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Racheepos zu klassischen Klängen Der Soundtrack zum Tatort „Im Schmerz geboren“

Wie passt eigentlich klassische Musik von Beethoven und Brahms zu einem „Tatort“ von großer emotionaler Wucht und Spannung? Und wie lässt sich so eine Partitur in brutalen Szenen auf die Bewegungen der Schauspieler umsetzen? Besondere Musik für einen besonderen „Tatort“. Die Folge „Im Schmerz geboren“ erntete höchstes Kritikerlob, ist preisgekrönt und lief auf zahlreichen Festivals.

Stand: 03.06.2015

Ulrich Tukor in: Im Schmerz geboren | Bild: Philipp Sichler HR

„Im Schmerz geboren“ – ein „Tatort“ wie ein Shakespeare-Melodram und Western in einem. LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) wird von der Vergangenheit eingeholt, als sein einst bester Freund (Ulrich Matthes) in sein Leben zurückkehrt. Doch der verfolgt einen teuflischen Plan, der in einem monumentalen Rache-Epos endet. Eine eigenwillige Geschichte, bei der die Filmmusik eine exponierte Rolle spielt - zugleich eine außergewöhnliche Premiere für das hr-Sinfonieorchester, das die Musik teilweise exklusiv eingespielt hat. Doch wie gelingt die richtige musikalische Dramaturgie? Wie findet man passendes Notenmaterial, um dem Tempo des Films gerecht zu werden? Zur Idee, auf klassische Musikstücke zurückzugreifen, erklärt Regisseur Florian Schwarz: „Der Film hat auch eine tragische Ebene, Wahnsinn spielt eine Rolle, und um das rauszukitzeln und spürbar zu machen, dafür war diese Musik einfach ideal.“

Viel Stoff jedenfalls für eine spannende Diskussion mit Schauspieler Ulrich Tukur, Regisseur Florian Schwarz und dem Chefdramaturg des hr-Sinfonieorchesters, Andreas Maul.

Andreas Maul: Musikwissenschaftler, Dramaturg und Manager

Als Chefdramaturg des hr- Sinfonieorchesters schafft Andreas Maul den Spagat zwischen Pressearbeit und Programmplanung. Und auf eine äußerst vielseitige Ausbildung kann er außerdem zurückblicken. Schon während seines Studiums der Musikwissenschaft, Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Frankfurt am Main arbeitete er ab 1980 für die Hörfunkabteilung des Hessischen Rundfunks: als Aufnahmeleiter, Regisseur und Autor.

Ab 1987 verantwortete er dann den Bereich Wort-Musik-Produktion in der Hauptabteilung Musik. In die Dramaturgie wechselte Andreas Maul 1991, hauptsächlich als Dramaturg, Redakteur und Autor für das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks. Seit 2009 leitet er die Abteilung Dramaturgie im Management des hr-Sinfonieorchesters.

Ulrich Tukur: Liebe zur Musik und doppelbödigen Charakteren

Abgründige, zerrissene Charaktere, Bösewichte mit gefährlichem Charme, historische Persönlichkeiten und charismatische Verführer, die eine düstere Macht besitzen, spielt er am liebsten. Es ist die Doppelbödigkeit seiner Rollen, die ihn dabei reizt. Auch sein „Tatort“-Kommissar Felix Murot nimmt eine Sonderstellung unter den Kommissaren ein: ein Melancholiker mit inzwischen geheiltem Gehirntumor.

Ulrich Tukur, einer der profiliertesten deutschen Schauspieler, 1957 im hessischen Viernheim geboren, studierte Germanistik, Anglistik und Geschichte in Tübingen. Außerdem trat er als Musiker auf, wurde für die Bühne entdeckt und absolvierte von 1980 bis 1983 sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Gleich zwei renommierte Regisseure wurden auf ihn aufmerksam: Michael Verhoeven, der ihm erste Filmrollen verschaffte, und Peter Zadek, der Tukurs Durchbruch am Theater ermöglichte. Ulrich Tukur, vielfach preisgekrönt, glänzte in unzähligen Rollen: als „Bonhoeffer“ (Grace Award Los Angeles), als Stasi-Offizier in „Das Leben der Anderen“ (Deutscher Filmpreis 2006 für die beste männliche Nebenrolle), als „John Rabe“ (u.a. Bayerischer und Deutscher Filmpreis 2009) und als „Rommel“ (Bambi 2012 als bester Schauspieler national). Zuletzt verkörperte Ulrich Tukur den Tierfachmann und Moderator Bernhard Grzimek. Auch als Musiker und Sänger begeistert Ulrich Tukur weiterhin: Mit seiner Tanzkapelle „Die Rhythmus Boys“ lässt er die 20er- und 30er Jahre aufleben.

Jörg Himstedt: Spielfilm- und Tatortredakteur beim HR

Seit 2001 betreut Jörg Himstedt die Fernseh- und Kinoproduktionen der Spielfilmredaktion des HR mit. Von ihm redaktionell begleitete Werke holten neben dem Medienkulturpreis auch den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis zum HR.

Beachtliche Erstlingswerke wie „Oh Boy“, „Kroko“ oder auch „Katze im Sack“, das Debüt von Regisseur Florian Schwarz, sind mit Jörg Himstedt als Redakteur entstanden.

Himstedt legt als Grundlage für ein erfolgreiches, inspiriertes Arbeiten großen Wert auf ein enges, persönliches Verhältnis zu den Filmschaffenden. Diese Philosophie und das gute Gespür zahlte sich aus, als Florian Schwarz von dem HR-Redakteur das Vertrauen und die Möglichkeit bekam, mit dem Tatort „Im Schmerz geboren“ seine Vision eines fulminanten Racheepos ins deutsche Fernsehen zu bringen.

Die Serie an Auszeichnungen setzt sich mühelos fort. Erst im Juni 2015 gewann Jörg Himstedt zusammen mit seiner Kollegin Liane Jessen den Medienkulturpreis – erneut für einen Tatort. Wie schon im Vorjahr zeichnet der Preis die Spielfilmredaktion des HR für ihren Mut aus, dem Publikum auch komplexe Filmwerke zuzutrauen und damit die Medienkultur im Lande zu erhalten, so der Festivalleiter Dr. Michael Kötz.

Moderator Markus Aicher: Seine Welt ist das Kino

Markus Aicher studierte Politikwissenschaften, Recht, Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Italienisch an der LMU in München. Er ist seit 1990 in verschiedenen Funktionen und Redaktionen beim Bayerischen Rundfunk tätig, u.a. als Redakteur, Chef vom Dienst, Moderator. Er kuratierte u.a. Programmreihen für Filmfestivals, war als Filmkritiker sowie im Dokumentarfilmbereich im Bayerischen Fernsehen tätig und leitet derzeit im BR im Programmbereich BAYERN 3 & Jugend die Koordinationsstelle Kino/Film. Er ist Lehrbeauftragter an der HFF, Initiator und Leiter der "Musikfilmtage Oberaudorf" und stellvertretender Vorstand des Verbands Bayerischer Filmfestivals.

Panel

Racheepos zu klassischen Klängen
Der Soundtrack zum Tatort „Im Schmerz geboren“
Studio 2, 14.30 Uhr

Gäste
Andreas Maul | Leiter Dramaturgie und Kammerkonzerte beim Hessischen Rundfunk
Jörg Himstedt | Redakteur
Ulrich Tukur | Schauspieler • Musiker

Moderation
Markus Aicher | Moderator BR


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