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Abgas-Skandal bei Audi Ein Mammutprozess, der viel abverlangt

Vergangene Woche hat einer der größten Wirtschaftsstrafprozesse der vergangenen Jahrzehnte begonnen – mit geplanten 181 Verhandlungstagen. Es geht um die Rolle des ehemaligen Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler und weiterer drei Angeklagter bei der Dieselmanipulation. Ein Mammutprozess, der die BR-Redaktion Wirtschaft und Soziales auch vor eine Mammutaufgabe bei der Berichterstattung stellt.

Von: Sebastian Hanisch, Redaktion Wirtschaft und Soziales

Stand: 06.10.2020 | Archiv

Die "BR-Flotte" vor Ort | Bild: BR / Karl Broderix

Der Strafprozess gegen den ehemaligen Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler und drei weitere Angeklagte hat vor dem Landgericht München II begonnen.

Rupert Stadler

Es ist der erste deutsche Strafprozess zum Abgasbetrug mit bislang geplanten 181 Verhandlungstagen. Das internationale Medieninteresse ist riesig. Die BR-Redaktion Wirtschaft und Soziales hat den Prozess für die trimediale Berichterstattung zusammen mit dem Produktionsmanagement intensiv vorbereitet.

Ein Mammutprozess – der vom BR auch eine "Mammutanstrengung" verlangt. Die Redaktion Wirtschaft und Soziales verantwortet die ARD-weite trimediale Berichterstattung für Fernsehen, Hörfunk und online. Seit Wochen bereitet sie zusammen mit der Redaktion Rundschau und Landesberichte die inhaltliche Konzeption, den Personaleinsatz und die technische Logistik vor.

Sebastian Hanisch aus der BR-Redaktion Wirtschaft und Soziales

Ein ganzes Team von Journalistinnen und Journalisten berichtet direkt von der Verhandlung in München-Stadelheim. Dazu kommen Aufnahmeleitung, Kamerateams, Übertragungswagen für Fernsehen und Hörfunk, Schnittmobile und ein Office-Mobil, um die zahlreichen Beiträge und Live-Schalten zu ermöglichen für die ARD-Hörfunkwellen sowie im Fernsehen für Rundschau, Abendschau, Tagesschau, Tagesthemen und viele andere Formate – aber auch "Ticker", Artikel und Live-Sendungen für BR24.
Natürlich sind nicht sämtliche Verhandlungstage für die Öffentlichkeit von Interesse. Aber besonders, wenn wichtige Zeugen aussagen, werden die Kolleginnen und Kollegen von vor Ort berichten, um die Öffentlichkeit über neue Erkenntnisse in einem der größten Industrieskandale der Nachkriegsgeschichte zu informieren.

"Selten zuvor hat ein Wirtschaftsverfahren öffentlich so viel Aufmerksamkeit erregt wie der Audi-Prozess. Denn: Selten zuvor sahen sich so viele Menschen direkt in ihrem Alltag betroffen. Deshalb ist es für uns als öffentlich-rechtlicher Sender so wichtig, alles für eine optimale Versorgung der Bevölkerung mit Informationen zu tun. Wir wollen das lange, komplexe Verfahren mit all seinen Hintergründen einordnen und analysieren. Journalistisch und logistisch ist das eine enorme Herausforderung. Wir nehmen sie sehr gerne an."

Dr. Astrid Freyeisen, Leiterin Redaktion Wirtschaft und Soziales

Schwierige Produktionsbedingungen

Die Produktionsbedingungen vor dem Gerichtsgebäude sind allerdings alles andere als ideal. Es stellten sich im Vorfeld Fragen über Fragen:

BR-Reporter Gabriel Wirth und BR-Reporterin Antonia Böhm interviewen einen Verteidiger

Wie kann die Technik vor Ort mit Strom versorgt werden? Reicht die mobile Internetbandbreite für alle Fernsehsender und alle anderen Medienhäuser aus? Wo können die BR-Fahrzeuge parken?
Der Gerichtssaal an der Stettnerstraße bei der Justizvollzugsanstalt Stadelheim liegt "jwd" – janz weit draußen.

Nur wenige Journalisten dürfen in den Gerichtssaal

Und dann gab es noch eine ganz besondere Herausforderung: die Corona-Pandemie. Sie erschwert die Bedingungen für alle Beteiligten enorm. Nur ein Problem: Wegen der Abstandregeln hat das Gericht für die Medien lediglich zehn Plätze im Saal eingerichtet. Dabei hatten sich Hunderte Medienvertreter akkreditiert.

Bereits im Vorfeld hat der BR daher mit anderen Medienhäusern besprochen, wie am Morgen beim Einlass der Medien ein Chaos verhindert werden kann.

Der BR musste am ersten Prozesstag fast 24 Stunden vor Einlass jemanden schicken, der sich als "Platzhalter" für einen der begehrten Plätze anstellte. Als dritter von zehn Prozessbeobachtern konnte so unser Kollege Arne Meyer-Fünffinger den Saal betreten. Und natürlich mussten wegen Corona entsprechende Abstände und der Einsatz von Schutzmasken eingeplant werden, um die Produktion vor Ort möglichst sicher zu gestalten.

Ein Urteil im Prozess wird erst Ende 2022 erwartet.


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