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Ein Thema für alle ARD-Ausspielwege Küken töten verboten – Problem gelöst?

Tierschutz wird heiß diskutiert. Lebensmittelkonzerne schreiben sich das PR-wirksam auf ihre Fahnen und auch die Politik sieht sich in der Pflicht. Beispiel: Männliche Küken dürfen seit 1. Januar 2022 nicht mehr getötet werden. Ein Meilenstein für den Tierschutz, erklärte die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner. Simon Plentinger von der Redaktion Landwirtschaft und Umwelt fragt nach ….

Von: Ellen Trapp, Redaktionsleiterin Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 11.01.2022

Männliches Küken | Bild: BR/Rainer Kitz

Programmtipp

Report München, Dienstag, 11. Januar 2022, um 21.00 Uhr im Ersten

Seit Anfang des Jahres ist Schluss mit massenhaftem Küken-Töten. Bei Hühnern, die darauf gezüchtet sind, als Legehennen möglichst viele Eier zu legen, ließen sich die dazugehörigen Männchen nicht vermarkten. Deutschland ist Vorreiter in Sachen Tierschutz. Musik in den Ohren vieler Verbraucherinnen und Verbraucher, die auch in Zukunft nicht auf ihr Frühstücksei verzichten wollen und dabei das gute Gefühl haben möchten, dass es "ohne Küken töten" produziert wurde. Doch das Thema ist – wie so oft – viel komplizierter. Für die Fachredaktion Landwirtschaft und Umwelt bedeutet das: Wir müssen da ran! Denn sie ist die einzige Fachredaktion für Landwirtschaft und Umwelt in der gesamten ARD.

Aufwendige Recherche, aufwendiger Dreh

Eierkarton

Seit Sommer 2021 ist Simon Plentinger Teil der Redaktion und hat sich des Themas gleich angenommen. Nicht zum ersten Mal wurde bei Landwirtschaft und Umwelt das Thema behandelt, deshalb war klar: Um in Brütereien zu filmen, Experten und Verantwortliche von Discountern wie Aldi vor die Kamera zu bekommen, brauchen wir viel Zeit. Noch mehr Zeit, weil Corona weiter wütet und dieses Virus die Arbeit keineswegs erleichtert – bei uns, aber auch in den Brütereien und auf den Geflügelhöfen. Und nicht nur das Corona-Virus: Besonders auch die sich seit Herbst wieder ausbreitende Vogelgrippe saß uns bei den Dreharbeiten im Nacken. Bereits im Dezember durften Außenstehende wegen der Schutzmaßnahmen keine Ställe mehr betreten. Glücklicherweise konnten alle Dreharbeiten gerade noch vorher abgeschlossen werden.

Heikles Thema – Presse nicht immer erwünscht

Mit der Rückendeckung der gesamten Redaktion machte sich Simon an die Arbeit und reiste in die Niederlande, ins Münsterland, über Baden-Württemberg zurück nach Bayern. Wissend, dass er für die Landwirtschaftsredaktion arbeitet, gewann er Stück für Stück das Vertrauen aller Akteure und konnte so die gesamte Kette – von der Brüterei bis zum Futter für die Erdmännchen im Tiergarten Nürnberg – abbilden. "Die Herausforderung bei diesem sehr emotional behafteten Thema war, überhaupt das Vertrauen der Protagonistinnen bzw. Protagonisten zu gewinnen", so Simon Plentinger. "Viele haben schlechte Erfahrungen mit Medien gemacht und öffneten sich erst nach vielen vertrauensbildenden Gesprächen und mit dem Versprechen einer fairen und ausgeglichenen Berichterstattung. Dann galt es, den Überblick zu behalten, Zusammenhänge zu erkennen und diese gut zu erklären. So ein Projekt gelingt nur mit viel Zeit und einem starken Team im Rücken." Besonders gefreut hat uns, dass auch die Kolleginnen und Kollegen vom ARD Studio in Tel Aviv Dreharbeiten übernommen haben.

Ein Mann, viele Ausspielwege: großes Interesse am Thema

Ei mit Aufdruck

Dass das Verbot, männliche Küken zu töten, ein Muss für die Sendung Unser Land ist, verstand sich von selbst. Auch die Radioreportage im Notizbuch war schnell eingetütet. So weit, so überschaubar. Aber wir wollten mehr, sichtbar werden in der ARD. Das Redaktions-Team Landwirtschaft und Umwelt hat eine große Expertise, davon kann die ARD nur profitieren. So bildete sich schnell ein kleines Team um Simon Plentinger, um das Thema möglichst vielen Redaktionen anzubieten.

Am 3. Januar startete die Produktion mit einem ersten Aufschlag unter anderem für BR24 digital, Tagesschau.de und das ARD Morgenmagazin, ging weiter mit dem Schwerpunkt im BR24 Rundschau Magazin und endete vergangenen Freitag mit einem 30 Minuten langen Film für Unser Land. Heute Abend läuft auch noch ein Beitrag in Report München über das neue Gesetz und wie der neue Landwirtschaftsminister, Cem Özdemir, damit umgehen möchte. Mit einer langen Radioreportage im Notizbuch in Bayern 2 endet ein Marathon für Simon Plentinger. Facebook mit mehreren Bildposts, Social Videos, Verlinkungen zur Mediathek und zu BR24, Instagram, Twitter und YouTube haben selbstverständlich auch nicht gefehlt, denn das Töten der Küken ist ein Thema, das gerade in den sozialen Medien viel diskutiert wird.


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