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Gründe fürs Bienensterben Sonnenstürme könnten mitverantwortlich sein

Der Würzburger Bienenforscher Jürgen Tautz sucht seit Jahren nach den Gründen für das Bienensterben. Schädlinge, Pflanzenschutzmittel und Krankheiten sind als Ursachen ausgemacht. Nun bringt Tautz auch Sonnenstürme ins Spiel.

Stand: 11.08.2015

Honigbiene beim Einsammeln des Nektars | Bild: picture-alliance/dpa

Jürgen Tautz von der Universität Würzburg und sein US-amerikanischer Kollege, der Biologe Tom Ferrari aus Bakersfield, untersuchen seit Jahren die Zusammenhänge zwischen starken Sonnenwinden und dem Bienensterben. Dazu haben sie die genauen Ein- und Ausflugdaten Würzburger Bienen analysiert. Ihre Ergebnisse haben sie im "Journal of Astrobiology & Autreach" veröffentlicht.

Ein- und Ausflugzeiten der Bienen dokumentiert

Verhaltensforscher Tautz beobachtet seit mehreren Jahren mithilfe von Kameras und Sensoren das Verhalten mehrerer Bienenvölker und stellt alle Daten auf seine Plattform Hobos (Honey Bee Onlien Studies). Ferrari setzte diese Daten von jeweils sechs Monaten aus den Jahren 2012, 2013 und 2014 in Beziehung zu Satellitendaten über Sonnenstürme.

Verlust von Sammelbienen höher

Nach Ferraris Berechnungen gehen an Tagen mit hoher Sonnenwindaktivität und danach wesentlich mehr Sammelbienen verloren als normalerweise. Der Sonnenwind ist ein beständiger Partikelstrom, der von der Sonne ausgeht. In besonders aktiven Phasen der Sonne gibt es Sonnenstürme, die das Erdmagnetfeld beeinflussen können.

"Die Bienen reagieren in ihrem Verhalten auf die Sonnenstürme. Das ist bewiesen."

Bienenforscher Jürgen Tautz, Professor am Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bienenforscher Jürgen Tautz mit Forschungs-Bienenstock in Schwartau (Schleswig-Holstein)

Auch Auswertungen eines zweiten Bienenstocks im schleswig-holsteinischen Schwartau hätten die Würzburger Resultate bestätigt, so Tautz: "Die Daten zeigen in die genau gleiche Richtung. Das Fundament wird immer fester."

Wie der Professor erklärt, nehmen erwachsene Honigbienen magnetische Felder wahr und orientieren sich an ihnen. Veränderungen der Magnetfelder stören seiner Meinung nach die Fähigkeit der Insekten, den Weg zum Bienenstock zurückzufinden.

Sonnenstürme ein Faktor mehr

Aber das Bienensterben lösten sie natürlich nicht aus, stellt Tautz klar. Seiner Meinung nach sei der Sonnenwind für gesunde Tiere ohne weitere Belastung kein Problem. Würden die Bienen aber durch Stressfaktoren wie ein knappes Nahrungsangebot, Klimawandel, Schädlinge und chemische Pflanzenschutzmittel an die Belastungsgrenze gebracht, dann schaden ihnen die Sonnenstürme um so mehr.

"Dann kann ich mir gut vorstellen, dass die Sonnenwinde den Bienen den Rest geben könnten."

Bienenforscher Jürgen Tautz, Professor am Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Andere Experten zweifeln

Andere Bienenexperten sehen die Ergebnisse der Studie eher skeptisch. So findet der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung,  Werner von der Ohe aus Celle, dass ein Zusammenhang zwischen Bienensterben und Sonnenstürme zu kurz gegriffen wäre. Es gebe wissenschaftlich gesicherte Daten über die Ursachen von Verlusten an Bienenvölkern etwa bei Schädlingen oder dem Einsatz von Chemikalien. Auch Tautz weiß, dass seine bisher erhobenen Daten bezüglich der Beziehung Sonnenstürme und verändertes Bienenverhalten nur ein Anfang sind. Seiner Meinung nach müsse nun eine weitere, intensivere Forschung folgen.


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Liebig, Gerhard, Freitag, 14.August 2015, 08:14 Uhr

1. Sonnenstürme sind mitverantwortlich am Bienensterben?

Ihr Beitrag weist einige Widersprüche auf. So heisst es, dass Tautz an der Universität Würzburg seit Jahren "mehrere Bienenvölker" beobachtet. Weiter unten ist nur von einem zweiten Bienenstock in Schwartau die Rede. Aus dem Zitat ("Aber das Bienensterben lösten sie natürlich nicht aus, stellt Tautz klar. Seiner Meinung nach sei der Sonnenwind für gesunde Tiere ohne weitere Belastung kein Problem. Würden die Bienen aber durch Stressfaktoren wie ein knappes Nahrungsangebot, Klimawandel, Schädlinge und chemische Pflanzenschutzmittel an die Belastungsgrenze gebracht, dann schaden ihnen die Sonnenstürme um so mehr.") kann abgeleitet, dass sowohl das Würzburger als auch das Schwartauer Bienenvolk offensichtlich unter Stress stehen. Sonst hätten die Sonnenstürme keinen erhöhten Bienenabgang auslösen können. Wodurch wird dieser Stress vor Ort ausgelöst? Ist es vielleicht die High-Tech-Einrichtung?