Wahl


78

Nach den Wahl-Premieren # Erstwähler

Die Wahl-Entscheidungen sind gefallen. Wie war es für die # Erstwähler denn jetzt, erstmals ihr Kreuz zu setzen? Sieben Fazits zu den Wahl-Premieren. Und ein Bildungsforscher kommt in der fünften Runde ebenfalls noch zu Wort.

Von: Markus Deutschenbaur

Stand: 27.09.2013 | Archiv

Heuer ganz vorne dabei, die spontane Wahlentscheidung in unterschiedlicher Ausführung. Von den sieben Erstwählern aus den sieben Regierungsbezirken wussten nur Anna und Regina schon Anfang September, wo sie bei Landtags- und Bundestagswahl ihre Kreuzerl machen wollten. Und Lisa stand schon lange zu ihrem Plan "aktiver Wahlboykott". Die # Erstwähler Tom, Michael und Bianca dagegen waren sich erst rund eine Woche bis wenige Tage vor der Wahl darüber im Klaren, was sie wählen wollten.

Das # Erstwähler-Finale

Viele # Erstwähler entscheiden spontan

So haben die Erstwähler sich bei der Landtagswahl entschieden. Rund 650.000 von ihnen waren in Bayern wahlberechtigt.

Der Erstplatzierte in Sachen späte Wahlentscheidung 2013 aber ganz klar: # Erstwähler Manuel. Erst In der Wahlkabine entschied er sich. Dass er bis zuletzt zwischen zwei Parteien schwanken werde, das hatte Manuel allerdings schon länger geahnt. Warum diese Hängepartie? Er habe sich einfach nicht klar positionieren können.

Auch Bianca sagt, "eine Entscheidung zu treffen, ist mir lange schwer gefallen". Einfach zu viele Faktoren hätten sie bewegt. Tom seinerseits konnte sich erst für eine Partei durchringen, weil die Wahlen immer näher und näher rückten, eine Art Drucksituation also.

-------------------- Mit-Twittern zum Thema unter #Erstwähler -------------------

"Was ich wähle, habe ich so ungefähr eine Woche vor der Landtagswahl entschieden."

Tom, Oberbayern

"Parteiorientierung, Themen und Sympathie für die Spitzenkandidaten haben bei meiner Entscheidung zusammengewirkt. Und auch ein bisschen mein familiäres Umfeld."

Bianca, Schwaben

"Ich habe wie geplant Briefwahl gemacht. Immer so drei, vier Tage vor der Wahl habe ich mir den Zettel vorgenommen und angekreuzt. Die Entscheidung, wen ich wähle, war aber ja schon vorher gefallen."

Anna, Unterfranken

Fehlende Parteikonturen statt # Erstwähler-Unschlüssigkeit

Dass # Erstwähler grundsätzlich eher Anhänger der Spontan-Entscheidung sind, das überrascht Professor Heinz Reinders nicht. Was den Bildungsforscher von der Universität Würzburg aber wirklich verwundert, ist der Fakt, dass es selbst bei den sieben # Erstwählern größtenteils so lange gedauert hat, bis sie sich klar waren. Haben sie sich doch als "Versuchskaninchen" automatisch intensiver als üblich mit dem Politikbetrieb in Bayern und Deutschland auseinandergesetzt. Reinders' Diagnose für diese Zögerlichkeit: doch eher ein Ausdruck fehlender Parteikonturen als jugendliche Unschlüssigkeit.

Die Fragen der fünften Interviewrunde

  • Dein Fazit: Wie war‘s beim Wählen?
  • Wie hast Du dich über den Wahlausgang informiert?
  • Gibt es für dich weiter Unterschiede zwischen Landtags- und Bundestagswahl?

"Letztendlich habe ich mich erst entschieden, als ich mein Kreuz gemacht habe. Es waren bis zum Schluss immer noch zwei Parteien im Rennen."

Manuel, Mittelfranken

"Ich habe bei Landtags- und Bundestagswahl das Gleiche gewählt."

Regina, Niederbayern

"Gewählt habe ich bei Landtags- und Bundestagswahl zwei unterschiedliche Parteien, weil ich auf Landes- und Bundesebene zwei unterschiedliche Überzeugungen vertreten habe."

Michael, Oberpfalz

Mission "aktiver Wahlboykott" durchgeführt

# Erstwählerin Lisa hatte bereits lange ihren Entschluss gefasst, keiner Partei ihre Stimme zu geben. Aber nicht zu wählen, das war für Lisa auch keine Alternative. Ihr Plan war daher, die Wahl aktiv zu boykottieren, wie sie es nannte - mit zwei ungültig gemachten Wahlzetteln.

Lisas nach wie vor größtes Argument dafür, die derzeitige Ausgestaltung des parlamentarischen Systems. Damit komme sie einfach nicht zurecht. Den Wahlkampf selbst stufte Lisa als den Versuch ein, von den wirklich brisanten Problemen auf der ganzen Welt abzulenken. Harte Worte einer 21-Jährigen mit Idealen ...  

"Ich habe beide Male mein Vorhaben des aktiven Wahlboykotts umgesetzt und die Wahlzettel ungültig gemacht – mit einem großen Kreuz drauf."

Lisa, Oberfranken

"Für mich war die Bundestagswahl spannender, einfach eine größere Sache, weil‘s um ganz Deutschland geht. Bei der Landtagswahl hatte ich nicht das Gefühl, dass sich dadurch so viel ändern wird für Bayern."

Anna, Unterfranken

"Die Art, wie Nachrichten aufbereitet und präsentiert werden, läuft bei uns immer in eine bestimmte Richtung. Das ist nie vollkommen neutral."

Lisa, Oberfranken

Wie, Volksentscheid auch noch?

Dass neben der Landtagwahl auch fünf Volksentscheide und die Bezirkswahl stattfinden, das haben die # Erstwähler mehrheitlich nicht gewusst. Und waren damit ganz sicher nicht allein. Für Anna wurden diese Kreuze dann auch eine "Bauchentscheidung", Bianca wurde am Wahltag doch noch von ihrer Mutter vorgewarnt. Auch Regina musste sich erst schlau machen. Tom war sich sicher, wie es läuft bei einer Wahl: ein Zettel, ein Kreuz - ganz einfach. Bei der Landtagswahl war's nicht ganz so.

Bei den kommenden Wahlen wissen sie jetzt hoffentlich alle Bescheid, "unsere" sieben # Erstwähler. Frühestens dann mehr dazu an dieser Stelle.

"Bei der Landtagswahl waren‘s mehr Zettel, da musste man mehrere Kreuze machen. Da wusste ich vorher nicht Bescheid. Ich hatte mir das so vorgestellt: ein Zettel, ein Hakerl."

Tom, Oberbayern

"Von den Volksentscheiden zur Landtagswahl hatte ich vorher nichts gehört und war überrascht."

Anna, Unterfranken

"Dass die Volksentscheide auch stattfinden, das habe ich nicht gewusst. Da war ich zu wenig informiert."

Bianca Schwaben

"Das mit dem Wählen ist ungefähr das gleiche Phänomen wie mit dem 18. Geburtstag. Man denkt vielleicht, das ist etwas Besonderes. Aber im Nachhinein fühlt man sich dann genauso wie vorher."

Manuel, Mittelfranken

"Die Zeit bis zur Wahl war cool, ich habe echt viel gelernt."

Tom, Oberbayern

"Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man mitentscheiden darf. Und es nicht so macht, wie viele jugendliche Nichtwähler."

Michael, Oberpfalz


78