Unternehmen - filmtonart


10

Große Melodien unter Zeitdruck Komponieren für Serien

Die Musik zu Kult-Serien wie „Breaking Bad“ oder „Game of Thrones“ steht den großen Hollywood-Soundtracks in nichts nach. Neben enormem Zeitdruck warten noch weitere Herausforderungen auf die Komponisten: Die serielle Erzählform ist ein „work in progress“ – die Handlung entwickelt sich stetig weiter, die Komponisten müssen diesen Prozess musikalisch aufgreifen. Und: Es darf weder langweilig noch eintönig klingen. Bei FilmTonArt geben Maurizio Malagnini („The Paradise“) und Michael Price („Sherlock“) Einblick in den Entstehungsprozess ihrer preisgekrönten Scores.

Stand: 21.06.2016

Poster zu der Serie Sherlock | Bild: BBC

Serienjunkies dürfen sich freuen – das Fernsehen, vor allem auch die BBC, kreiert immer mehr neue Welten, anspruchsvoll und populär wie Hollywoodfilme. Beliebte Literatur wie Sherlock Holmes wurde modernisiert und gewann als „Sherlock“-Miniserie zahlreiche Preise ein. „The Paradise“ taucht tief in das Leben vor 140 Jahren ein und handelt vom Alltag der oberen Zehntausend, als Konkurrenz zur Erfolgsserie „Downtown Abbey“. Und „Call the Midwife“, aufwändig produziert und preisgekrönt, zeigt das harte Leben der Hebammen im verarmten Londoner East End der Nachkriegszeit.

Komponisten wie Maurizio Malagnini und Michael Price stehen dabei vor besonderen Herausforderungen. Titelmusiken müssen schon sehr früh komponiert werden, manchmal sogar, bevor feststeht, wovon sie genau handelt. Und noch etwas müssen sie berücksichtigen. Video-on-Demand-Angebote boomen, so dass Fans ihre Lieblingsserien gleich am Stück sehen können. „Binge watching“ heißt das, auch „Serienmarathon“ oder „Komaglotzen“ genannt. Das erfordert die Kreativität der Komponisten: Die Klangwelt soll dabei nicht zu aufdringlich sein und sich doch immer neu gestalten.

Meisterstücke des musikalischen Storytelling

Der gebürtige Italiener Maurizio Malagnini lebt heute in London und schreibt Scores zu TV-Dramen, Animationsfilmen und Dokumentationen. Schon als Kind begeisterte er sich für Filmmusik, und als er „Cinema Paradiso“ mit der Musik von Ennio Morricone sah, beschloss er, selber Komponist zu werden. Während seines Studiums für symphonische Komposition in Italien interessierte er sich auch für Filmmusik, und er wechselte ans britische Royal College of Musik, wo er seinen Master-Abschluss in Filmkomposition erwarb. 2009 bekam er erste Kontakte zur BBC und fiel durch seine große Kreativität auf. Darüber hinaus arbeitet er auch für MTV, SKY und RAI. Seine Musiken werden u.a. vom Hollywood Studio Symphony Orchestra, dem BBC Philharmonic Orchestra oder von seinem eigenen Ensemble, Cinema Paradiso, gespielt. Auch sein Soundtrack zur Krimireihe „The Body Farm“ über eine Rechtsmedizinerin und ihre komplizierten Fälle oder „The Paradise“ mit rund sechs Millionen Fans trugen zur großen Popularität der BBC-Serien bei. 2015 wurde sein Score zu „The Paradise“ mit einer Emmy-Nominierung bedacht und als „Meisterstück der musikalischen Erzählkunst“ gelobt. Internationale Anerkennung sowie vier Musik- und Sound-Awards krönen diese Kompositionen. Malagninis Geheimnis: „Ich fühle die Emotionen der Charaktere. Manchmal träume ich mit ihnen, hoffe mit ihnen, liebe mit ihnen, und wenn das passiert, wird die Musik authentischer und erreicht direkt die Herzen des Publikums.“ Die besten Ideen habe er im Zug, beim Spazierengehen im Park oder beim Kochen. Seine jüngsten Projekte: die Musik zum TV-Drama „The C Word“ nach Lisa Lynchs Buch über ihre Krebserkrankung, die fünfte Staffel von „Call the Midwife“ und eine TV-Adaption von „Peter Pan“ mit dem Titel „Peter & Wendy“. 2016 wählte ihn die International Film Music Critic Association zum „Komponisten des Jahres“.

Mit „Sherlock“ zum Emmy

Ursprünglich begann Michael Price eine Laufbahn als Pianist und Komponist für Contemporary Dance, doch als sein Kollege Michael Kamen ihn bat, an der Musik zum Science-Fiction-Film „Am Rande des Universums“ mitzuwirken, blieb Price seitdem dem Film-Genre treu und arbeitete an vielen Blockbustern mit. So war er u.a. Musik Editor bzw. Arrangeur bei der Kult-Trilogie „Der Herr der Ringe“, „Bridget Jones: Am Rande des Wahnsinns“ und „X-Man“. 2003 machte sich Michael Price als Komponist selbstständig und erntete höchstes Lob und zahlreiche Preise für seine Arbeit. Zu seinen bekanntesten TV-Kompositionen zählt der Score zur mehrfach preisgekrönten Krimireihe „Sherlock“, den er gemeinsam mit David Arnold entwickelt. Die Musik zur Folge „Sherlock – Sein letzter Schwur“ erhielt 2014 den Emmy. Einer von vielen Preisen in seiner langen Karriere. 2015 veröffentlichte Michael Price sein erstes Musikalbum, vom „Rolling Stone“-Magazin als „großartig“ gelobt. Seine Kompositionen werden mittlerweile von seiner eigenen Musikgruppe, dem Michael Price Trio und Ensemble, international aufgeführt, darunter z.B. in der Royal Albert Hall in London, beim Reeperbahn Festival in Hamburg und in der Casa da Musica in Portugal. Aktuell arbeitet Price an der Musik für das Krimidrama „Unforgotten“ und die Fernsehserie „Jekyll & Hyde“.

Carlos Gerstenhauer – Hochgelobte „Macher“-Porträts

Regisseur, Produzent, Autor, Journalist, Filmemacher – Carlos Gerstenhauer hat viele Seiten. Seit 20 Jahren beim Bayerischen Rundfunk übernahm er im Februar 2016 die Leitung der Redaktion Kinofilm im Programmbereich Spiel-Film-Serie. In seiner langen Tätigkeit für den BR machte sich Gerstenhauer vor allem einen Namen als Autor zahlreicher Beiträge für „kinokino“, „Capriccio“, aber auch der TV-Kultursendung „Titel Thesen Temperamente“. Als Filmexperte berichtete er von vielen internationalen Festivals wie Cannes, Venedig und Berlin. Viel Beachtung finden seine Filmessays und Reportagen unter anderem über Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck oder den Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg. Bei der Hommage an den Produzenten Bernd Eichinger, „Der Bernd“, die 2012 beim Filmfest München uraufgeführt wurde und viel Lob von der Presse erhielt, führte Carlos Gerstenhauer die Regie.

Panel

Große Melodien unter Zeitdruck – Komponieren für Serien
Studio 1, 16:00 Uhr

Gäste
Maurizio Malagnini Ɩ Komponist
Michael Price Ɩ Komponist

Moderation
Carlos Gerstenhauer Ɩ Redaktionsleiter Kinofilm


10