Unternehmen - Geschichte des BR


17

Toni Berger zum 100. Als "Boandlkramer" in bester Erinnerung

Am 27. März wäre Toni Berger 100 Jahre alt geworden. Der Name des Schauspielers mag nicht jedem geläufig sein. Sein Gesicht ist umso bekannter – aus BR-Kultserien wie "Irgendwie und sowieso" oder "Zur Freiheit". Und als der Tod im "Brandner Kaspar".

Von: Patrizia Kramliczek

Stand: 25.03.2021 | Archiv

Manchmal ärgerte es Toni Berger, dass seine Bekanntheit nur vom "Boandlkramer" abzuhängen schien, obwohl er so viele andere Rollen gespielt hat. Aber dafür gab es einen guten Grund: Mehr als tausendmal verkörperte Berger am Münchner Residenztheater den Tod im "Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben". Und auch in der Fernsehfassung der Theaterinszenierung brillierte der gebürtige Münchner als lebenslustiger Tod, der sich bei Kirschgeist und Kartenspiel vom Büchsenmacher Kaspar Brandner weitere Lebensjahre abluchsen lässt. Am Heiligabend 1975 lief das Stück zum ersten Mal im Fernsehen und ist seitdem zu einer der Kultsendungen des BR Fernsehens geworden.

In Kultserien von Franz Xaver Bogner

Toni Berger selbst wurde 83 Jahre alt und stand bis zuletzt auf der Bühne und vor der Kamera, zum Beispiel als Pfarrer Bartl im "Café Meineid". Das war nicht der einzige Serienklassiker, den Franz Xaver Bogner für das BR Fernsehen gedreht und bei dem Toni Berger mitgespielt hat. Berger war der schwerreiche Sägewerksbesitzer Martin Binder in "Irgendwie und Sowieso" und der schrullige Kometen-Sepp in "Zur Freiheit". Der Volksschauspieler Berger führte im Komödienstadel als "verkaufter Großvater" Familie und Freunde an der Nase herum und in einigen Folgen des "Pumuckl" war er ein Wirtshauskumpan vom Meister Eder.

Ein gebürtiger Münchner

Am 27. März 1921 geboren, wuchs Berger im Münchner Stadtteil Au auf. Als Kind spielte er im Hinterhof Kaspertheater und war, wie er in einer BR-Dokumentation erzählte, mitunter recht frech. Später wollte er unbedingt zum Theater und hat während des Zweiten Weltkriegs an den Kammerspielen seine Schauspiel-Prüfung abgelegt. Nach dem Krieg folgten Engagements am Hoftheater in Sigmaringen – ganz klassisch mit Schiller, aber auch Shakespeare oder Ödön von Horvath – dann in Bielefeld, Mannheim und Berlin. 1972 kehrte Berger nach 27 Jahren wieder nach München zurück.

Das Lachen des Boandlkramers

Die Rolle des Boandlkramers wollte er zuerst gar nicht spielen. Kurt Meisel, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiel, hat ihn dann überredet, es wenigstens zu probieren. "Die Stimme war das Schwierigste", erzählte Berger später. Schwierig, weil er die verstellte Stimme den ganzen Abend durchhalten und entsprechend lachen musste. Dafür hatte er sich von seiner Großmutter in Regensburg inspirieren lassen, die gerne lachte, wenn ihr Enkel Witze machte, aber wenig Atem dafür hatte. Daraus entwickelte Berger für den Boandlkramer die typische hohe Lache mit dünner Stimme.

Auch an seiner Frau ist ihm gleich am Anfang das Lachen aufgefallen. Getraude, damals noch Lewisch, war auch Schauspielerin und hatte, wie Berger fand, auf der Bühne ein zu schüchternes Lachen. Er selber konnte auf Kommando schallend loslachen, unter Einbeziehung des Zwerchfells. Auf schauspielerisches Handwerk, wie zum Beispiel die Sprecherziehung, hat Berger großen Wert gelegt.

Toni Berger und Gertraude, die eine Tochter zur Welt gebracht hat, waren über 50 Jahre lang verheiratet. Sie verbrachten viel Zeit im österreichischen Bad Goisern. München wurde zum Zweitwohnsitz, und schließlich zum Ort der letzten Ruhe für Toni Berger. Er starb am 29. Januar 2005 und wurde am Ostfriedhof beigesetzt.


17