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Tradition und Kult Das Zwölfuhrläuten feiert 65.

Wartezeiten bis zu einem Jahr, dann aber für drei Minuten im Licht der Öffentlichkeit. Die Beliebtheit des Zwölfuhrläutens auf Bayern 1 ist ungebrochen, bei Hörern wie Bewerbern. Auch nach 65 Jahren. Am Pfingstsonntag feierte die Sendung ihren Geburtstag.

Von: Ursula Zimmermann

Stand: 08.06.2014 | Archiv

Kirche St. Vitus und Anna in Ettendorf | Bild: H. Baumann

Wer in die Sendung möchte, braucht Geduld. Die Bewerber kommen aus allen Ecken Bayerns: Es sind Kapellen, Bischofskirchen, Dorf- und Wallfahrtskirchen, sie stehen in Städten, Dörfern oder allein auf weiter Flur. "Seit der ersten Sendung am Pfingstsonntag 1949 erklangen etwa 4.000 Kirchen", erzählt Georg Impler. Er ist Redaktionsleiter des Zwölfuhrläutens. "Bis Mitte 2015 sind wir bereits ausgebucht." Mit Wartezeiten bis zu zwei Jahren hatten die Bewerber schon 1963 zu rechnen, liest man im Münchner Merkur von damals. Und diese Beliebtheit ist bis heute ungebrochen: Allein bis zu 3 Millionen Mal wird das Zwölfuhrläuten jährlich als Podcast zum Nachhören im Internet abgerufen.

"Während die Glocken läuten, wird aus der Vergangenheit und Gegenwart dieser Orte berichtet werden. Mit der Glocke von Englmar im bayerischen Wald ... beginnt die Sendereihe. Wie in der Schwestersendung 'Wanderungen durch Bayern' soll hier im Kleinen etwas Wesentliches aus dem Bild und Leben unserer Heimat vermittelt werden."

Meldung der Pressestelle des Bayerischen Rundfunks vom 25. Mai 1949

"Eine Botschaft der Heimat an alle" – so wollte Dr. Alois Fink seine Sendung verstanden wissen. 1949 hatte Fink, Leiter der BR Abteilung Hörbild, die Sendung Zwölfuhrläuten erfunden. Die Sendereihe sollte ein Dorf, eine Stadt, oft auch nur eine Kirche, deren Glocken man hörte, sichtbar machen in ihrer Landschaft, ihrer Geschichte. Der Erfolg gab Fink recht, die Sendung erfreute sich unglaublicher Beliebtheit.

Das Besondere finden

Georg Impler, Redaktionsleiter Zwölfuhrläuten

"Im Laufe der 65 Jahre hat sich am Sendungskonzept kaum etwas geändert", erklärt der heutige Redaktionsleiter Georg Impler. Er übernahm die Sendung 2005. "1996 wurde die Länge der Sendung von fünf auf etwas über drei Minuten verkürzt. Auch stellen wir heute die Glocken der vorgestellten Kirche stärker in den Vordergrund. Ansonsten fahren wir wie vor 65 Jahren mit dem Übertragungswagen vor Ort und nehmen das Glockengeläut auf."
Viele der Texte schreibt Impler selbst. Im Zwölfuhrläuten geht es weniger darum den Ort geschichtlich oder kunsthistorisch abzuhandeln. Impler und seinen Kollegen gelingt es immer wieder, das Besondere zu finden und über das zu erzählen, was den Ort eben einzigartig macht. Bei der Auswahl der Kirchen wird dabei auf eine ausgewogene Verteilung geachtet, schließlich besteht Bayern aus sieben Regierungsbezirken.

"Beim Probeläuten hatte der Turm bedenklich gewackelt - das Kirchlein wurde gerade restauriert – daß sich niemand mehr getraute, den Versuch für eine Originalaufnahme zu wiederholen. Als dann nach der Restaurierung der Ü-Wagen zum zweitenmal den Abstecher in Richtung Freising machte, riß das Seil. Erst beim drittenmal hat es geklappt."

Dorothee Kiesselbach, die von Anfang an das 'Zwölfuhrläuten' betreute, erzählt im Münchner Merkur 1963 über die Schwierigkeit, die Glocken der Waldkirche Oberberghausen bei Freising aufzunehmen

Jubiläumsläuten aus Unterfranken

Am Jubiläumstag ertönten die Glocken aus dem fränkischen Kitzingen. Das evangelische Gotteshaus ist die größte Stadtkirche in Unterfranken. Aus dem Turm erschallt ein fünfstimmiges Geläut, angeführt von der  über sechs Tonnen schweren Vaterunserglocke. Mit ihrem fis-Motiv gilt sie als die tontiefste Glocke Mainfrankens.
Der Ort und die Kirche haben eine lange und beeindruckende Geschichte, Georg Impler erzählte sie am Pfingstsonntag um 12 Uhr auf Bayern 1.


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