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Chronomedizin IQ-Sendung ausgezeichnet

BR-Autorin Maike Brzoska wurde für ihre Sendung "Chronomedizin – Therapie im Takt des Körpers" (IQ Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, Redaktion: Dr. Gerda Kuhn) mit dem 1. Platz beim Expopharm-Medienpreis 2018 in der Kategorie "Pharmazie und Forschung" ausgezeichnet.

Von: Nicole Ruchlak

Stand: 16.10.2018 | Archiv

Der Preis, den Maike Brzoska für Ihre "IQ Wissenschaft und Forschung"-Sendung erhalten hat, ist eine Auszeichnung der pharmazeutischen Fachmesse "Expopharm". In der augezeichneten Sendung geht es insbesondere um die Bedeutung der inneren Uhr für die Wirksamkeit von Medikamenten.

Denn der menschliche Körper arbeitet nicht rund um die Uhr gleich. Vielmehr schwanken sämtliche Prozesse im Tages-, Monats- oder Jahresverlauf. Der Blutdruck etwa steigt morgens stark an. Die Blase füllt sich morgens am schnellsten. Und die Haut erneuert sich vor allem nachts. Den Takt dafür gibt unsere innere Uhr vor. Sie verleiht unserem Organismus eine zeitliche Dimension.

Gleichbleibende Medikamentenspiegel sind eine Illusion

Autorin Maike Brzoska

Chronomedizin nennt man es, wenn der Zeit – griechisch: Chronos – ein besonderer Stellenwert bei Therapien zukommt. Bei Erkrankungen mit auffälligen zeitlichen Mustern ist das schon Standard. Beispiel: Herzinfarkt. Weil er besonders häufig in den Morgenstunden auftritt, sollen blutdrucksenkende Medikamente früh morgens eingenommen werden. Anders ist es bei Erkrankungen, bei denen es keine auffällige zeitliche Verteilung gibt: Dann wird der Faktor Zeit meistens vernachlässigt. Stattdessen gehen Mediziner davon aus, der Körper arbeite immer im selben Rhythmus.

Entsprechend lautet die Empfehlung, Medikamente gleichmäßig über den Tag verteilt einzunehmen. Allerdings sind gleichbleibende Medikamentenspiegel eine Illusion, sagt Professor Martin Middeke vom Hypertoniezentrum München. "Das kann gar nicht funktionieren, weil auch unser Stoffwechsel einem gewissen Rhythmus folgt."

"Das Thema ist nicht nur ein besonders schwieriges, sondern auch ein extrem wichtiges. Maike Brzoska macht es ihren Zuhörern durch plastische Beispiele leichter, die dahinterliegenden Zusammenhänge zu verstehen. Es ist eine spannende Reise, auf die die Autorin ihre Hörer mitnimmt. Und es ist eine, auf der diese sehr viel über ihre eigene Gesundheit lernen können."

Aus der Laudatio von Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer

Pharmaindustrie ignoriert innere Uhr von Versuchstieren

Auch in der Erforschung von Medikamenten spielt die innere Uhr bislang kaum eine Rolle, kritisiert der Pharmakologe und emeritierte Professor der Universität Heidelberg, Björn Lemmer. Denn viele Studien werden an Mäusen und Nagern gemacht, also an nachtaktiven Tieren. In der Pharmaforschung wird aber meist tagsüber gearbeitet. Das bedeutet, dass Wirkstoffe genau dann getestet werden, wenn der Organismus der Nager eigentlich ruht. Dass die Chronobiologie der Versuchstiere ignoriert wird, könnte zur Folge haben, dass Forscher die Wirkung der Medikamente falsch einschätzen. Denn: Nicht nur die Dosis ist entscheidend, sondern auch der Zeitpunkt der Einnahme.

"Maike Brzoska hat diesen Preis absolut verdient – ihr IQ-Feature 'Chronomedizin' ist gründlich recherchiert, differenziert dargestellt und kurzweilig aufbereitet. Dass nicht nur unser Körper je nach Tageszeit unterschiedlich reagiert, sondern sogar einzelne Organe, ist einer der vielen Punkte, die es lohnenswert machen, das Feature zu hören. Gratulation!"

Susanne Poelchau, Leiterin der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft


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