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BR-Magazin-Tipp: Kultur Ein Galizier in L.A.

Der gefeierte Theater- und Filmschauspieler Alexander Granach floh vor den Nazis in die USA. Das Bayerische Fernsehen zeigt die Dokumentation "Da geht ein Mensch"

Stand: 21.11.2014

Filmszene aus "Alexander Granach - Da geht ein Mensch" | Bild: BR/Bavaria Film GmbH

Im März 1933 musste der Berliner Theater- und Filmstar Alexander Granach auf dem Höhepunkt seiner Karriere aus Deutschland fliehen. Granach war Jude und hatte sich zudem im politischen Theater von Erwin Piscator bis Bertolt Brecht profiliert. Stationen seiner erzwungenen Emigration waren Warschau, Moskau, Kiew, Zürich, New York und Los Angeles. Mit Rollen in Hollywood-Klassikern wie "Ninotschka" von Ernst Lubitsch und "Auch Henker sterben" von Fritz Lang gelang dem charismatischen Schauspieler schließlich auch in den USA der Durchbruch.

Das Kriegsende erlebte er jedoch nicht mehr ebenso wie das Erscheinen seiner Autobiografie "Da geht ein Mensch": Alexander Granach starb am 14. März 1945 in New York im Alter von 54 Jahren an den Folgen einer Blinddarmentzündung. In seinem "Arbeitsjournal" schrieb Bertolt Brecht am 15. Oktober 1943 über den Schauspieler Alexander Granach: "Kind armer galizischer Juden, Bäckergehilfe, dann Schauspielschüler, der sich in einer Operation die X-Beine gradbrechen lässt, damit er im Trikot auftreten kann. Ich erinnere mich seiner, wie er in München um 1920 herum den Shylock spielte, frech, aufdringlich, brüllend, dass der Kronleuchter wackelte, sehr farbig."

Angelika Wittlichs eindringliches Porträt erzählt den Lebensweg Alexander Granachs von seiner Kindheit bis zum viel zu frühen Tod im US-amerikanischen Exil. Dabei greift der Dokumentarfilm auf Briefe Granachs an seine große Liebe Lotte Lieven sowie auf die zuerst 1945 im Exil-Verlag "Neuer Verlag" in Stockholm erschienene Autobiografie zurück. Wittlich zeichnet das Leben dieses Ausnahmeschauspielers nach, der 1890 als neuntes Kind einer frommen jüdischen Familie in Werbowitz im ostgalizischen Bezirk Horodenka, also in der heutigen Ukraine, geboren wurde. Mit atemberaubender Vitalität und überragendem Improvisationstalent gelang es Granach, sich aus der galizischen Provinz bis nach Berlin an die Schauspielschule durchzukämpfen. In Deutschland wurde er ein gefeierter Theater- und Stummfilmstar.


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