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Gamemusik made in Bayern Kunterbunte Musik für „The Last Tinker: City of Colours“

Keine Frage: Die Gamebranche boomt und hat vor allem auch in Bayern Fuß gefasst. Preisgekröntes Beispiel ist „The Last Tinker“ - das knallbunte Actionspiel mit dem pfiffigen Affenhelden, in München entwickelt und gefördert. Wie entstand eigentlich der abwechslungsreiche Soundtrack dazu? Antworten geben u.a. Game Audio Designer Filippo Beck Peccoz und Prof. Dr. Klaus Schaefer vom FFF Bayern.

Stand: 03.06.2015

District green | Bild: Mimimi Production

2.700 Soundeffekte, 70 Minuten Musik – so klingt der passende Soundtrack zum Game-Abenteuer „The Last Tinker“. Waren es anfangs bloß Töne, die die Videogames untermalten, so entwickelte sich aus der Klangkulisse inzwischen eine eigene Kategorie: die Gamemusik, die sich in ihrer Emotionalität sogar der Filmmusik nähert. Wie Filippo Beck Peccoz nun die Herausforderung meisterte, ein musikalisches Äquivalent für die kunterbunte Welt von „The Last Tinker“ zu gestalten, verrät er in diesem Panel. Warum er diese Arbeit als großen Spielplatz empfand, und woher er überhaupt seine Inspiration nahm, bringt er ebenso zur Sprache. Dominik Abé, Gründer der Mimimi Productions, und Prof. Dr. Klaus Schaefer, Geschäftsführer des FFF Bayern, geben außerdem Einblick in die Produktionsbedingungen von „The Last Tinker“.

Filippo Beck Peccoz: Mit Leib und Seele Gamemusiker  

Auch wenn er am Berklee College of Music in Boston, Massachusetts,Filmkomposition studiert hat - Filippo Beck Peccoz’ Herz schlägt vor allem für die Gamemusik. Beruflich hat sich der Halbitaliener (*1982) in seiner Geburtsstadt München niedergelassen und produziert hier unterschiedliche Sound Designs und Effekte sowie Musikkompositionen, auch für Fernsehen, Film und Kunst-Installationen.

Kurz nach seinem Studienabschluss 2009 begann er seine Tätigkeit als freiberuflicher Game Audio Designer. Zu seinen frühen Projekten gehören das Action-Game „Bomberman Battlefest“ und „Astrolugs“. Schon 2011 arbeitete Filippo Beck Peccoz mit Mimimi Productions zusammen, die zwei Jahre später dann „The Last Tinker“ herausbrachten. Auf der Suche nach dem wahren „Tinker“-Sound experimentierte er intensiv und schuf schließlich eine kunterbunte, abwechslungsreiche Musikmischung, die dem farbenfrohen Actionspiel entspricht. Alles ist darin vereint: vom Film-Noir-Song über Surf-Rock-Track bis zum klassischen Orchesterklang. Hinzu kommen etliche Soundeffekte für die Kampfszenen.

Filippo Beck Peccoz arbeitet darüber hinaus für Travian Games, Klong Games und Ravensburger Digital. Dem Vollblut-Komponisten kommt es vor allem darauf an, für Innovationen bei der Gamemusik zu sorgen. Als Game Audio Designer möchte er nicht einfach nur für Begleittöne bei den Spielen sorgen, sondern aktiv an der akustischen Gestaltung mitwirken und innovative Konzepte dafür entwickeln. Die Musik als eigenständiges Element der Videospiele – daran arbeitet er intensiv. 

Außerdem moderiert er eine Vielzahl von Game Audio Events in und um München, u.a. für den Bayerischen Rundfunk. 2011 organisierte er das Game Audio Forum in München, ist Gründer und Präsident des Berklee Video Game Music Clubs und organisierte zahlreiche Events in Boston.

Dominik Abé: Vom Computer-Kid zum preisgekrönten Spiele-Entwickler

Computer, vor allem Computerspiele, haben Dominik Abé schon immer fasziniert. Es war nicht nur die Lust am Spielen selbst, sondern auch die Technik, die ihn besonders daran interessierte. Doch bevor Dominik Abé begann, selber Spiele zu entwickeln, widmete er sich der Musik und absolvierte von 2006 bis 2008 ein JazzProjekt Kompaktstudium am Freien Musikzentrum in München und träumte davon, Jazzgitarrist zu werden. Aber dann gab er seiner „ersten Liebe“, dem Computer, nach und studierte Game Design an der Mediadesign Hochschule für Design und Informatik in München (2008-2011).

