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HIV-Übertragungswege Wie steckt man sich an - und wie nicht?

Sex und verunreinigte Nadeln bei Drogenkonsum sind die Hauptübertragungswege für HIV. Den besten Schutz vor Ansteckung bieten Kondome und sauberes Spritzbesteck.

Stand: 06.05.2019

Kondom | Bild: picture-alliance/dpa

HIV kann grundsätzlich dann übertragen werden, wenn Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit in Kontakt mit Schleimhäuten (Scheide, Penis, Enddarm, Mund) oder mit offenen Wunden kommt. Andere Körperflüssigkeiten wie Urin, Schweiß, Speichel oder Tränen enthalten eine so geringe Konzentration an Viren, dass damit eine Ansteckung praktisch ausgeschlossen ist.

Kondome können Leben retten

Linktipp

Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu Safer Sex:

Nur die Verwendung von Kondomen bietet einen wirksamen Schutz vor der Infektion. Eine gute Methode, eine HIV-Infektion zu vermeiden, ist "Safer Sex". Darunter versteht man alle sexuellen Verhaltensweisen, bei denen keine Samen- oder Scheidenflüssigkeit und kein Blut in den Körper des Partners gelangen können.

Medikamente verhindern HIV-Übertragung zuverlässig

Das HI-Virus vermehrt sich im Körper nicht weiter, wenn Betroffene therapiert werden und Medikamente nehmen. Die Viruslast im Blut reduziert sich nach einiger Zeit so sehr, dass das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar ist. Damit ist es dann auch nicht mehr übertragbar - auch beim Sex nicht. Das bestätigt auch eine Studie, die am 3. Mai 2019 im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde.

Forscher um Alison Rodger vom University College London untersuchten an 75 Orten in 14 europäischen Ländern 782 männliche homosexuelle Paare im Schnitt zwei Jahre lang. Voraussetzung des Tests war, dass jeweils nur einer der Partner HIV-infiziert war und das Paar Sex ohne Kondom hatte. Es konnten nur HIV-Infizierte an der Studie teilnehmen, die weniger als 200 HI-Viren pro Milliliter im Blut hatten. Insgesamt hatten diese Paare im Studienzeitraum mehr als 76.000-mal ungeschützten Analverkehr. Keinmal wurde dabei das Virus auf den nicht-infizierten Partner übertragen.

Viele Infizierte wissen nicht, dass sie HIV positiv sind

Das Problem: Das gilt nur für medikamentös eingestellte HIV-Infizierte. Viele übertragen die Krankheit aber, wenn sie sich selbst frisch angesteckt haben und noch nichts von ihrer Infektion wissen. In Deutschland betraf das 2019 nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) circa 10.800 Menschen. Regelmäßige AIDS-Tests sind deshalb sinnvoll. Insgesamt hatten hierzulande Ende 2019 geschätzt 90.700 Menschen HIV - die Zahl der noch nicht Diagnostizierten inbegriffen. Die Zahl der Neuinfektionen wird auf etwa 2.600 geschätzt.

Hohes Infektionsrisiko:

Vaginalverkehr

Bei ungeschütztem Vaginalverkehr besteht ein hohes Infektionsrisiko, sowohl für die Frau als auch für den Mann. Dabei benötigt das Virus keine offene Wunde, um in den Körper einzudringen. Auch die unverletzte Schleimhaut (Scheide, Eichelspitze des Penis) kann eine Eintrittspforte für die Viren sein.

Analverkehr

Das Infektionsrisiko bei ungeschütztem Analverkehr ist besonders hoch und zwar für beide Partner (egal ob Mann/Frau oder Mann/Mann). Die Schleimhaut des Enddarms ist besonders empfindlich, es kommt beim Verkehr sehr leicht zu kleinen Verletzungen, über die die HI-Viren leicht eindringen. Selbst ohne Verletzung wird das Virus über die Schleimhaut übertragen.

Oralverkehr

Das Risiko beim ungeschützten Oralverkehr ist zwar geringer als bei Vaginal- und Analverkehr, aber eine Übertragung durch Sperma, Blut oder - in geringerem Maße - Scheidenflüssigkeit über die Mundschleimhaut ist möglich. Das Risiko ist vor allem dann gegeben, wenn Sperma in den Mund gelangt. Scheidenflüssigkeit ist weniger infektiös als Sperma, Verletzungen der Mundschleimhaut oder eine aufgerissene Lippe erhöhen das Risiko.

Schwanger, Geburt, Stillen

Ohne medizinische Maßnahmen übertragen HIV-positive Mütter häufig das Virus auf ihr Kind. Dies kann während der Schwangerschaft oder der Geburt geschehen oder über die Muttermilch beim Stillen. Durch Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft, durch Kaiserschnitt und den Verzicht auf das Stillen kann dieses Risiko heute minimiert werden.

Spritzen/Nadeln

Drogenkonsumenten setzen sich einem sehr hohen Infektionsrisiko aus, wenn sie Spritzen und Nadeln gemeinsam benutzen.

Kein Infektionsrisiko (1):

Bluttransfusion

Das Risiko, durch eine Bluttransfusion mit HIV infiziert zu werden, liegt bei uns inzwischen praktisch bei Null. Blutkonserven unterliegen heute einem strengen Kontrollverfahren, das eine HIV-Infektion durch eine Blutübertragung extrem unwahrscheinlich macht. Die Infektionen, die heute noch gezählt werden, stammen noch aus der Zeit vor 1986.

Hautkontakt

Hautkontakt - zum Beispiel Küssen, Umarmen, Händeschütteln - ist völlig unbedenklich.

Zungenküsse

Speichel enthält eine zu geringe Virenkonzentration, um infektiös zu sein, und hat zudem eine virenabtötende Wirkung. Ein Risiko besteht nur, wenn eine Verletzung im Mundbereich vorliegt.

Petting

Intensives Schmusen ist ungefährlich, solange kein Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit in Kontakt mit Schleimhäuten oder offenen Wunden kommt.

Speichel

Speichelübertragung durch Husten oder Niesen führt zu keiner HIV-Infektion.

Schweiß

Der Kontakt mit Schweiß ist ungefährlich, Schweiß ist nicht infektiös.

Kein Infektionsrisiko (2):

Gemeinsame Benutzung

Die gemeinsame Benutzung von Besteck, Geschirr, Wäsche, Zahnbürste, Toilette, Schwimmbad, Sauna ist völlig ungefährlich.

Insekten

Das Virus ist nach der Aufnahme durch ein Insekt nicht mehr infektiös. Eine Übertragung durch einen Insektenstich ist ausgeschlossen.

Arzt-/Friseurbesuch

Bei einem Arzt-/Zahnarztbesuch, beim Frisör oder im Kosmetiksalon ist eine Infektion ausgeschlossen.

Tattoos, Piercing, Akupunktur

Ungefährlich, sofern die üblichen Hygienemaßnahmen wie Desinfektion beachtet werden.


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