch der Eintrag im Spenderausweis ist für die Bestimmung der Blutgruppe nicht maßgebend. Der Ausweis ist nur für die Erfassung der Daten wichtig und um festzustellen, wie oft jemand bereits beim Blutspenden war.

Was bedeutet der Rhesusfaktor?

Der Name stammt tatsächlich von den Rhesusaffen: Das erste Testserum wurde nach der Entdeckung der Rhesusfaktoren von Karl Landsteiner im Jahr 1940 aus dem Blut von Kaninchen, die mit roten Blutkörperchen von Rhesusaffen behandelt worden waren, gewonnen. Der Rhesusfaktor gibt an, ob ein Mensch bestimmte Proteine auf der Zellmembran der roten Blutkörperchen besitzt oder nicht. Rhesus-positive Menschen - oder auch Wirbeltiere - besitzen dieses Protein, Menschen mit einem negativen Rhesusfaktor nicht.

Relevant unter den zahlreichen Rhesusfaktoren ist vor allem das als Rhesusfaktor-D bezeichnete Protein. Dieser Rhesusfaktor kann bei wiederholter Bluttransfusion eines Rhesus-negativen Menschen mit Rhesus-positivem Blut oder ab der zweiten Schwangerschaft einer Rhesus-negativen Frau mit einem Rhesus-positivem Kind zu einer lebensbedrohlichen Antigen-Antikörper-Reaktion führen.

Inwiefern spielt der Rhesusfaktor in der Schwangerschaft eine Rolle?

Ist die Mutter mit einem negativen Rhesusfaktor von einem Mann mit positivem Rhesusfaktor schwanger und hat das ungeborene Kind den positiven Rhesusfaktor vom Vater geerbt, kann dies zumindest bei der zweiten Schwangerschaft zu Komplikationen führen: Die Mutter bildet spätestens bei der zweiten Schwangerschaft Antikörper gegen die Blutzellen des Kindes. Da dies zu einem Sauerstoffmangel beim Ungeborenen führen kann, wird mittlerweile bei jeder Schwangerschaft einer Frau mit negativem Rhesusfaktor eine sogenannte D-Prophylaxe durchgeführt: Ein Rhesusserum wird den Schwangeren gegen Ende der Schwangerschaft gespritzt, was die Antikörperbildung verhindert.

Wie wird die Blutgruppe vererbt?

Jeder Mensch erbt zwei Antigen-​Merkmale, wobei immer nur eines an die nächste Generation weitervererbt wird. Beim Neugeborenen setzt sich die Blutgruppe somit aus dem vererbten Merkmal der Mutter und dem vererbten Merkmal des Vaters zusammen. Die Merkmale A und B werden dabei untereinander gleichwertig vererbt, gegenüber dem Antigen 0 werden A und B jedoch dominant vererbt. Hier eine Übersicht zu den Veerbungmöglichkeiten.

Wie ist die Blutgruppenverteilung in Deutschland?

Laut des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) haben in Deutschland:

  • 37 Prozent der Bevölkerung die Blutgruppe A+
  • 35 Prozent 0+
  • 9 Prozent B+
  • 4 Prozent AB+

Nur 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben einen negativen Rhesusfaktor:

  • je 6 Prozent davon haben 0- und A-
  • 2 Prozent B-
  • 1 Prozent AB-

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