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Zwischen den Welten Musik zu Games und Film

Wie muss Gamemusik klingen, damit sie auch bei der x-ten Wiederholung nicht nervt? Worin unterscheidet sich die Gamemusik von der Filmmusik? Und: Haben etablierte Komponisten Berührungsängste mit der Spielemusik - oder bestehen bereits enge Kontakte? Spannende Fragen, die die beiden Komponisten und Produzenten René Dohmen und Helge Bogarts im Gespräch mit Moderatorin Vanessa Schneider klären möchten – aktuelle Musiktrends bei Videospielen inklusive.

Stand: 11.05.2016

Komponist und Produzent Helge Borgarts | Bild: BR/Lisa Hinder

Die Gamemusik hat einen Quantensprung hinter sich: vom synthetischen Piepsen und Dudeln à la Super Mario zum voluminösen Orchester-Soundtrack. Atmosphärische Klänge, epische Musik und psychologisches Underscoring unterstützen die Handlung, beeinflussen die Emotionen des Gamers und erhöhen den Spielreiz – optimale Voraussetzungen zum Abtauchen in die Videowelt, in der die Games mittlerweile Spielfilmqualität erreichen. Wie stark Film und Videospiel sich heutzutage wechselseitig beeinflussen, wird an Ausschnitten aus dem Action-Adventure-Spiel „Beyond: Two Souls“ verdeutlicht. Am Beispiel des Adventure-Games „Journey“ wird demonstriert, wie adaptiv die Musik auf die nahtlosen Übergänge zwischen Film- und Spielsequenz reagiert. Signifikante Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten von Musik in Games und Filmen möchten René Dohmen und Helge Bogarts in ihrem Gespräch ebenfalls aufzeigen.

René Dohmen: Vom Punk zum „Tatort“-Komponisten

Für viele Teenager ein Jugendtraum – René Dohmen aus Jülich machte ihn wahr: Als Schüler spielte er Gitarre in Punkbands, heute ist er Teil des mehrfach ausgezeichneten Komponisten-Duos Dürbeck & Dohmen. Nach der Schulzeit hatte er mit dem Musiker Joachim „Jumpel“ Dürbeck die erste eigene Band gegründet. Acht Jahre lang traten sie gemeinsam auf, veröffentlichten drei Alben und sieben Singles. Über 400 Gigs spielten sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden und England. Dann löste sich die Band auf, und für René Dohmen und seinen Kompagnon begann eine neue Ära: Sie gründeten ihre eigene Firma inklusive Studio und fingen an, Musik für Filme zu schreiben – Werbung, Games, Kino- und TV-Produktionen (u.a. der „Tatort: Kartenhaus“, der diesjährige Wettbewerbsfilm beim Talent Award). Mit Erfolg, 2006 erhielt das Kölner Duo die Goldene Palme des Mostra de Valencia-Filmfestivals für die Musik zum Spielfilm „Magic Eye“ und 2008 den Max-Ophüls-Preis für den Soundtrack zum Kinofilm „Selbstgespräche“. Nun haben sie über Kooperationen, unter anderem mit der MediaDesign Hochschule, Ihren Eintritt in die Gamesbranche gefunden und arbeiten derzeit an Ihrem ersten internationalen Projekt. Für ihren speziellen Sound, eine Mischung aus elektronischer und klassischer Musik, entwickelte Dürbeck & Dohmen eine eigene Instrumenten-Library.

Helge Borgarts: Produzent und „Moorhuhn“-Komponist

Er ist vieles: Komponist, Spieleproduzent, Geschäftsführer, Kurator beim Medienmusikkongress „Soundtrack Cologne“ und Dozent. Inzwischen kann Helge Borgarts auf über 15 Jahre Berufserfahrung in der Spieleindustrie in leitender Position für Entwicklung und Komposition zurückblicken. Angefangen hat alles mit einem Akkordeon, auf dem er als Zehnjähriger am Akkordeon-Orchester Oberhausen Unterricht bekam. Nach einer zusätzlichen Gesangsausbildung hatte er noch kurz mit einer Karriere als Wagner-Tenor geliebäugelt, doch aus seinem Studentenjob bei einem Spieleentwickler in Mühlheim an der Ruhr bildete sich die endgültige berufliche Entscheidung als Komponist und Produzent zu arbeiten. Seine Laufbahn startete er bei Blue Byte Software (u.a. „Die Siedler“) und baute als Geschäftsführer des sysis interactive simulations Germany eines der ersten deutschen Unternehmen für Onlinespiele auf. Von 2006 bis 2013 arbeitete Helge Borgarts als Geschäftsführer der phenomedia publishing gmbh, die durch die Marke „Moorhuhn“ bekannt wurde. 2010 entwickelte er u.a. den Soundtrack zum Videospiel „Jade Rousseau - Die geheimen Evangelien“, der mit der Staatskapelle Halle aufgenommen wurde.

Seit 2011 ist Helge Borgarts zudem als Programmleiter für den Bereich Games Musik bei einem der Partner von filmtonart, dem renommierten Film- und Medienmusik Festival Soundtrack_Cologne, verantwortlich und ist regelmäßiger Gastdozent an verschiedenen deutschen Hochschulen. Heute arbeitet er als freier Komponist und Produzent und war u. a. für den Soundtrack zu „Moorhuhn – Tiger & Chicken“ verantwortlich, das 2013 den Deutschen Entwicklerpreis als bestes Mobile Core Spiel gewann.

Vanessa Schneider: Redakteurin, Moderatorin, Gamerin

Eigentlich müssten ihre Augen längst viereckig sein – wie ihre Mutter immer gewarnt hat: Denn die meiste Zeit hat Vanessa Schneider eigentlich schon immer vor dem Bildschirm verbracht: Games spielend oder Filme schauend. Im Studium der Amerikanistik, Geschichte und Populären Musik beschäftigte Vanessa sich außerdem ausführlich mit der Funktion der Musik in amerikanischen Filmmusicals. Nach Stationen in Washington DC, Barcelona und zuletzt Berlin, lebt sie ihre Leidenschaften bei PULS aus, dem jungen Programm des Bayerischen Rundfunks - als Kulturredakteurin und Moderatorin der Pop-Musiksendung Plattenbau.

Panel

„Zwischen den Welten – Musik zu Games und Film“
Studio 2, 14:30 Uhr

Gäste
René Dohmen Ɩ Komponist • Produzent 
Helge Borgarts Ɩ Komponist • Produzent

Moderation
Vanessa Schneider Ɩ Moderatorin PULS


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