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"Radiowelt" vor 75 Jahren Die erste Rundfunkzeitung der Nachkriegszeit

Am 4. Februar 1946 wurde in München die erste deutsche Rundfunkzeitung nach dem Krieg lizenziert: die "Radiowelt" mit einer ersten Auflage von 20.000 Exemplaren und herausgegeben vom Verleger Hanns Reich. Die "Bayerische illustrierte Wochenschrift mit Funkprogramm und Kulturspiegel" war ab 10. Februar 1946 für 35 Pfennig erhältlich.

Von: Sabine Rittner, Historisches Archiv des Bayerischen Rundfunks

Stand: 26.01.2021 | Archiv

Die "Radiowelt" informierte über das Programm von Radio München, von AFN (American Forces Network), Radio Stuttgart und über das deutschsprachige Programm von London BBC. Der damalige bayerische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner, der amerikanische Intendant Field Horine sowie der Bayerische Kultusminister Franz Fendt verfassten Grußworte für die erste Ausgabe von 1946. Zu Wort kam auch der Oberspielleiter Fritz Benscher, der über Hörerwünsche berichtete und wie sie sich widersprechen. Die einen wollten "Dichtung am Sonntag", die anderen schliefen dabei ein. Andere liebten Jazz und im nächsten Brief war zu lesen: "Euren Jazz-Schmarrn, den könnt's nach Mitternacht senden".

Komplettes Heft als PDF: Die erste "radiowelt" von 1946 Format: PDF Größe: 5,57 MB

1948 folgte der erste "Gong"

Zweieinhalb Jahre später, am 10. Oktober 1948, erschien erstmals das Hörfunkmagazin "Gong" aus dem Sebaldus-Verlag in Nürnberg. Der "Gong" erhielt seinen Namen in Anlehnung an den Gongschlag, mit dem zu jeder Stunde die Uhrzeit im Radio durchgegeben wurde – "beim Gongschlag ist es …". Der Verlag aus Nürnberg expandierte in den folgenden Jahren und übernahm die "Radiowelt" sowie die "Illustrierte Funkwelt" und firmierte ab 1950 unter dem Namen "Gong – die Radiowelt".

Erste Programmzeitschrift in Bayern bereits 1924

Titelblatt der "radiowelt" Heft 31 von 1948. Angekündigt werden Sendungen zu den Olympischen Sommerspielen in London.

Eine Zeitschrift für das Radioprogramm in Bayern gab es bereits ab 3. August 1924. Wenige Monate nach Start des Rundfunks in Bayern erschien die erste Programmzeitschrift. Im Geleitwort hieß es: "Der weitverzweigte und vielverästelte Baum der Bayerischen Presse wird mit der 'Bayerische Radiozeitung' um einen Ast bereichert". Inhalt war nicht nur das Programm. Informiert wurde ebenso über Technik, neue Hörfunkgattungen und die Personen, die den Rundfunk in Bayern prägten.

Am 31. Mai 1941 musste die Bayerische Radiozeitung, die inzwischen in die gesamtdeutsche Hörfunkzeitschrift "Europafunk" integriert war, ihr Erscheinen einstellen. Ebenso wie der Rundfunk war die Rundfunkzeitschrift ein Propagandainstrument der Nationalsozialisten geworden. Kriegsbedingt herrschte Papiermangel und der "Luxus" eines gedruckten Hörfunkprogramms war nicht mehr möglich.


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