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Ein Atem Große Gefühle und ein zurückhaltender Score

Europas wirtschaftlicher und politischer Wandel hinterlässt seine Spuren und macht nicht Halt vor dem Intimsten einer deutschen Kleinfamilie. Christian Zübert erzählt die Geschichte einer jungen Griechin, die aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verlässt, um in Frankfurt als Kindermädchen zu arbeiten. Doch dann verschwindet das kleine Mädchen, auf das sie aufpassen sollte, spurlos. Die Komponisten sahen sich vor der Herausforderung eine Musik zu komponieren, die den „Figuren Raum zum Atmen geben und dem Zuschauer Platz für seine eigenen Gefühle lassen soll.“

Stand: 03.06.2015

Still aus "Ein Atem"  | Bild: BR

Ein großes Thema, erzählt in einer deutschen Wohlstandsfamilie: das Auseinanderbrechen Europas zwischen Nord und Süd, der Kontrast zwischen arm und reich. Und im Mittelpunkt zwei starke Frauen: die griechische „Arbeitsemigrantin“ Elena (Chara-Mata Ginnatou), die sich wegen der Griechenland-Krise eine neue Existenz in Deutschland aufbauen möchte, und Tessa (Jördis Triebel) im Spannungsfeld ihrer neuen Rolle als junge Mutter und dem Wunsch, wieder schnell zu arbeiten. Als ihre Tochter und auch Elena verschwinden, macht sie sich in Griechenland auf die verzweifelte Suche nach ihrem Kind. Eine Odyssee beginnt. „Ein Atem“, eine deutsch-griechische Koproduktion (u.a. mit dem BR) wurde in Frankfurt und Athen gedreht. Noch vor dem geplanten Kinostart zeigt filmtonart Ausschnitte aus dem Film.

Christoph M. Kaiser: Klassische Scores und experimentelle Musik 

Seine musikalische Laufbahn begann Christoph M. Kaiser 1988 mit der Gründung der Band „The Jeremy Day“. Als Songwriter und Bassist tourte er mit ihr durch Europa und den USA und nahm neun Alben auf. Ab 1996 arbeitete er als künstlerischer Produzent für unterschiedliche Bands und Labels in Deutschland, England und Irland – aber er produzierte auch zunehmend Musik fürs Kino: „Sexy Sadie“, „Anatomie“ und „Crazy“. Seit 2003 arbeitet Christoph M. Kaiser mit Julian Maas als Komponist für Fernseh- und Spielfilme zusammen. Je nach Thematik und Stil des Films schreiben Kaiser & Maas klassisch orchestrale Scores oder komponieren auch experimentelle Musik und spielen so viele Instrumente wie möglich selbst. Aus ihrer Feder stammen preisgekrönte Titelmusiken wie zur ZDF-Krimiserie „KDD“ (Deutscher Fernsehpreis 2008) oder zum Kinofilm „Die kommenden Tage“ (Preis der Deutschen Filmkritik 2010).

Julian Maas: Erfolgsteam mit Christoph M. Kaiser

Sein Weg zur Filmmusik verlief ganz klassisch: Julian Maas studierte Klavier und Komposition am Königlichen Konservatorium in Brüssel. Nach dem Studienabschluss ging er nach Hamburg, übernahm Aufträge als Songschreiber und Arrangeur. Ab dem Jahr 2000 widmete er sich zunehmend der orchestralen Musik und arbeitete u. a. mit dem Ensemble Resonanz und dem Filmorchester Babelsberg zusammen.

Mit seinem Komponisten-Kollegen Christoph M. Kaiser bildet Julian Maas seit 2003 ein echtes Dream-Team. Sie schrieben nicht nur die Filmmusik zu „Ein Atem“, sondern gaben über 15 „Tatort“-Folgen wie „Der Tote im Nachtzug“ den perfekten Thrill. Zu ihren jüngsten Projekten gehört u. a. das Filmdrama „Wolfskinder“ von Rick Ostermann, das 2014 den Deutschen Friedenspreis gewann, sowie das Drama „Jack“ von Edward Berger und „Der Staat gegen Fritz Bauer“, der neueste Film von Grimme-Preisträger Lars Kraume.

Christian Zübert: Regisseur mit Germanistik-Studium

Als Sönke Wortmann ihn 2000 für seine Komödie „Lammbock“ entdeckte und überließ er ihm neben dem Schreiben des Drehbuchs schließlich auch die Regie und somit was der Startschuss für eine erfolgreiche Laufbahn gefallen. Zübert verfasste noch weitere Drehbücher, war an „Mädchen, Mädchen“ beteiligt, übernahm zunehmend aber auch Regie-Arbeiten. Seine Inszenierung des Kinder-Abenteuerfilms „Der Schatz der weißen Falken“, zu dem er auch das Drehbuch schrieb, gewann den Deutschen Filmpreis als bester Kinder- und Jugendfilm 2006. Weitere Projekte als Regisseur: die Gaunerkomödie „Hardcover“, die Krimireihe „KDD“ und der mit dem Adolf Grimme Preis ausgezeichnete „Tatort: Nie wieder frei sein“ für den Bayerischen Rundfunk. Für die Komödie „Dreiviertelmond“ deren Geschichte er auch selber geschrieben hatte, erhielt er den Bayerischen Filmpreis. Nach dem Drehbuch zur bayerischen Krimi-Komödie „Dampfnudelblues“ übernahm Zübert erneut die Regie: zur Tragikomödie „Hin und weg“, die 2015 eine Nominierung für den Jupiter Award erhielt.

Bettina Reitz: Anspruchsvolle Filme sind ihr Markenzeichen

Schon als Studentin arbeitete Bettina Reitz fürs Fernsehen: Sie bereitete Dossiers für Hans-Joachim Kulenkampffs legendäre Quizshow „Einer wird gewinnen“ vor. Nach dem Studium der Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwirtschaft und Psychologie startete die gebürtige Frankfurterin ihre TV-Karriere. Zunächst beim Hessischen Rundfunk, dann beim ZDF, als stellvertretende Redaktionsleiterin in der Hauptredaktion Fernsehspiel und schließlich als Produzentin bei der teamWorx GmbH.

Für den Bayerischen Rundfunk war Bettina Reitz bereits von 2003 bis 2011 tätig – als Leiterin des Programmbereichs Spiel-Film-Serie. In dieser Position realisierte sie zahlreiche anspruchsvolle, zeitgeschichtlich oder politisch-gesellschaftlich relevante Projekte, die nicht nur ein breites Publikum fanden, sondern auch viele national und international renommierte Preise und Auszeichnungen erhielten. Nach ihrer Zeit als Degeto-Geschäftsführerin übernahm sie 2012 ihren derzeitigen Posten beim Bayerischen Rundfunk. Ihr Motto: „Wir müssen auch überraschen“ – und „Originalität ins Programm bringen.“

Panel

Ein Atem
Große Gefühle bei zurückhaltendem Score
Studio 1, 13.00 Uhr

Gäste
Christoph M. Kaiser | Komponist • Musiker • Produzent
Julian Maas | Komponist • Musiker • Produzent
Christian Zübert | Drehbuchautor • Filmregisseur

Moderation
Bettina Reitz | Fernsehdirektorin BR


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