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Jetzt wird gejazzt Musiklegende Klaus Doldinger eröffnet filmtonart 2015

Auf ein besonderes Highlight dürfen sich die Besucher von filmtonart 2015 gleich zu Anfang freuen: Jazzlegende und Filmkomponist Klaus Doldinger spricht in diesem Jahr die Keynote. Aber der Vollblutkünstler spricht nicht nur über die Musik, er spielt sie auch - gemeinsam mit seinem Band-Kollegen Roberto di Gioia von „Passport“. Flügel und Saxophon, dazu bekannte Melodien: ein stimmungsvoller Auftakt zum Tag der Filmmusik.

Stand: 03.06.2015

Klaus Doldinger | Bild: Natasha Heuse

Die prägnante Titelmelodie zum „Tatort“ stammt von ihm – mit der Musiklegende verbinden wir sehr viel mehr. Klaus Doldinger schenkte uns unvergessene Highlights wie „Das Boot“ oder „Die unendliche Geschichte“. Kaum eine Filmmusik bereitet den Zuschauer emotional so sehr auf die Story vor wie der Soundtrack aus seiner Feder. Darüber hinaus gilt der gebürtige Berliner als erster Jazzmusiker überhaupt in Deutschland und feierte auch internationale Erfolge mit seiner eigenen Band „Passport“, die Jazz und Rock mühelos vereint. Die stolze Bilanz: Tourneen durch 50 Länder, 5.000 Live-Auftritte und über 2.000 Kompositionen, darunter über 100 Kino- und TV-Soundtracks. Drei Echos, einer für das Gesamtwerk, und das Bundesverdienstkreuz sind nur einige der zahlreichen Auszeichnungen für das großartige Schaffen dieses unermüdlichen Klangzauberers.

Von Berlin nach Bayern

Tatsächlich hat Doldingers Liebe zum Jazz amerikanische Wurzeln. Nach dem Kriegsende – seine Familie flüchtete von Berlin über Umwege nach Bayern – hörte er als Kind bei amerikanischen Besatzungstruppen zum ersten Mal Jazzmusik. Für den Zehnjährigen ein Schlüsselerlebnis. Und schon mit elf Jahren bekam der höchst talentierte Junge parallel zum Gymnasium ein Sonder-Stipendium am damaligen Robert-Schumann-Konservatorium (heute: Staatliche Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf) und studierte dort u.a. Klavier, Klarinette, Harmonielehre und Musiktheorie. Nach dem Abitur 1958 schloss er ein Studium der Tontechnik und Musikwissenschaften an. Und wurde Tonmeister.

In den 50er Jahren hatte Klaus Doldigner seine erste Band gegründet: die Dixieland-Gruppe „The Feetwarmers“ (1952). Seine erfolgreichste Formation, „Passport“ (34 Alben), entstand 1971, damals noch mit einem völlig unbekannten, aber irgendwie schon schrägen Musiker am Schlagzeug: Udo Lindenberg. Ein Jahr zuvor hatte das Fernsehen Doldinger endgültig entdeckt – als Komponist der unsterblichen „Tatort“-Melodie. Für seine Fans hat er den kurzen Trailer mittlerweile zum richtigen Arrangement ausgebaut und spielt die Kult-Musik gern bei seinen Live-Auftritten, Improvisationen eingeschlossen.

Ehrenbürger von New Orleans

Auch wenn er Klavier und Klarinette beherrscht, Klaus Doldingers Lieblingsinstrument ist das Saxophon. Schon als junger Musiker beeindruckte er die Amerikaner. 1960 tourte er zum ersten Mal durch die USA, spielte Dixieland und wurde mit 24 Jahren sogar Ehrenbürger der Stadt New Orleans, der Mutter des Jazz.

Unsterbliche Filmmelodien und neues Album

Mit seinen unzähligen einprägsamen Kompositionen schrieb Klaus Doldinger Film- und Fernsehgeschichte. Ebenso ist die Einführung des Farbfernsehens untrennbar mit ihm verbunden: Als 1967 die ersten Sendungen in Farbe ausgestrahlt wurden, erklang kurz zuvor stets ein eigens komponierter Doldinger-Trailer. Von ihm stammen auch die Scores zu etlichen „Tatort“-Folgen, er schrieb die Titelmusik zum Krimi-Dauerbrenner „Ein Fall für zwei“, zu Peter Zadeks Simmel-Verfilmung „Die wilden Fünfziger“, zu Oliver Storz’ Doku-Film „Im Schatten der Macht“ und immer wieder zu Krimis wie „Der Alte“, „Polizeiruf 110“, „Wolffs Revier“, „Rosa Roth“. Und zuletzt zur Krimikomödie „Der Bulle und das Landei“ mit Uwe Ochsenknecht und Diana Amft.

Als Musiker ist der 79-Jährige weiterhin aktiv. Mit „Passport“ brachte er gerade das neue Album „En Route“ heraus und tourt damit durch Konzerthäuser. Und sein ambitioniertes Symphonic Project mit einer Klassik-Version seiner bekanntesten Melodien bringt große Orchester gemeinsam mit „Passport“ auf die Bühne. Klaus Doldinger, das Jazz-Genie. Seine Kreativität hat ebenso wenig nachgelassen wie seine Bedeutung für die (Film-)Musik. Was ihn jung und fit hält: täglich üben – auch in 20 Jahren noch, sagt er.

Roberto Di Gioia

Roberto Di Gioia kommt im Mailand des Jahres 1965 zur Welt. Mit vier Jahren beginnt er Klavier zu spielen. Bereits ein Jahr später begleitet er die Beatles auf seiner Heimorgel, während ihre Songs aus dem Radio dröhnen. Seit damals gehören die Pilzköpfe zu seinen allzeit gültigen Top-Favs.

Nach der Schule, die er in Deutschland absitzt, konzentriert er sich ab Mitte der 80er auf seine Karriere als Profi-Musiker. Auf seinen merkfreundlichen Namen stößt die nationale Musikszene erstmals 1990, als er bei Klaus Doldinger einsteigt. Udo Lindenberg und Helge Schneider stehen in der Folge genauso auf seiner Koop-Liste wie die amerikanischen Jazzer Art Farmer, Johnny Griffin, Joe Lovano und Clark Terry.  

Mitte der 90er beginnt er eigene Projekte zu realisieren und macht zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Wolfgang Haffner die Zappelbude auf. Ende der 90er erblickt Marsmobil das Licht der Welt. 1999 erscheint eine erste Vinylveröffentlichung.

2004 publiziert Roberto Di Gioias Marsmobil auf dem renommierten deutschen Jazzlabel ACT sein Debütalbum "Strange World". NuJazz, Minimal-Electro und Lounge-Pop gehen darauf eine eigenwillige Liaison mit den musikalischen Idealen der Beatles-Ära ein. Für Roberto Di Gioia stellt "Strange World" die Quintessenz seines 20-jährigen musikalischen Schaffens dar.


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