Bereits als Student tüftelte er an einem Spiel und belegte 2009 mit dem Geschicklichkeitsspiel „Grounded“ den zweiten Platz beim Newcomer Award des Deutschen Entwicklerpreises. 2011 dann der nächste Schritt: Zusammen mit seinem Kommilitonen Johannes Roth gründete er seine eigene Firma, die Mimimi Productions. Und hat seitdem gut zu tun. Schon im selben Jahr brachten sie ihr spannendes Heißluftballon-Geschicklichkeitsspiel „daWindci“ für den App Store auf den Markt, für das sie 2012 den Apple Design Award gewannen. Für iPads und iPhones entwickelten sie außerdem die Brettspiele-Apps „Whoowasit?“, die digitale Umsetzung vom „Kinderspiel des Jahres 2008“, und „Las Vegas!“ basierend auf dem „Spiel des Jahres 2012“. Und 2014 folgte ihr bislang erfolgreichstes Werk „The Last Tinker – City of Colors“, das gleich mehrere Preise abräumte: Den Deutschen Entwicklerpreis bekamen sie für die Beste Story, Bestes Adventure und Bestes Jugendspiel.

Dominik Abé und sein Team sind weiter kreativ: 2015 brachten sie die Spiele-Apps zu „Janosch: Oh, wie schön ist Panama“ mit den Abenteuern von Tiger und Bär und zum Animations-Filmspaß „Oooops, die Arche ist weg!“ heraus.

Prof. Klaus Schaefer: Jurist und Filmförderer

Wenn es um die Förderung hochwertiger Filme geht, rückt er in den Fokus: Prof. Dr. Klaus Schaefer, Geschäftsführer des FilmFernsehFonds Bayern. Ziel ist die Sicherung einer leistungsstarken Film- und Fernsehlandschaft im Freistaat. Aber auch das 3D-Animationsspiel „The Last Tinker“ wird vom FFF Bayern unterstützt. Prof. Dr. Klaus Schaefer ist studierter Jurist und promovierte nach seinem zweiten juristischen Staatsexamen 1981. Thematisch beschäftigte sich seine Doktorarbeit mit dem Urheberrecht. Schon als Stipendiat am Max-Planck-Institut für internationales Urheber- und Wettbewerbsrecht (1977 bis 1980) widmete er sich diesem Themenbereich.

Nach seinem Studium war Prof. Dr. Schaefer zunächst als Anwalt tätig, wechselte dann aber als juristischer Mitarbeiter ins Bayerische Kultusministerium. Von 1984 bis 1987 war er Referent für Bildung, Wissenschaft und Kultur in der Bayerischen Landesvertretung in Bonn. Anschließend leitete er bis 1989 das Referat für Wissenschaft und Kunst in der Bayerischen Staatskanzlei und übernahm dann bis 1995 die Leitung des Referats Medienpolitik und Medienrecht. 1996 wechselte Prof. Dr. Schaefer zum FilmFernsehFonds Bayern, zunächst als stellvertretender Geschäftsführer, seit 2001 als Geschäftsführer.

Anselm C. Kreuzer: Faible für emotionale, erzählerische Musik

Eigentlich war sein Lebensweg früh vorgezeichnet: Mit neun begann Anselm Kreuzer mit dem Cellospielen, und mit zwölf entdeckte er bereits seine große Leidenschaft fürs Komponieren. Schon damals kombinierte er gern klassische Einflüsse mit modernen Sounds. Heute ist Anselm Kreuzer einer der meist beschäftigten Filmkomponisten und Musikproduzenten. Noch während seines Studiums der Musik- und Medienwissenschaften in Köln erhielt er Kompositionsaufträge für Hörfunk und Fernsehen. Und in seiner Promotion beschäftigte sich Anselm Kreuzer mit dem Thema „Filmmusik“. Er gilt vor allem als Spezialist für TV-Titelmusiken, Serien- und Filmmusik, aber auch Werbemusik. Sein Gesamtwerk umfasst mittlerweile über 1.000 Produktionen, die auch internationalen Erfolg genießen.

Anselm Kreuzer schuf die Musik zu ZDF-Serien wie „Küstenwache“, „Die Chefin“ und „Kripo Holstein - Mord und Meer“. Aus seiner Feder stammen darüber hinaus die Titelmelodien zu vielen Magazin- und Nachrichtensendungen, darunter „Weltreisen“, „Check Eins – Neuneinhalb“, „Lebensläufe“ und „Sachsenspiegel“. Egal, ob Anselm Kreuzer mit Sinfonieorchestern oder elektronischen Mitteln arbeitet, sein Faible für emotionale, erzählerische Musik ist stets spürbar, und seine eingängigen Themen verschmelzen mit den Bildern und Geschichten. Häufig streift er dabei auch die Grenze zwischen Komposition und Sounddesign.

Sein Know-how gibt Anselm Kreuzer gern weiter: als Gastdozent an verschiedenen Hochschulen. Außerdem engagiert er sich als Vorstandsmitglied beim Composers Club und als Arbeitskreisleiter im Branchenverband Eyes & Ears.

Panel

Gamemusik made in Bayern
Kunterbunte Musik für „The Last Tinker: City of Colours“
Studio 2, 16.00 Uhr

Gäste
Dominik Abé │ Gründer und Game Director, Mimimi Productions
Filippo Beck Peccoz │ Game Audio Designer
Prof. Dr. Klaus Schaefer │ Geschäftsführer FFF Bayern

Moderation
Dr. Anselm C Kreuzer │ Komponist • Musikproduzent


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