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Biofluoreszenz Leuchtende Schnabeltiere

Sie sind kuriose Tiere, die Schnabeltiere. Sie säugen ihre Jungen, legen aber Eier. Sie leben nur in Australien und Tasmanien, die Männchen haben einen giftigen Stachel. Und: Sie leuchten unter UV-Licht grün und cyanblau.

Stand: 03.11.2020

Unter UV-Licht leuchtendes Schnabeltier in grün und cyan. | Bild: Mammalia 2020/10.1515/mammalia-2020-0027/Paula Spaeth Anich

Schon lange ist bekannt, dass einige Tierarten unter UV-Licht leuchten. Hauptsächlich sind das Reptilien, wie das Chamäleon, oder Fische. Auch Vogelfedern leuchten rosa, grün, gelb oder blau. Doch dass Säugetiere leuchten, ist sehr selten.

Bisher weiß man das nur vom Gleithörnchen und einer Opossum-Art. In der Regel testen Forscherinnen und Forscher das zunächst an ausgestopften Exemplaren in Museen aus. Genau das haben Paula Spaeth Anich vom Northland College in Wisconsin in den USA und ihre Teamkollegen gemacht: sie haben Schnabeltiere angestrahlt.

Aus Braun mach leuchtend grün und blau

Zwei der Tiere stammen ursprünglich aus Tasmanien und New South Wales in Australien und werden in Chicago ausgestellt. Das Dritte kann man im Museum der Universität Nebraska anschauen. Die Überraschung war groß: Das Fell der Schnabeltiere, normalerweise braun, leuchtete unter UV-Licht in Grün, Blau, später Cyanblau, sowohl bei den Männchen als auch bei den Weibchen. Damit konnten sie erstmals zeigen, dass auch Kloakentiere fluoreszierende Eigenschaften haben können. Schnabeltiere sind Säugetiere, die Eier legen – daher ihr Name „Kloakentiere“.

Was passiert bei Biofluoreszenz?

Biofluoreszenz entsteht, wenn kurzwelliges UV-Licht vom Fell des Tieres aufgenommen wird. Dort regt das Licht bestimmte Moleküle im Gewebe der Tiere an, die dann zu leuchten beginnen. Sie strahlen längerwelliges, farbiges Licht ab.

Warum die Schabeltiere diese Eigenschaft haben, darüber können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bisher nur spekulieren. Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Tiere dämmerungs- und nachtaktiv sind. Schnabeltiere können hervorragend schwimmen und jagen im trüben Wasser, wo sie auch fast ihr ganzes Leben verbringen. Dort schließen sie ihre Augen und Ohren und verlassen sich auf ihren Tastsinn. Darüber hinaus spüren sie auch schwache elektrische Felder im Wasser.

Leuchten hilft beim Verstecken

Es geht bei ihrer Biofluoreszenz darum wohl weniger darum, dass sie selbst die leuchtenden Artgenossen sehen, sondern im Gegenteil: dass ihre Räuber sie selbst schlechter sehen können.

Nachtaktive Räuber sehen nämlich oft im UV-Spektrum besonders gut – durch die Fluoreszenz wird das Licht aber aufgenommen und nur schwach reflektiert. Es wird umgewandelt in fluoreszierendes Leuchten. Das UV-Licht erscheint dabei dunkler, das Schnabeltier ist schlechter zu sehen.


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