Unternehmen - Geschichte des BR


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Vor 90 Jahren Start der Frühgymnastik im BR

Am 3. Dezember 1928 lief zum ersten Mal eine Frühgymnastik-Sendung im Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks.

Von: Ursula Zimmermann

Stand: 28.11.2018

Seit Ende der 1920er Jahre war Frühgymnastik ein fester und beliebter Bestandteil im Programm des BR, damals noch die "Deutsche Stunde in Bayern". In der "Radiowelt" von 1947 liest man, die morgendlichen Stemmübungen hätten sich anfangs vor allem an die vollschlanken und verkaterten Rundfunkteilnehmer und Teilnehmerinnen gerichtet.

1946 übernahm Claire Brill die Funk-Gymnastik. "Wer locker lebt, hat mehr vom Leben" war ihr Motto. Sie war gelernte Krankengymnastin. Bedingt durch die Kriegsjahre konzipierte sie ihre Gymnastik-Sendungen anders als die anfänglichen Übertragungen. Ihre Atem- und Ausgleichsgymnastik sollte "keine zusätzliche Beanspruchung unseres kaloriengeschwächten Körpers" sein, sondern zum "Geschmeidiger- und Beweglicherwerden unseres verkrampften Körpers" führen.

Aus: Hörerpost Radio München Wochenbericht vom 26.10.1948

Ein Hörer kritisiert die Begrüßung und persönliche Ansprache der bei den Gymnastiksendungen anwesenden Schüler und Schülerinnen durch Claire Brill. Der Hörer findet außerdem die Klavierbegleitung in den Sendungen mit Herrn Ehgartner besser als bei Herrn Alfons Tiefenböck, dessen "undeutliche Stimme aus dem Hintergrund oder durch ein hineingeworfenes kurzes mechanisches Lachen" dem Hörer seltsam anmute.

"Die Hupferte in der Früh"

Claire Brill und Alfons Tiefenböck

"Guten Morgen verehrte Hörerinnen, verehrte Hörer, hier sind wir schon wieder. Alfonso sitzt am Klavier, ich bin bereit, und wir bitten Sie herzlich, stehen Sie doch schon auf, auch wenn es noch sehr früh ist. Oder machen Sie eine kleine Pause beim Frühstück und turnen Sie mit uns."
Die Übungen variierten, mal stimmte Claire Brill die Bewegungen auf bestimmte Berufsgruppen ab, mal auf spezielle Körperpartien wie Rücken, Bauch oder Füße und auch die Krampfadergeschädigten wurden bedacht. Die Klavierbegleitung reichte von Jazzmusik bis hin zum alten Schlager, geturnt und gesprochen wurde vor dem Mikrofon – alles live. Mitunter waren auch turnende Studiogäste anwesend – mehr oder weniger erfolgreich, wie Brill 1992 in einem Interview erzählte:

"Eine Zeitlang hatte ich Mitturner, Begeisterte, die kamen morgens früh. Aber das wurde dann ein solches Tohuwabou und ein solches Gelächter. Einmal ist der Büstenhalter geplatzt bei einer, die war im Bikini da und der Tiefenböck spielte nicht mehr weiter, ich konnte nicht mehr sprechen. Das wurde natürlich von oben sehr moniert"

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Claire Brill und Herr Tiefenböck am Klavier sind mittlerweile Rundfunkgeschichte. Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte konnten die Hörer und Hörerinnen zwar immer noch fleißig vor ihrem Radio turnen, allerdings passte sich die Sendung dem jeweiligen Zeitgeschmack an. Es kamen Gymnastiksendungen für Kinder dazu, kurzzeitig gab es auch eine Abendgymnastik für Sekretärinnen. 1956 hörte Claire Brill beim Bayerischen Rundfunk auf. In der Folgezeit gab es zwar weiterhin Gymnastiksendungen, allerdings nicht immer regelmäßig. Die letzte Frühgymnastik-Sendung wurde im Hörfunk am 30. Juni 2003 ausgestrahlt. Sie lief damals allerdings nicht mehr unter dem Titel "Frühgymnastik", sondern hieß seit 1987 "Tu was für Dich".


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