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Tagesthemen-Award 2018 BR ausgezeichnet

Das Reporterteam des Bayerischen Rundfunks wurde in Hamburg für seine medien- und senderübergreifende Berichterstattung über den NSU-Prozess mit dem Tagesthemen-Award ausgezeichnet.

Von: Rundschau-Redaktion

Stand: 27.09.2018 | Archiv

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Tagesthemen-Award 2018 | Bild: BR/Anja Miller

Mit Horst Seehofer hat an diesem Abend bei ARD-aktuell in Hamburg niemand gerechnet. Präsent war er trotzdem. Die Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis stellte sich als Moderatorin der Award-Feier und "Mutter aller Probleme" den angereisten Reportern und Gewaltigen aus dem ARD-Universum vor. Und schenkte erstmal eine Runde Ouzo für alle aus. 

Lupenrein berichtet

Linka Zervakis und Oliver Köhr (MDR | Bild: BR/Anja Miller

Linda Zervakis und Oliver Köhr, MDR

Ein doch überraschender, aber ungemein zielführender Einstieg in die Frage: "Was ist Deutsch? Die Debatte und die Leitkultur", der Titel des Gewinnerbeitrags von Oliver Köhr vom MDR. Köhr, so die Jury, nimmt Bilder und Töne genauestens unter die Lupe, lässt sich von ihnen inspirieren, traut sich, eine eigene Idee zu entwickeln, die er konsequent durchzieht.

Eine weitere Reportage aus der Reihe "Was Deutschland bewegt" wurde ausgezeichnet. In "Zwischen Dorfladen und Schornsteinen – Die Lausitz" zeigt Tina Handel vom rbb, was es bedeutet, in der Peripherie zu leben. Die Jury erklärt: "... Sie malt ein Bild so saftig und vorurteilsfrei, dass dem Zuschauer der Geruch von verfeuerter Braunkohle und Fleisch mit Kartoffeln und Soße in die Nase steigt."

TT-Award für das BR-Team 

Im Mai 2013 war der Begriff "trimedial" noch nicht überall geläufig. Der Bayerische Rundfunk hat aber schon vor Beginn des NSU-Prozesses auf eine koordinierte Recherche und Berichterstattung von Fernsehen, Hörfunk und Online gesetzt und für die gesamte ARD organisiert. Eine preiswürdige Berichterstattung über fünf Jahre. Und so ging der Tagesthemen-Award 2018 an den BR und das NSU-Reporterteam.

Karl Broderix, Leiter des BR-Teams, mit dem Tagesthemen-Award für das NSU-Reporterteam

"Der BR hat in mehrfacher Hinsicht mit der Berichterstattung über den NSU-Prozess Außergewöhnliches geleistet. Zum einen war die Arbeit für tagesschau.de, für die Sendungen der tagesschau, für den ARD Hörfunk und Social Media in allerbestem Sinne schon crossmedial - bevor dieser Begriff überhaupt in den Fokus geriet. Kollegen aus dem Fernseh- und Radio-Team des Bayerischen Rundfunks haben gemeinschaftlich Netz und TV-Ausgaben beliefert - in allergrößter Verlässlichkeit und unter Federführung von Karl Broderix. Die Zusammenarbeit ging über die Grenzen hinaus, auch Frank Bräutigam und die Kollegen der ARD-Rechtsredaktion und der MDR waren eingebunden. So eine Berichterstattung über Grenzen einzelner Medien hinaus und über Sendergrenzen hinweg ist herausragend. 
In diesem Team haben die Kolleginnen und Kollegen sichergestellt, dass alle Redaktionen verlässlich von jedem Prozesstag Berichte aus dem Gerichtssaal erhielten - tagesschau.de hat viele davon genutzt - und das über die Prozessdauer von rund fünf Jahren hinweg. Eine derart übergreifende und andauernde Berichterstattung ist aller Ehren wert - und verdient daher den diesjährigen Online-Award."

Aus der Begründung der Jury

WDR gewinnt in der Kategorie Ausland

Der WDR räumte gleich beide Preise in der Kategorie Ausland ab: Mathias Werth für seinen Beitrag vom buchstäblich rechten Rand Frankreichs. Er war unterwegs in Hayange in Lothringen, in der Hochburg des "Front National". Vor seiner Kamera erzählen die Menschen, was sie zu der Partei treibt, was sie sich erwarten und wovon sie auch schon wieder enttäuscht sind.

Das Publikum beim Tagesthemen-Award | Bild: BR/Anja Miller

Applaus für den Preisträger

Sabine Bohland aus dem Studio Nairobi gewann den Preis für eine zutiefst bewegende Reportage aus dem Ghanaischen Dorf Ttope, das mitsamt seinen Bewohnern vom Meer bedrängt wird und im Sand versinkt. Eindringlicher könne man die Folgen des Klimawandels nicht zeigen, meinte die Jury.

Alternative Erzählformen

Eigentlich gibt es bei den Tagesthemen nur zwei Nachrichten-Anchor: Caren oder Ingo erklären der Zuschauerin und dem Zuschauer die Welt, oder zumindest einen kleinen Ausschnitt davon, gerne in einem Gang an einer Infografik auf der Tagesthemen-Wand entlang. Doch manchmal reicht die Wand nicht, um Dinge zu erklären. Dann muss #kurzerklärt ran: Besonders gelungen fanden die Tagesthemen die Antwort von Alexander Westermann (NDR) auf die Frage "Wie viel Macht hat der US-Präsident?" Inhaltlich wie optisch anspruchsvoll für Web-User und TV-Zuschauer und -Zuschauerinnen hat er hier alle wichtigen Fragen zur Macht des US-Präsidenten und deren Grenzen auf den Punkt gebracht.

Jan Peter Gehrckens vom NDR zeigt das "Warten" – als gebremsten Fluss der Zeit, als Zustand zwischen Macht und Möglichkeit. Außerdem inspirierte er die Tagesthemen mit diesem Beitrag zu einer der ungewöhnlichsten Moderationen überhaupt: Ingo Zamperoni sagte fast 40 Sekunden nichts. Es lief nur ein Laufband für die Zuschauer quer durchs Bild: "bitte warten". Ein TT-Award für seine Meditation über die Zeit.

Der Tagesthemen-Award

"Jetzt mal ehrlich – Woran glaubst Du?" – Das fragte Martin Schmidt vom SWR in seinem Beitrag zur ARD-Themenwoche zahlreiche Menschen in Fußgängerzonen und machte damit ein famoses Stück für die Tagesthemen.

Große Journalisten

Für ihre große journalistische Lebensleistung wurden gleich drei ARD-"Bigshots" ausgezeichnet: Robin Lautenbach für die historisch bedeutsamste Tagesthemen-Schalte, auch wenn er erst einmal an der Invalidenstraße stand - und nicht an der Bornholmer Straße. Udo Lielischkies für seine Neugierde, mit der er uns so viele Jahre die Menschen in Ost und West nähergebracht hat. Und dafür, dass er sich dann doch endlich mal beim Rauchen on Air hat erwischen lassen. Und Sonia Seymour Mikich für kritischen Journalismus aus Moskau, Tschetschenien, New York und Köln – egal von wo – immer auf der Seite der Zuschauer von ARD-aktuell und der Tagesthemen.


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