Unternehmen - Menschen

Claudia Decker geht - mit einem Podcast Wie sie lernte, die Rente zu lieben

Claudia Decker ist Radiojournalistin mit Leib und Seele. Seit 42 Jahren arbeitet sie als Autorin für die Sendung "Notizbuch". Jetzt geht sie in den Ruhestand. Auf ihrem Weg in die Rente hat sie sich mit dem Aufnahmegerät begleitet – daraus entstand eine Podcast-Reihe für Bayern 2. Im Gespräch mit Kollegin Kristina Weber erzählt sie unter anderem über Ängste und heilsame Wirkungen.

Von: Kristina Weber, Claudia Decker, Notizbuch

Stand: 16.03.2019 | Archiv

Die BR-Journalistin Claudia Decker setzt sich in einem Podcast über den Abschied aus dem Berufsleben auseinander - und damit auch mit ihrem eigenen Weg in die Rente. | Bild: BR/Julia Müller

Ein Podcast über die Rente - wie kam’s dazu?

Alle in der Redaktion wussten, ich hab Bauchschmerzen damit, plötzlich draußen zu sein, nicht mehr mitarbeiten zu dürfen, bloß weil ich 65 bin, Rente also. Ich ohne meine Arbeit im Notizbuch? Unmöglich! Da hat Redaktionsleiterin Sybille Giel mich gefragt, ob ich meinen Weg in die Rente in einem Podcast dokumentieren möchte. Perfekt, wie sich das gefügt hat.

Welchen Ängsten mussten Sie sich stellen?

Claudia Decker in ihrer Wohnung ...

Ich bin Single, also prägt die Arbeit meinen Alltag. Meine täglichen Planungen haben sich um den nächsten Beitrag, das nächste Feature gedreht. Das soll plötzlich weg sein?! Katastrophe. Außerdem: Ich bin so sehr daran gewöhnt, wenn ich wo anrufe zu sagen "Claudia Decker, Bayerischer Rundfunk". Und ich war willkommen. Das gibt es jetzt nicht mehr. Ich nenne das meine "Angst vor der Bedeutungslosigkeit".

Warum war Ihre Arbeit als Radiojournalistin so wichtig für Sie?

Wenn sich Wissensdurst und Interesse am Geschehen in der Welt beruflich so umsetzen lassen – besser geht’s kaum.

Podcast "Und raus bist du! Wie ich lerne, die Rente zu lieben"

Montag, 18. März, bis Freitag, 23. März täglich eine Folge im Notizbuch auf Bayern 2 zwischen 10.05 und 12.00 Uhr. Und auch auf BR Podcast.

Mit dem Podcast haben Sie auch dem BR ein Denkmal gesetzt, vor allem dem Notizbuch auf Bayern 2. Welche Rolle hat diese Sendung und diese Redaktion für Sie gespielt?

... und im BR-Studio

Als ich in der Journalistenschule war, hatte das Notizbuch einen legendären Ruf. Dort machte die Avantgarde Programm mit neuem politischem Profil. Im stürmischen Zeitgeist der 70er. Dorthin wollte ich. Dorthin kam ich 1976. Dort habe ich journalistisch laufen gelernt. Zwar setzte eine entschiedene Personalpolitik dieser Liberalität 1980 ein Ende, trotzdem blieb das Notizbuch meine Heimat.

Warum denken Sie und die Redaktion, dass das Thema viele anspricht?

Ich hab zwischendurch oft und gern gezweifelt und gesagt: Mei, wen interessiert schon, wie ich in Rente gehe? Aber die Redaktion hat mich bei der Stange gehalten. Ich bin gespannt.

Welche Haltungen zur Rente haben Sie noch kennengelernt bei der Recherche?

Immer wieder bin ich auf Unverständnis gestoßen: Wieso freust du dich nicht auf die Rente, endlich frei? Ich weiß, mein anfänglicher Widerwille basiert auf meiner privilegierten Situation in diesem großartigen Beruf. Wer einen Malocherjob hat, vielleicht bloß deshalb, weil es keine Alternative gab, sehnt die Rente natürlich herbei. Und viele haben mir gesagt, wie froh sie sind, in der Rente noch einen Job zu haben.

Eigentlich beginnt ja jetzt erst Ihr Ruhestand - nach dem Podcast. Immer noch Angst davor?

Wundersamerweise hat die Verfertigung des Podcasts eine heilsame Wirkung gehabt. Ohne diese Arbeit hätte ich mich nie so intensiv mit dem Thema befasst, ich wäre wohl als traurige Gestalt der Rente entgegengegangen wie dem Schafott. Jetzt freue ich mich auf das neue, mir noch unbekannte, ungewohnte Leben.

Was sind Ihre Pläne für die nächste Lebensphase?

Kurzfristig freue ich mich darauf, mehr Zeit für mich, für Freunde, für Bücher, überhaupt mehr Freizeit zu haben. Und was ich sonst noch vorhabe, das erfahrt ihr, wenn ihr meinen Podcast hört - natürlich bis zum Schluss.